<TEI xml:lang="de" xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader xml:lang="de">
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title xml:lang="de">Adele Stürzl – Linker Widerstand</title>
        <respStmt ana="marcrelator:mrk">
          <resp>Erfassung der geografischen und historischen Daten</resp>
          <persName>
            <forename>Lukas</forename>
            <surname>Nievoll</surname>
          </persName>
          <persName>
            <forename>Victoria</forename>
            <surname>Kumar</surname>
          </persName>
          <persName>
            <forename>Heimo</forename>
            <surname>Halbrainer</surname>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:mrk">
          <resp>Daten- und Informationsmodellierung</resp>
          <persName>
            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt>
          <resp>Didaktische Aufarbeitung</resp>
          <persName>
            <forename>Georg</forename>
            <surname>Marschnig</surname>
          </persName>
          <persName>
            <forename>Grit</forename>
            <surname>Oelschlegel</surname>
          </persName>
        </respStmt>
        <funder ana="marcrelator:fnd">
          <orgName ref="https://www.zukunftsfonds.steiermark.at/">Land Steiermark: Zukunftsfonds Steiermark</orgName>
          <address>
            <addName>Friedrichgasse 9 8010 Graz</addName>
          </address>
        </funder>
        <funder ana="marcrelator:fnd">
          <orgName ref="https://www.nationalfonds.org/startseite">Nationalfonds der Repuplik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus</orgName>
          <idno type="wikidata">Q27949109</idno>
        </funder>
        <funder ana="marcrelator:fnd">
          <orgName ref="http://www.zukunftsfonds-austria.at/">Zukunftsfonds der Republik Österreich</orgName>
          <idno type="wikidata">Q228721</idno>
        </funder>
        <funder ana="marcrelator:fnd">
          <orgName ref="https://www.graz.at/">Stadt Graz</orgName>
          <idno type="wikidata">Q13298</idno>
        </funder>
        <funder ana="marcrelator:fnd">
          <orgName ref="https://vorarlberg.at/">Land Vorarlberg</orgName>
          <idno type="wikidata">Q38981</idno>
        </funder>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>
          <link target="https://juedischestudien.uni-graz.at/"/>
          <orgName ref="https://d-nb.info/gnd/10034042-8">Centrum für Jüdische Studien,  Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
        </publisher>
        <authority>
          <link target="https://informationsmodellierung.uni-graz.at"/>
          <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/1137284463">Zentrum für  Informationsmodellierung - Austrian Centre for Digital Humanities,  Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
        </authority>
        <distributor>
          <link target="https://glossa.uni-graz.at"/>
          <orgName>GAMS - Geisteswissenschaftliches Asset Management System</orgName>
        </distributor>
        <date when="2019">2019</date>
        <pubPlace>Graz</pubPlace>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0">Creative  Commons BY-NC 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="PID">o:derla.fixtir50</idno>
      </publicationStmt>
      <seriesStmt>
        <title ref="https://glossa.uni-graz.at/derla">DERLA: Digitale Erinnerungslandschaften</title>
        <respStmt ana="marcrelator:pdr">
          <resp>Projektleitung</resp>
          <persName>
            <forename>Gerald</forename>
            <surname>Lamprecht</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-9622-9269</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:rth">
          <resp>ZIM Forschungsleiter</resp>
          <persName>
            <forename>Georg</forename>
            <surname>Vogeler</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-1726-1712</idno>
          </persName>
        </respStmt>
        <respStmt ana="marcrelator:res">
          <resp>ZIM Mitarbeiter</resp>
          <persName>
            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
          </persName>
        </respStmt>
      </seriesStmt>
      <sourceDesc>
        <p>Fixiertes Vermittlungsangebot, born digital</p>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <settingDesc>
        <place>
          <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.tir50</idno>
        </place>
        <listPlace>
          <place type="additional">
            <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.tir53</idno>
          </place>
          <place type="additional">
            <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.tir157</idno>
          </place>
          <place type="additional">
            <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.tir209</idno>
          </place>
          <place type="additional">
            <idno type="URI">https://gams.uni-graz.at/o:derla.tir</idno>
          </place>
        </listPlace>
      </settingDesc>
    </profileDesc>
    <encodingDesc>
      <geoDecl datum="WGS84" xml:id="WGS">World Geodetic System</geoDecl>
      <editorialDecl>
        <p>Born digital TEI Dokument zur Beschreibung eines Erinnerungsortes bzw. Erinnerungszeichens.</p>
        <p>Erinnerungszeichen markieren Erinnerungsorte und machen sie in der Öffentlichkeit sichtbar. Sie sind ein sichtbarer Verweis auf Ereignisse, Erfahrungen und Verbrechen, die der Nationalsozialismus und Faschismus zu verantworten haben und sind intentionaler Ausdruck der Erinnerungskultur einer bestimmten Gruppe. Sie können physische oder virtuelle Manifestationen sein. Zur genaueren Bestimmung und Analyse werden die einzelnen Erinnerungsorte/Erinnerungszeichen durch spezifische Kriterien genauer klassifiziert und mit Information angereichert. Hierbei kann es zu Überlappungen und in manchen Fällen zu Unschärfen kommen, weshalb teils Mehrfachzuordnungen in den einzelnen Kategorien vorgenommen werden.</p>
      </editorialDecl>
      <projectDesc>
        <p>Die digitale Erinnerungslandkarte Österreichs (DERLA) ist ein Dokumentations- und Vermittlungsprojekt. Es dokumentiert die Erinnerungsorte und -zeichen an die Opfer sowie die Orte des Terrors des Nationalsozialismus in Österreich und setzt sich die kritische Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Faschismus und der Erinnerung daran zum Ziel. Die ständig neu zu stellenden Fragen, was, wann, wo und von wem wie erinnert wurde und wird, geben Einblicke in die Transformationen der Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und sind Ausdruck unseres politischen und gesellschaftlichen Selbstverständnisses in der Gegenwart. „Gedächtnisorte“, Denk- und Mahnmäler, Gedenktafeln, Gedenkstätten sowie Straßenbezeichnungen nach WiderstandskämpferInnen und Opfern des NS-Regimes sind die Materialisationen des Geschichtsbewusstseins im Alltag. Der Blick auf die Erinnerungslandschaft in der Gegenwart gibt daher zum einen Einblick in das kollektive Gedächtnis der österreichischen Gesellschaft und zum anderen legt die Beschäftigung mit ihrer Entstehungsgeschichte die Konjunkturen dieser Beschäftigung offen.</p>
      </projectDesc>
      <listPrefixDef>
        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
        </prefixDef>
      </listPrefixDef>
    </encodingDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <ab>
        <ref target="info:fedora/context:derla" type="context">DERLA</ref>
        <ref target="info:fedora/context:derladidactics" type="context">DERLA didactics</ref>
      </ab>
      <div type="factbox">
        <p rend="Beschreibung">Du setzt dich mithilfe eines Kurzfilms mit Adele Stürzl auseinander. Sie war Mitglied einer linken Widerstandsgruppe im Tiroler Unterland. Du lernst ihre Lebensgeschichte kennen, erfährst, wie an sie und ihre MitstreiterInnen erinnert wird und überlegst dir, wie die Erinnerung an Menschen, die Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben, wachgehalten werden kann.</p>
        <p rend="Ort, Gemeinde EO/EZ">Bezirk Kufstein</p>
        <p rend="Zeitbedarf">je nach Einsatz 100 bis 250 Minuten</p>
        <p rend="Alter">13–18 Jahre</p>
        <p rend="Vermittlungsort">Klassenraum</p>
      </div>
      <div type="mehrErfahren">
        <p>
          <emph style="color">Der Mensch</emph>
          <space/>
          <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.perstir#perstir32">Adele Stürzl</ref>
               wurde am 23.11.1892 in Wien als Arbeiterkind geboren. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern musste sie von Kindesbeinen an hart arbeiten und erlebte, dass Mägde wie sie als rechtlos angesehen wurden. Sie befreite sich jedoch aus dieser Unterdrückungssituation, ging nach Wien und trat der Gewerkschaft bei. Als Kindermädchen in einem bürgerlichen Haushalt in Budapest lernte sie Hans Stürzl kennen und heiratete ihn. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ging sie mit ihrem Mann nach Kufstein. Dort arbeitete sie in einer Munitionsfabrik und erkämpfte als Gewerkschafterin eine Erhöhung der Hungerlöhne für die Arbeiterinnen.
               <space/>
               Sie engagierte sich zunächst in der SPÖ, dann in der KPÖ. Adele Stürzl setzte sich vor allem für Arbeitslose und Menschen in Not ein und war deswegen bei den ArbeiterInnen sowie in der Kleinbauernschaft hoch angesehen. Auch nach dem Verbot der KPÖ in der
               <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss258">Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur</ref>
               engagierte sich Stürzl weiter. Mehrmals wurde sie in der Zeit von 1933 bis 1935 verhaftet und musste ins Gefängnis.
               <space/>
               Im Wissen darum, dass der Widerstand gegen das Terror-Regime der Nationalsozialisten gefährlich ist, kassierte Adele Stürzl dennoch Mitgliedsbeiträge für die KPÖ, um Menschen in Notsituationen zu unterstützen. Sie versuchte, einem
               <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss218">Deserteur</ref>
               zur Flucht zu verhelfen und eine Hungerdemonstration am 1. Mai zu organisieren.
               <space/>
               Als ein Netzwerk von linken Widerstandsgruppen im Tiroler Unterland und in Innsbruck mit Kontakt nach Deutschland aufgebaut wurde, stellte sie ihre Wohnung für ein Treffen mit dem Kopf der Freiheitsbewegung, dem Leiter der
               <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss266">illegalen KP</ref>
               Berlins, Robert Uhrig, zur Verfügung. Dieser Kontakt wurde ihr zum Verhängnis. Als die Gestapo den Widerstand enttarnte, kam Adele Stürzl zusammen mit vielen weiteren Menschen in Haft. Am 11. November 1942 verurteilte ein Sondergericht Innsbruck Adele Stürzl wegen der versuchten Fluchthilfe für den Deserteur zu vier Jahren Zuchthaus; sie musste aber in der Innsbrucker Haftanstalt bis kurz vor Beginn des Prozesses gegen die Gruppe „Roby“ bleiben. Im Gefängnis unterstützte sie Mitgefangene und richtete sie durch ihre solidarische Haltung auf. Der
               <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss178">Volksgerichtshof</ref>
               verurteilte Adele Stürzl am 14. April 1944 wegen Hochverrats und Feindbegünstigung zum Tod. Obwohl sie gesundheitlich schwer angeschlagen war, wurde sie am 30. Juni 1944 in München hingerichtet.
               <space/>
          <emph style="color">Die Erinnerung</emph>

          <space/>
               Seit den 1970er Jahren engagierte sich Karl Mandler dafür, dass seine ehemalige Parteikollegin, Adele Stürzl, öffentliche Anerkennung erhält. Er war von 1930 bis 1932 Obmann der Sozialdemokratischen Partei Kufsteins und nach 1945 Vorsitzender des Bundes der Opfer des politischen Freiheitskampfes. Auf seine Initiative hin brachte die Stadt Kufstein 1987 an der
               <ref
            target="http://gams.uni-graz.at/o:derla.tir50">Gedenktafel im Soldatenfriedhof</ref>
               , die an die Gefallenen beider Weltkriege und an die Bombenopfer des Zweiten Weltkriegs erinnert, eine zusätzliche Inschrift an: „Opfer des Widerstandes – 1944 Adele Stürzl“. Im September 1993 beschloss der Kufsteiner Stadtrat, eine
               <ref
            target="http://gams.uni-graz.at/o:derla.tir53">Straße in Kufstein-Weissach</ref>
               , nach Adele Stürzl zu benennen.
               <space/>
               2009 veröffentlichte die Tiroler Autorin Rosmarie Thüminger eine literarische Spurensuche zur Person von Adele Stürzl. „Mit offenen Augen“ nannte sie ihre historisch-literarische Annäherung an die Lebensgeschichte der Widerstandskämpferin. Sie wollte 65 Jahre nach der Hinrichtung von Adele Stürzl und ihrer sechs Mitstreiter auf den linken Widerstand aufmerksam machen, der in Tirol lange vergessen blieb, obwohl die meisten Opfer des Widerstandes dieser Gruppe zuzurechnen sind.
               <space/>
               Bei der Neugestaltung des Eduard-Wallnöfer-Platzes vor dem Landhaus ergänzte der Künstler Christopher Grüner mit Historikern das
               <ref target="http://gams.uni-graz.at/o:derla.tir157">Befreiungsdenkmal</ref>
               , dass die französische Militärregierung 1948 errichtete. Die Inschrift „Pro libertate Austriae mortuis“ war nur für Menschen mit Latein- und/oder Geschichtskenntnissen zu verstehen. Daher wurden 2011 auf den Schmalseiten die Inschrift auf Deutsch übersetzt und auch die Namen der WiderstandskämpferInnen angebracht, die für die Freiheit Österreichs gestorben sind. Dort ist auch der Name von Adele Stürzl zu lesen.
            </p>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Martin Achrainer, Adele Stürzl (1892-1944). Die Rosa Luxemburg von Kufstein, in: Horst Schreiber, Ingrid Tschugg, Alexandra Weiss (Hg.): Frauen in Tirol. Pionierinnen in Politik, Wirtschaft, Literatur, Musik, Kunst und Wissenschaft, Innsbruck 2003, 38-45.

Peter Gautschi, Vom Nutzen des Biografischen für das historische Lernen, in: Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern (Hg.), Menschen mit Zivilcourage. Mut, Widerstand und verantwortliches Handeln in Geschichte und Gegenwart, Luzern 2015, 171-191.

Horst Schreiber, Nationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol. Opfer. Täter. Gegner (Tiroler Studien zu Geschichte und Politik 8), Innsbruck/Wien/Bozen 2008, 321-322.

Horst Schreiber, Gedächtnislandschaft Tirol. Zeichen der Erinnerung an Widerstand, Verfolgung und Befreiung 1938–1945 (Veröffentlichungen des Innsbrucker Stadtarchivs, Neue Folge 68/Tiroler Studien zu Geschichte und Politik 24), Innsbruck/Wien/Bozen 2019.
</item>
        </list>
      </div>
      <div type="mehrMachen">
        <head>Adele Stürzl – Linker Widerstand</head>
        <caption>Didaktischer Kommentar</caption>
        <p>Der Begegnung mit Biografien im Unterricht kommt eine bedeutende Rolle zu. Die Beschäftigung mit den Lebenssituationen von Menschen und ihrem Handeln eröffnet Lernerfahrungen zur Orientierung der SchülerInnen in der Gegenwart und zur Beantwortung geschichtlicher Fragen. Die Darstellung der Erinnerungsgeschichte zu einzelnen Menschen macht Erinnerungskultur als einen historisch gewachsenen Prozess greifbar und nimmt den Umgang mit der NS-Zeit nach 1945 in den Blick. Ein handlungsorientierter Ansatz vermittelt den SchülerInnen, dass sie mit ihrem eigenen Tun Teil der Geschichte sind. Neben der historischen Frage- und Sachkompetenz zielt das Vermittlungsangebot auf die Schulung der historischen Orientierungskompetenz ab.</p>
        <caption>Arbeitsaufträge</caption>
        <caption>Vermittlungshinweise</caption>
        <p>
               Das Vermittlungsangebot eignet sich für SchülerInnen ab 13 Jahren und gliedert sich in mehrere Teile, die je nach Zeitbedarf unabhängig voneinander eingesetzt werden können. Im Mittelpunkt steht Adele Stürzl, die von den Nationalsozialisten umgebracht wurde, weil die sich auch im NS-Terrorregime nicht von ihrer sozialen Einstellung abbringen ließ. Sowohl ihr Leben als auch das Andenken an sie werden in den Blick genommen.
               <space/>
          <emph style="bold">Einstimmen:</emph>
               Der Arbeitsauftrag startet mit einer Einzelarbeit. Durch die Betrachtung der Gedenkzeichens soll das Interesse der SchülerInnen für den Menschen hinter den Zeichen geweckt werden.
               <space/>
          <emph style="bold">Lernen:</emph>
               Die SchülerInnen arbeiten paarweise mit einem Kurzfilm, lernen die Lebensgeschichte kennen und erfahren mehr über die Erinnerung an Adele Stürzl. Wahlweise kann der Text im Menüpunkt Mehr erfahren herangezogen werden, um weitere Informationen zu erhalten. Am Ende erfolgt ein Austausch zwischen den Gruppen.
               <space/>
          <emph style="bold">Forschen:</emph>
               Die SchülerInnen überlegen, warum Frauen in der Erinnerungslandschaft zum Widerstand unterrepräsentiert sind, und lernen weitere widerständige Frauen mithilfe der Karte der Erinnerung kennen.
               <space/>
          <emph style="bold">Erinnern:</emph>
               Die SchülerInnen diskutieren darüber, welche Bedeutung die Lebensgeschichte von Adele Stürzl in der Gegenwart hat und wie die Erinnerung an sie wachgehalten werden kann. Sie planen dazu ein konkretes Projekt, das als Klasse umgesetzt werden soll.
               <space/>
          <emph style="bold">Reflektieren:</emph>
               Zum Abschluss versuchen die SchülerInnen zu reflektieren, was ihnen durch diese Unterrichtseinheit im Besonderen klar geworden ist, was sie gelernt haben und was sie beschäftigt.
            </p>
        <caption>Vermittlungsziele</caption>
        <list>
          <item>Die SchülerInnen lernen die Lebens- und Erinnerungsgeschichte einer Frau kennen, die sich von der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten nicht von ihrem sozialen Engagement abbringen ließ. 
Die SchülerInnen machen sich Gedanken über die Bedeutung dieser Geschichte für die Gegenwart.
Die SchülerInnen diskutieren unterschiedliche Formen des Gedenkens.
Die SchülerInnen erkennen die Notwendigkeit von offiziellem Gedenken an die NS-Gewaltherrschaft.
</item>
        </list>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>-</item>
        </list>
      </div>
      <div type="quellenText">
        <p>
               Adele Stürzl schildert in der KP-Zeitung „Rote Fahne“ den Kampf um Lohnerhöhung in der Kufsteiner Fabrik für Handgranatenherstellung als den Beginn ihrer politischen Arbeit:
               <space/>
               „Dort arbeiteten ausschließlich Frauen im Akkord um einen Hungerslohn. Als die Arbeiterinnen erfuhren, daß ich eine Wienerin sei, wurde ich sofort als ihre Führerin gewählt und wir beschlossen eine Lohnforderung. Ich wurde in die Kanzlei zu Verhandlungen gerufen. Hier bot mir der Unternehmer pro 100 Stück eine Krone mehr, weil ich besser arbeitete als die anderen. Als ich dies Ansinnen ablehnte, erklärte die Unternehmersfrau, ich sei eine hergelaufene Aufwieglerin. Ich teilte meinen Kolleginnen alles mit und wir traten in den Streik, welcher zirka fünf Stunden dauerte. Man bewilligte schließlich unsere Forderungen.“
               <space/>
          <space/>
               Eine Mitgefangene, Carmela Flöck, die einer Widerstandsgruppe der christlich-sozialen Arbeiterbewegung angehörte, erinnert sich an Adele Stürzl:
               <space/>
               „Adele Stürzl, führende Kommunistin in Kufstein, war ein paar Jahre älter als ich, von kleiner, robuster Statur, mit graumeliertem Haar und sehr blaß Sie war schon mehr als sieben Monate in Haft. Adele nahm sich sofort meiner an. Sie war die Zellenälteste, d.h. am längsten in Haft, und das war zu respektieren. (…) Ich denke so oft dankbaren Herzens an Adele. Sie war mir in diesen Tagen eine große Stütze und eine gute Lehrmeisterin. Sie stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite, denn sie war kein Neuling in diesem Haus.“
               <space/>
          <space/>
               Ein Überlebender des Prozesses gegen die linke Unterländer Widerstandsgruppe (wegen ihrer Kontakte zu Robert Uhrig, dem Chef der illegalen Berliner KP, auch „Gruppe Roby“ genannt) erinnert sich:
               <space/>
               „Der Vorsitzende warf ihr (Stürzl) vor, sie sei eine alte, fanatische Kommunistin mit dem einzigen Bestreben, die Arbeiter aufzuhetzen und unzufrieden zu machen. Das Motiv ihrer politischen Tätigkeit sei der Hass gegen Ordnung und Eigentum. Adele Stürzl wies diese Angriffe zurück und schilderte ihr Leben und Schicksal. Ihre Kindheit und Jugend sei furchtbar traurig gewesen. Hunger und Not waren di ständigen Begleiter. Dieses Elend brachte ihre Mutter ins Irrenhaus, wo sie auch starb. Nun kam Adele Stürzl zu fremden Leuten und musste schon vor der Schulentlassung ihr karges Brot selbst verdienen. Sie kam dann zur Sozialdemokratie und war lange Zeit Mitglied und Funktionärin dieser Partei. Ihre Mitgliedschaft gründete sich in erster Linie auf ihre soziale Einstellung, denn ihr ganzes Trachten ging dahin, den Armen und Ärmsten zu helfen. Also die Partei 1934 aufgelöst wurde, setzte sie ihre Tätigkeit und Hilfsbereitschaft fort. – Hier wurde sie vom Vorsitzenden unterbrochen: ‚Wir wissen über Sie besser Bescheid.' Er zog aus den Akten eine Zeitung, es war eine Nummer der ‚Roten Fahne', und fragte: ‚Kennen Sie dieses Bild? Das sind doch Sie selber! Sie waren eine führende Kommunistin, das genügt uns!' Damit schnitt er jedes weitere Wort ab.“
               <space/>
               (Sämtliche Zitate stammen aus dem Artikel von Martin Achrainer, Adele Stürzl (1892-1944). Die Rosa Luxemburg von Kufstein, in: Horst Schreiber, Ingrid Tschugg, Alexandra Weiss (Hg.), Frauen in Tirol. Pionierinnen in Politik, Wirtschaft, Literatur, Musik, Kunst und Wissenschaft, Innsbruck 2003, 38-45.)
            </p>
        <caption>Titel / Beschreibung</caption>
        <p>-</p>
        <caption>Quellenzitat</caption>
        <p>-</p>
      </div>
      <linkGrp>
        <ptr ref="https://vimeo.com/771626815"
          rend="Adele Stürzl und das Gedenken an ihre Lebensgeschichte, 2022 (© Irmgard Bibermann/Marco Friedrich Trenkwalder)" rendition="Kurzvideo über Adele Stürzl und das Gedenken an ihre Lebensgeschichte."/>
      </linkGrp>
    </body>
  </text>
  <facsimile>
    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixtir50" xml:id="IMAGE.1">
      <desc>Ein neues Buch würdigt Frauen in Oberösterreich, die sich gegen das NS-Regime stellten.</desc>
      <desc type="title">Ein neues Buch würdigt Frauen in Oberösterreich, die sich gegen das NS-Regime stellten.
Zitat: Markus Rohrhofer, Licht auf den weiblichen Widerstand gegen den Naziterror, in: Der Standard, 29.3.2022.
</desc>
    </graphic>
  </facsimile>
</TEI>
