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Zu: Stolperstein für Adele Kurzweil

Textquellen
Hanna Papanek, ebenfalls Mitglied der Gruppe der „Roten Falken“ erinnerte sich an diese Zeit:
Damals wusste ich nur, dass ich mich in der Gruppe sehr glücklich fühlte. Im Rückblick sind mir viele Gründe dafür klar geworden. Als Kinder im Exil, ganz plötzlich aus unserer bekannten Welt gerissen, fanden wir in der Gruppe andere Kinder, die unser Schicksal teilten und mit denen wir uns sehr rasch anfreundeten. Auch sprachen wir miteinander meistens Deutsch, obwohl wir in der Schule und auf der Straße auch schnell Französisch lernten. Die Solidarität innerhalb der Gruppe war uns außerordentlich wichtig, aber es wurde uns auch bewusst, dass wir (und unsere Eltern) ein Teil der internationalen Arbeiterbewegung waren. Durch unsere politischen Diskussionen lernten wir vieles, das uns unser Exil nicht nur verständlich machte, sondern uns (und unseren Eltern) eine wichtige Rolle als Mitglieder des politischen Widerstands gab. Wir waren keine isolierten Flüchtlinge, sondern teilten ein Schicksal mit vielen anderen, die mutig gegen den Nationalsozialismus fochten. Vor allem lernten wir aus der marxistischen ‚Logik der Geschichte’, die wir in der Gruppe diskutierten, dass der Sieg der sozialistischen Arbeiterbewegung unabwendbar war. Wir glaubten so fest an unseren zukünftigen Sieg, dass wir die Schwierigkeiten des Exils leichter ertragen konnten.
Quellenzitat
Hanna Papanek, Die unentbehrliche, unerträgliche Forschung, in: ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus/Christian Ehetreiber/Heimo Halbrainer/Bettina Ramp (Hg.), Der Koffer der Adele Kurzweil. Auf den Spuren einer Grazer jüdischen Familie in der Emigration, Graz 2001, 41–54, hier 44.