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Zu: Denkmal für NS-Opfer aus der Gemeinde Rosegg/Rožek

Textquellen
Zeitzeugenbericht von Ljudmila Sticker aus St. Peter im Rosental aus ihren 1971 verfassten Tagebuchaufzeichnungen über die Ereignisse des 14. April 1942
„Eine schwere Hand trommelt auf die Fensterscheiben und rüttelt uns aus süßen Träumen. ‚Aufmachen, Geheime Staatspolizei ist da!‘ befiehlt eine raue Stimme. Ein scharfes Schwert durchzuckt meine Seele. Jene todbringende Gesellschaft, vor der jeder Ehrenmann zittert. Nur mit letzter Mühe kann ich die Worte ‚Jozej, hörst du?‘ hervorbringen. ‚Ja, ich habe gehört, was wollen sie bloß?‘. In Todesangst stehen wir auf und ziehen uns notdürftig an. […] Er bekreuzigt sich und öffnet die Haustür. Ängstlich folge ich ihm. Zwei Herren der berüchtigten Hitlerorganisation SS treten ein. Er muß ihnen die Stube zeigen. Die Ankömmlinge setzen sich zum Tisch, nehmen aus der Tasche ein Schriftstück und lesen laut die Namen aller Familienmitglieder vor. Auch unser Großvater, der am 20. Februar 1942 verstarb, war darauf. Als er fertig gelesen hatte, sagte er militärisch hart: ‚Ich habe ihnen mitzuteilen, daß sie binnen einer halben Stunde mit ihrer ganzen Familie das Haus zu verlassen haben. Sie werden ausgesiedelt. Geld, wichtige Dokumente, Kleider und Wäsche dürft ihr mitnehmen, alles übrige bleibt beim Haus.‘ Unbeschreiblich sind die damaligen Gefühle. […] ‚Was haben wir verbrochen, daß ihr uns so grausam aus der Heimat davonjagt?‘ ‚Ihr müsst aus diesem Gebiet, weil ihr der Ausbreitung des Deutschtums im Wege steht!‘ ‚Wohin sollen wir?‘ Wohin wollt ihr uns mit all den keinen Kindern zerren?‘ ‚Heute geht’s zum Sammelplatz nach Klagenfurt und dann nach Deutschland. Wohin, weiß ich auch nicht. Macht euch schnell fertig!‘ Rauh und unerbittlich wie die ganze eiserne Hitlerdiktatur war seine Stimme. Mittlerweile wurde auch die Großmutter, die im selben Raum schlief, munter. Verständnislos starrte sie vor sich hin. Fassungslos waren wir alle, und ich wußte nicht, wie und wo ich mit dem Packen beginnen sollte. […] Wir waren sicher, daß auch meine Eltern aus Rosegg vertrieben würden. […] Schnell verbreitete sich die Nachricht im ganzen Dorf, und das Haus füllte sich mit Nachbarn. Manche halfen uns beim Packen, andere trugen verschiedene Sachen in einen sicheren Raum. Viele weinten nur, vor allem beim Anblick der kleinen Kinder. […] Nun erfuhren wir noch von anderen Familien, die dasselbe Schicksal ereilte.“
Quellenzitat
Werner Koroschitz, Helge Stromberger (Hg.): Zeichen setzen: NS-Opfer der Marktgemeinde Rosegg, Klagenfurt 2010, 20-21