DERLA |

VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Bahnhofstraße 121, 9762 Greifenburg
Beschreibung: Anhand dieser Gedenkstätte setzen sich die SchülerInnen mit verschiedenen Opfergruppen im Oberen Drautal auseinander und können auch die Entstehung einer solchen Gedenkstätte verfolgen. Durch die vertiefte Beschäftigung mit den Biografien einiger Opfer lernen sie verschiedene Opferschicksale und Stätten des Terrors kennen.
Ort: Bahnhofstraße, 9762 Greifenburg
Zeitbedarf: 3mal 45 Minuten und 30 Minuten vor Ort
Alter: ab 14 Jahren
Vermittlungsort: Klassenzimmer und vor Ort in Greifenburg


Verbundene Orte:




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Titel des Angebotes



Arbeitsaufträge



Didaktischer Kommentar



Vermittlungshinweise



Vermittlungsziele



Literatur





Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal



Didaktischer Kommentar

Das folgende Vermittlungsangebot eignet sich für SchülerInnen der Sekundarstufe II und gliedert sich in fünf Teile, die unmittelbar nacheinander oder zeitlich und räumlich getrennt bearbeitet werden können. Der erste und zweite Teil können im Klassenzimmer vor dem Besuch durchgeführt werden, Teil 3 des Angebots findet vor Ort statt und soll SchülerInnen diese besondere Gedenkstätte sinnlich und reflexiv erfahrbar machen. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit Opferschicksalen und mit der Regionalgeschichte erfolgt im Teil 4 und die Reflexion des Erlebten wird nach dem Besuch im Teil 5 anvisiert. In diesem optional durchführbaren letzten Teil erkennen die SchülerInnen u.a. die Rolle von regionalen Gedenkinitiativen. Das Vermittlungsangebot kann mit dem dynamischen Vermittlungsangebot „Auseinandersetzung mit Namensdenkmälern“ kombiniert werden, u.a. zu Themen wie Relevanz der Namen, Tilgung von Namen, Intention von Namendenkmälern.



Arbeitsaufträge

Teil 1: Zur Entstehung der Gedenkstätte

  1. Der Verein aegide, der an der Errichtung des Denkmals maßgeblich beteiligt war, hat auf seiner Homepage einen Pressespiegel zur Eröffnung erstellt. Lest daraus den Pressebericht der Kleinen Zeitung vom 28.10.2012 (Seite 9 im pdf) und vom 31.10.2012 (Seite 11 im pdf).
  2. Beantwortet die folgenden Fragen: Welcher Verein steht hinter dem Projekt? Welche Wissenschaftlerinnen haben die Biografien recherchiert und zusammengestellt? Wann begannen die Vorarbeiten? Welcher Künstler gestaltete das Mahnmal?
  3. Wie sieht es mit den Finanzen aus? Wer finanziert das Projekt?
  4. Diskutiert darüber, wer solche Projekte finanzieren sollte/könnte. An wen würdet ihr euch noch wenden?
Teil 2: Zur Gedenkstätte. Erkundungen im Vorfeld
  1. Die InitiatorInnen verwenden die Bezeichnung „Mahnmal“ für die Gedenkstätte. Informiert euch im didaktischen Glossar, was ein Mahnmal und was eine Gedenkstätte ist: Worin unterscheiden sie sich? Woran sollen Mahnmale erinnern? An wen richten sich Mahnmale?
  2. Inwiefern ist das Erinnerungszeichen eine Gedenkstätte? Wie könnte man den Leitsatz der Gedenkstätte „Aus dem Gedächtnis in die Erinnerung“ interpretieren? Worin unterscheiden sich die Wörter ‚Gedächtnis‘ und ‚Erinnerung‘?
  3. Lest den Informationstext zu der Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal auf der Homepage von DERLA („Mehr erfahren“). Welche Intention verbirgt sich hinter dem vorhin zitierten „Leitsatz“? Wie wurde der Leitsatz in die Form des Mahnmals „übersetzt“?
  4. Das Erinnerungszeichen steht in der Nähe des Bahnhofs. Warum haben Bahnhöfe im Kontext der Erinnerung an den NS-Terror auch symbolische Bedeutung? Kennt ihr Bilder/Filme oder habt ihr innere Bilder über Bahnhöfe als Stätte der Gewalt und/oder der Flucht in der NS-Zeit oder in anderen historischen Kontexten? (siehe dazu auch das Kärntner Vermittlungsmodul „Eisenbahner im Widerstand gegen das NS-Regime“)
  5. Welche Spuren der Gewalt sind auch dem konkreten Ort – dem Bahnhofgelände in Greifenburg – eingezeichnet?
Teil 3: Das Mahnmal erkunden
  1. Nimm dein Handy mit und versuche deine Reise, deine Eindrücke und Gedanken anhand kurzer Videosequenzen oder Fotos zu dokumentieren. Such geeignete (ungewohnte) filmische Perspektiven und Einstellungen, um Impressionen und Annäherungen einzufangen.
  2. Welche Wirkung übt die Gedenkstätte auf dich aus? Welche Formen siehst du? Was fühlst du? Was hörst du? Welche Assoziationen kommen dir in den Sinn?
  3. Was hältst du von der Symbolik der Gedenkstätte (Bruchstück, Gitter und aufgebrochene Gitter) und der Erinnerungsläden? In die Glasscheiben sind neben Name, Geburts- und Todesdaten der Opfer auch Zitate eingraviert. Welche Zitate machen dich nachdenklich? Welche Fragen hast du?
Teil 4: Erinnerungsarbeit zu den Opfern Variante 1
  1. Lest in Vierer-Gruppen die Biografie folgender Personen im Archiv der Namen: Josefine Blach , Stefan Hassler , Erich Ranacher , Hermann Fertin , Ida Mittinger
  2. Zeichnet den Lebensweg dieser Personen mit den wichtigsten Stationen und Ereignissen ihres Lebens nach. Versucht dabei eine multimediale Karte (mit Bild und Text) zu erstellen.
  3. Vergleicht im Plenum die Schicksale: Warum wurden diese Menschen verfolgt und ermordet?
Variante 2
  1. Sucht auf der Homepage der Gedenkstätte den Todesort aller Opfer und markiert diese Orte auf einer Landkarte.
  2. Einige der Todesorte kommen öfters vor. Was wisst ihr über diese Orte: Schloss Hartheim , KZ Lubin, KZ Mauthausen , KZ Dachau ? Recherchiert über die Orte. Ihr könnt das didaktische Glossars auf der DERLA-Homepage zur Hilfe nehmen.
  3. Lest die Lebenswege der Opfer und tragt im Plenum zusammen, zu welchen Opfergruppen die 39 Opfer gehören. Was wisst ihr über diese Opfergruppen? Welche Opfergruppen sind präsent und welche weniger präsent in den heutigen Erinnerungskulturen?
Teil 5: Reflexion und kreative Aufarbeitung des Erlebten Zum Einstieg
  1. Besprecht in der Klasse eure Erfahrungen und Erkenntnisse. Wie findet ihr die Form der Gedenkstätte (innovativ/bewegend/einleuchtend/befremdend)? Warum?
  2. Ist eurer Meinung nach die Lage der Gedenkstätte gut gewählt? Hättet ihr andere Vorschläge?
  3. Wer musste aktiv werden, damit diese Gedenkstätte zustande kommt? Welche unterschiedlichen Formen der Auseinandersetzung mit der Erinnerung an die Opfer im Oberen Drautal kann man unterscheiden (etwa wissenschaftlich, kulturell-künstlerisch… usw.)? Welche Aufgaben haben einzelne AkteurInnen aus den verschiedenen Bereichen?
Kreative Reflexionswege finden Wählt aus den folgenden Aufgaben eine aus und bearbeitet sie in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit!
  • Sammelt Argumente für und wider der Platzierung des Erinnerungszeichens in der Nähe des Bahnhofs und organisiert anschließend eine Diskussion mit verteilten Rollen zu der Wahl der Lage (mögliche Rollen: der Künstler Hans-Peter Profunser, der Projektleiter Peter Pirker, der Bürgermeister von Greifenburg, ein Vertreter vom ÖBB, weitere VertreterInnen von Bürgerinitiativen)!
  • Wie könntet ihr euren Erinnerungsprozess darstellen? Erstellt eine Reflexion des Gesehenen und Erfahrenen. Bei der Gestaltung könnt ihr auch eure Handy-Aufnahmen verwenden. Versucht kreative Zugänge zu wählen (Foto- und Zitatencollage mit/ohne Vertonung; Stummfilm/Kurzfilm…)!
  • Wenn euch einige Zitate aus den literarischen Texten besonders gut gefallen haben, könnt ihr aus den Zitaten eine Stimmenskulptur bauen. Dazu sollt ihr aus den Zitaten durch Collage einen mehrstimmigen Text komponieren. In einem zweiten Schritt erstellt ihr eine Sprechpartitur, in der genau aufgezeichnet ist, wie viele SprecherInnen welche Zeilen wie (Sprechform, Stimmlage, Sprechstimmung) in welcher Reihenfolge lesen. Beachtet Möglichkeiten der Wiederholung, des chorischen Sprechens und die Bedeutung der Pausen. Tragt anschließend den anderen eure Stimmenskulptur vor!
  • Die Recherche der Biografien dauerte lange Jahre. Wenn ihr ein Interview mit dem Historiker Peter Pirker machen könntet, was würdet ihr gerne fragen? Bereitet Interviewfragen vor und führt das Interview nach Möglichkeit durch!
Denkmalvergleich als vertiefende Fortsetzung
  1. Schaut euch verschiedene andere Namensdenkmäler auf der DERLA Homepage an (vgl. Auseinandersetzung mit Namensdenkmälern.) Was sind die Unterschiede zwischen den Denkmälern?
  2. Ausgehend von diesen Unterschieden und euren Eindrücken: Welche Fragen habt ihr an den Künstler Hans-Peter Profunser bzgl. der Gestaltung des Mahnmals?



Vermittlungshinweise

Der Teil 1 des Angebots ist optional und dient als Einstieg. Dafür sollten ca. 45 Minuten eingeplant werden. Dieser Teil kann in Gruppenarbeit im Klassenzimmer durchgeführt werden oder als Referate aufgegeben werden. Teil 2 ist integrativer Bestandteil des Moduls und kann im Klassenzimmer durchgeführt werden. Zur Klärung der Begriffe „Gedenkstätte“ und „Mahnmal“ kann die DERLA-Homepage (Didaktisches Glossar) verwendet werden. Für die symbolische Bedeutung des Standorts „Bahnhof“ können auch Filmausschnitte aus Filmen über die Shoah oder historische Fotografien über Deportationen angeboten werden. Im Modul „Eisenbahner im Widerstand gegen das NS-Regime“ zur Gedenktafel für den Eisenbahnerwiderstand am Bahnhof St. Veit an der Glan wird ebenfalls die Rolle der Bahn im Nationalsozialismus thematisiert. Teil 3 des Angebotes dient als Vertiefung und soll unbedingt vor Ort durchgeführt werden, damit die Besonderheit dieses Erinnerungszeichens nachvollzogen werden kann. Teil 4 bietet zwei Alternativen zur Arbeit mit Materialien an. Dieser Teil kann auch im Klassenzimmer in Gruppenarbeit erfolgen. Variante 1 fokussiert auf die Biografien von ausgewählten Opfern - diese befinden sich sowohl im Archiv der Namen als auch auf der Homepage der Gedenkstätte (http://www.aegide.at/de/2/Opfer/). Die Präsentationsform der Lebenswege der Opfer kann den SchülerInnen überlassen werden. Variante 2 beschäftigt sich mit den Orten des NS-Terrors. Hier sollen alle Biografien auf die wichtigsten Stationen durchsucht werden, damit diese Orte differenziert werden können und Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern hinsichtlich ihrer Todesstätte festgestellt werden können. Lernende können in Partnerarbeit jeweils 2 bis 3 Biografien übernehmen. Teil 5 gilt als optionales Zusatzangebot, das ortsungebunden im Klassenzimmer durchgeführt werden kann. Ziel ist es, SchülerInnen kreative Zugänge als Reflexionsmedium darzubieten und das Erfahrene/Erlebte zu bearbeiten. Die Aufgaben können als alternative Aktivitäten verschiedenen Gruppen zugeteilt werden, damit SchülerInnen die Form der Reflexion und der Weiterarbeit frei wählen können. Anhand des Begleitbuches zur Gedenkstätte kann auch die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Aufarbeitung erkannt werden, es wird aber auch ersichtlich, dass solche Gedenkstätte auch zivilgesellschaftliche Initiativen benötigen. Das Buch versammelt auch verschiedene literarische Texte – auf diese Weise werden auch künstlerische Zugänge sichtbar.



Vermittlungsziele

  • SchülerInnen werden befähigt, die Formensprache und die Wirkungsweise von Namensdenkmälern zu untersuchen und zu beschreiben
  • Die SchülerInnen setzen sich mit dem langjährigen Prozess der Entstehung von Denk- und Mahnmälern und deren gesellschaftlichen Bedingungen auseinander
  • Die SchülerInnen erhalten Einblicke in verschiedene Opfergruppen und Opferschicksale und Möglichkeiten aktiver Erinnerungsarbeit
  • Die SchülerInnen machen sinnliche und reflexive Erfahrungen mit einem Mahnmal
  • Die SchülerInnen finden kreative Zugänge zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Erinnerungsprozess
  • Die SchülerInnen lernen verschiedene Formen der Auseinandersetzung mit Erinnerung kennen: künstlerische, wissenschaftliche und öffentliche (schulische)


  • Literatur