DERLA |

VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



10. Oktober Platz, 9150 Bleiburg/Pliberk
Beschreibung: Das folgende Vermittlungsangebot eignet sich für SchülerInnen der Sekundarstufe II und gliedert sich in fünf Teile, wobei die Teile 1 und 2 optional sind. Die Lernenden können sich einerseits mit der Entstehung des Denkmals für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Andererseits kann über die Ausgestaltung des Platzes des Gedenkens die Problematik des österreichischen Opfermythos wie auch der Vermischung von Täter- und Opferpositionen diskutiert werden. Dazu wird auch der Begriff des ‚Opfers‘ differenziert.
Ort: 10. Oktober Platz (Platz des Gedenkens), Stadtfriedhof, 9150 Bleiburg
Zeitbedarf: flexibel gestaltbar, von 3 Unterrichtsstunden bis zu einem Projekttag
Alter: ab 14/15 Jahren
Vermittlungsort: im Klassenzimmer und/oder vor Ort am Platz des Gedenkens in Bleiburg/Pliberk


Verbundene Orte:




Mehr Machen



Titel des Angebotes



Arbeitsaufträge



Didaktischer Kommentar



Vermittlungshinweise



Vermittlungsziele



Literatur





Erinnerungskultur im Wandel. Das Denkmal für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus am Platz des Gedenkens in Bleiburg



Didaktischer Kommentar

Das Modul ermöglicht die Auseinandersetzung mit der Gestaltung eines neuen Denkmals, das in Bleiburg zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg an die zwangsweise ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Zudem setzen sich die SchülerInnen mit verschiedenen Opfergruppen und der Problematik der Vermischung von Täter- und Opferpositionen auseinander. Dazu wird sowohl der Begriff des ‚Opfers‘ differenziert betrachtet wie auch die Transformation der österreichischen Erinnerungskulturen untersucht. Das Vermittlungsangebot gehört zum Themenschwerpunkt „Erinnerungskulturen im Wandel“ und kann mit weiteren Vermittlungsangeboten kombiniert werden (z.B. Denkmal für ermordete Zeugen Jehovas in Techelsberg).



Arbeitsaufträge

Teil 1: Zum Begriff des Opfers (Optional)

  1. Sammelt Assoziationen zum Wort „Opfer“. Was verbindet ihr damit?
  2. Versucht nun verschiede Opfergruppen zu identifizieren. Wer kann warum im Kontext des Zweiten Weltkriegs als Opfer bezeichnet werden? Nennt so viele Beispiele wie möglich! Ihr könnt dazu auch die DERLA-Homepage (vgl. Karte der Erinnerung, Widmung des Erinnerungszeichens) zur Hilfe nehmen.
  3. Das Wort „Opfer“ wird insbesondere im Kontext der Erinnerungskultur in zwei Bedeutungsdimensionen brisant: als Heldenopfer („sacrifice“) und als Leidopfer („victim“). In den Textquellen findet ihr eine kurze Erklärung der Begriffe von Aleida Assmann. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Opfertypen? Nennt für beide einige Beispiele!
  4. Optional: Diskutiert darüber, wie gesamtgesellschaftlich an diese Opfergruppen (Helden- und Leidopfer) erinnert wird und erinnert werden sollte. Sucht in eurer näheren Umgebung nach Helden- bzw. Kriegerdenkmälern und Opferdenkmälern!
Teil 2: Zum ambivalenten Umgang mit Opfern in Österreich Lest den Quellentext von Claudia Kuretsidis-Haider zu österreichischen Erinnerungskulturen und Gedächtnislandschaften und beantwortet die folgenden Fragen:
  • Welche Phasen der Erinnerungskultur kann man in Österreich erkennen?
  • Warum dominierte relativ schnell nach dem Zweiten Weltkrieg das „Heldengedenken“? Welche anderen Opfergruppen waren aus dem Gedächtnis getilgt?
  • Wann kam die Wende in der kollektiven Erinnerung in Österreich? Seit wann werden andere Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnert?
Teil 3: Platz des Gedenkens. Vor dem Besuch Informiert euch mit Hilfe des Moduls "Mehr erfahren" über die Entstehung des Platzes des Gedenkens und des Denkmals in Bleiburg und rekonstruiert zunächst die Entstehung dieses Platzes:
  • Wie sah dieser Ort früher aus? Welche zwei Erinnerungszeichen existierten und wo standen sie?
  • An wen erinnerten diese Erinnerungszeichen?
  • Wann wurde der Platz des Gedenkens neu gestaltet und von wem?
  • Was war die Intention dieser Neugestaltung?
  • Wie sieht nun dieser Ort aus? Wo stehen die alten Erinnerungszeichen? Welche neuen Denkmäler sind hinzugekommen?
  • Könnt ihr an der Entstehungsgeschichte der Denkmäler die verschiedenen Phasen der österreichischen Erinnerung an die NS-Zeit identifizieren?
Teil 4: Platz des Gedenkens. Vor Ort
  1. Erkunde den Platz des Gedenkens und verschaffe dir einen Überblick! Wie wirkt der Platz auf dich?
  2. Beschreibe nun den Ort: Wo stehen welche Erinnerungszeichen? Welche Symbole stehen wofür? Mit welchen Materialien, Formen und Linien wird gearbeitet? Wie findest du das Zusammenspiel der einzelnen Erinnerungszeichen?
  3. Welche Informationen findet ihr vor Ort? Könnt ihr euch ein Bild von den Opfern machen? Welche Fragen stellen sich für euch noch? Was möchtet ihr gerne erfahren?
Teil 5: Reflexion
  1. Besprecht vor Ort oder im Klassenzimmer eure Eindrücke und Gedanken zum Denkmal für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus. Wie verhält sich dieses Denkmal zu den anderen Denkmälern? Diskutiert, inwieweit ihr mit dem Konzept des Künstlerduos einverstanden seid, alle Opfer gemeinsam zu erinnern, oder wo ihr Probleme seht. Sind wirklich alle Opfer gleich?
  2. Könnt ihr in euer Umgebung Erinnerungszeichen finden, die in ihrem Umgang mit Opfern problematisch sind? Gibt es Narrative der Selbstviktimisierung, wie sie in Österreich der 1960er und 1970er Jahre (vgl. Opfermythos) charakteristisch war, heute noch? (Recherchiert zum Beispiel zum Denkmal für die Opfer der Partisanen auf dem Domplatz oder zur Landesgedächtnisstätte Kreuzbergl, beide in Klagenfurt!)



Vermittlungshinweise

Teil 1 und Teil 2 des Angebotes sind optional und erlauben eine schrittweise Annäherung an den Begriff des „Opfers“ sowie den Einstieg ins Thema „Erinnerungskulturen im Wandel“. Dazu sollten 20 bis 30 Minuten eingeplant werden. Diese Teile können auch in Gruppen- oder Partnerarbeit im Klassenzimmer durchgeführt werden. Ziel dieser Einheiten ist es, die zwei unterschiedliche Bedeutungsdimensionen des Opferbegriffes und die Phasen der kollektiven Erinnerung in Österreich herauszuarbeiten. Der Auszug aus Kuretsidis-Haiders Text könnte auch als Referat aufgegeben werden. Teil 3 kann noch ortsungebunden im Klassenzimmer durchgeführt werden. Die DERLA-Website, die Bildquellen und der Text „Mehr erfahren“ zum Denkmal dienen hier als Unterlagen. Für diesen Teil können wieder ca. 30 Minuten eingeplant werden. Teil 4 findet vor Ort am Platz des Gedenkens statt, wahlweise in Einzel- oder Partnerarbeit. Teil 5 – wieder im Klassenzimmer – dient der Reflexion von und der Diskussion über das Gesehene und Erlebte. Dabei soll SchülerInnen ermöglicht werden, eigene Positionen zur Problematik der Opferkonkurrenz zu beziehen und in einen Dialog miteinander über die Herausforderung kollektiver Erinnerung zu treten.



Vermittlungsziele

  • Auseinandersetzung mit dem Begriff des Opfers und Differenzierung zwischen verschiedenen Opfergruppen
  • Die SchülerInnen setzen sich mit der Transformation österreichischer Erinnerungskulturen auseinander
  • Die SchülerInnen reflektieren kritisch gesellschaftliche Erinnerungsprozesse und Denkmalprojekte


  • Literatur

  • Aleida Assmann, Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine Intervention, München 2013.
  • Claudia Kuretsidis-Haider, Gedenken und Mahnen. NS-Herrschaft, Erinnerungskulturen und Gedächtnislandschaften nach 1945, URL: http://oesterreich-2005.at/txt/1108067894/1108068349 (abgerufen am 18.8.2022).
  • Künstlerteam „zweintopf“, Platz des Gedenkens, URL: http://www.zweintopf.net/Site/PlatzdesGedenkens (abgerufen am 18.8.2022).
  • Cornelius Lehnguth, Ende der Externalisierung? Die parteipolitische Auseinandersetzung um die NS-Vergangenheit in Österreich seit der Waldheim-Affäre, in: Birgit Hofmann (Hg.), Diktaturüberwindung in Europa: Neue nationale und transnationale Perspektiven, Heidelberg 2010, 117–131.
  • Heidemarie Uhl, Konkurrierende Vergangenheiten. Offizielle Narrationen, „Gegenerzählungen“ und Leerstellen des „österreichischen Gedächtnisses“ in der Zweiten Republik, in: Moritz Csáky/Klaus Zeyringer (Hg.), Inszenierungen des kollektiven Gedächtnisses. Eigenbilder, Fremdbilder, Innsbruck 2002, 220–235.