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        <title xml:lang="de">Erinnerungskultur im Wandel. Das Denkmal für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus am Platz des Gedenkens in Bleiburg</title>
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          <resp>Erfassung der geografischen und historischen Daten</resp>
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        <date when="2019">2019</date>
        <pubPlace>Graz</pubPlace>
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        <title ref="https://gams.uni-graz.at/derla">DERLA: Digitale Erinnerungslandschaften</title>
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          <resp>Projektleitung</resp>
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          <resp>ZIM Mitarbeiter</resp>
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            <forename>Sebastian</forename>
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            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
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        <p>Fixiertes Vermittlungsangebot, born digital</p>
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      <geoDecl datum="WGS84" xml:id="WGS">World Geodetic System</geoDecl>
      <editorialDecl>
        <p>Born digital TEI Dokument zur Beschreibung eines Erinnerungsortes bzw. Erinnerungszeichens.</p>
        <p>Erinnerungszeichen markieren Erinnerungsorte und machen sie in der Öffentlichkeit sichtbar. Sie sind ein sichtbarer Verweis auf Ereignisse, Erfahrungen und Verbrechen, die der Nationalsozialismus und Faschismus zu verantworten haben und sind intentionaler Ausdruck der Erinnerungskultur einer bestimmten Gruppe. Sie können physische oder virtuelle Manifestationen sein. Zur genaueren Bestimmung und Analyse werden die einzelnen Erinnerungsorte/Erinnerungszeichen durch spezifische Kriterien genauer klassifiziert und mit Information angereichert. Hierbei kann es zu Überlappungen und in manchen Fällen zu Unschärfen kommen, weshalb teils Mehrfachzuordnungen in den einzelnen Kategorien vorgenommen werden.</p>
      </editorialDecl>
      <projectDesc>
        <p>Die digitale Erinnerungslandkarte Österreichs (DERLA) ist ein Dokumentations- und Vermittlungsprojekt. Es dokumentiert die Erinnerungsorte und -zeichen an die Opfer sowie die Orte des Terrors des Nationalsozialismus in Österreich und setzt sich die kritische Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Faschismus und der Erinnerung daran zum Ziel. Die ständig neu zu stellenden Fragen, was, wann, wo und von wem wie erinnert wurde und wird, geben Einblicke in die Transformationen der Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und sind Ausdruck unseres politischen und gesellschaftlichen Selbstverständnisses in der Gegenwart. „Gedächtnisorte“, Denk- und Mahnmäler, Gedenktafeln, Gedenkstätten sowie Straßenbezeichnungen nach WiderstandskämpferInnen und Opfern des NS-Regimes sind die Materialisationen des Geschichtsbewusstseins im Alltag. Der Blick auf die Erinnerungslandschaft in der Gegenwart gibt daher zum einen Einblick in das kollektive Gedächtnis der österreichischen Gesellschaft und zum anderen legt die Beschäftigung mit ihrer Entstehungsgeschichte die Konjunkturen dieser Beschäftigung offen.</p>
      </projectDesc>
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        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
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  <text>
    <body>
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      </ab>
      <div type="factbox">
        <p rend="Beschreibung">Das folgende Vermittlungsangebot eignet sich für SchülerInnen der Sekundarstufe II und gliedert sich in fünf Teile, wobei die Teile 1 und 2 optional sind. Die Lernenden können sich einerseits mit der Entstehung des Denkmals für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Andererseits kann über die Ausgestaltung des Platzes des Gedenkens die Problematik des österreichischen Opfermythos wie auch der Vermischung von Täter- und Opferpositionen diskutiert werden. Dazu wird auch der Begriff des ‚Opfers‘ differenziert.</p>
        <p rend="Ort, Gemeinde EO/EZ">10. Oktober Platz (Platz des Gedenkens), Stadtfriedhof, 9150 Bleiburg</p>
        <p rend="Zeitbedarf">flexibel gestaltbar, von 3 Unterrichtsstunden bis zu einem Projekttag</p>
        <p rend="Alter">ab 14/15 Jahren </p>
        <p rend="Vermittlungsort">im Klassenzimmer und/oder vor Ort am Platz des Gedenkens in Bleiburg/Pliberk</p>
      </div>
      <div type="mehrErfahren">
        <p>
          <emph style="bold">Über die Entstehung des Platzes des Gedenkens und des Denkmals für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus</emph>

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               Das Denkmal für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus der Gemeinde Bleiburg wurde im Zuge der Neugestaltung des Platzes des Gedenkens am Bleiburger Friedhof 2020 errichtet. Das Projekt war im Kontext von CARINTHIja 2020 verortet, einer Veranstaltungsreihe anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der
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            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss247">Volksabstimmung</ref>
               über die Grenzziehung zum Nachbarland Jugoslawien am 10. Oktober 1920 in Kärnten. Den Platz des Gedenkens, der am 21. September 2020 eröffnet wurde, gestaltete das Künstlerduo zwein-topf.
               <lb/>
               Ursprünglich stand der Platz vor der Aufbahrungshalle des Friedhofs leer und zwei der vier Denkmäler befanden sich im Stadtpark: das im Jahre 1954 errichtete
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            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss241">Namensdenkmal</ref>
               für die gefallenen Soldaten des 1. und 2. Weltkrieges und für jene Menschen, die von
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            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss118">Partisanen</ref>
               rund um das Kriegsende verschleppt wurden, sowie der 1966 errichte Gedenkstein der „Kärntner Freiwilligen Schützen“ (1. Weltkrieg). Diese Denkmäler wurden im Zuge der Umbauarbeiten auf den Stadtfriedhof Bleiburg verlegt und mit zwei Erinnerungszeichen ergänzt: dem neuen Denkmal für die
               <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss235">ausgesiedelten kärntnerslowenischen Familien</ref>
               und andere Opfer des Nationalsozialismus sowie dem Kupferblech-Kreuz „Unseren Helden 1914-1920“. Ziel der Neupositionierung war es im Bereich des Stadtparks einen neuen „Ort der Begegnung“ der Generationen und am Friedhof einen gemeinsamen Ort des Gedenkens entstehen zu lassen. Das Künstlerduo wollte mit der Zusammenführung der Denkmäler die gemeinsame Erinnerung an alle Opfer von Krieg und Gewalt ermöglichen (vgl. Künstlerteam zweintopf o.J.).
               <lb/>
               Da die
               <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss240">Mahnmale</ref>
               in Größe und Höhe unterschiedlich waren, wurden sie durch Sockel einander angeglichen, um mit Hierarchisierungen und mit symbolischen Konkurrenzen zwischen den Kriegsopfern zu brechen. Neben den vier Erinnerungszeichen stehen vier weitere leere Sockel, die als Mahnung für nachkommende Generationen gelten, Krieg und Gewalt in der Zukunft zu verhindern: „Diese vier Sockel sind leer und es liegt an uns als Gesellschaft, dass sie leer bleiben können.“ (Ebd.)
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          <emph style="bold">Über das Mahnmal der Opfer der NS-Zeit</emph>

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               Das Mahnmal für die ausgesiedelten kärntnerslowenischen Familien und Opfer des Nationalsozialismus wurde vom Künstlerduo zweintopf ganz neu konzipiert und gestaltet. Das Denkmal erinnert zum ersten Mal offiziell an das Schicksal jener BleiburgerInnen, die aus ihren eigenen Häusern vertrieben und in
               <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss250">Zwangsarbeiterlager</ref>
               deportiert wurden. Das Objekt neigt sich leicht nach vorne, um die „Fragilität und Unsicherheit“ (vgl. Red, Kärnten ORF 2020) der NS-Opfer zu veranschaulichen. Die Schrift des Denkmals ist nicht – wie sonst üblich – auf das Objekt aufgedruckt, sondern wurde aus dem Material herausgeschnitten, so dass man durch die Buchstaben hindurchsehen kann. Das soll den Schmerz, den die ausgesiedelten und verfolgten Menschen auf sich genommen haben, symbolisieren (vgl. ebd.).
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          <emph style="bold">Kritische Betrachtung. Der Platz des Gedenkens im Kontext des österreichischen Opfernarrativs</emph>

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               Obwohl der neue Platz des Gedenkens mit den leeren Sockeln einen zukunftsweisenden Anstoß im Zeichen des Friedens aufweist, soll hier angemerkt werden, dass Frieden keineswegs so entstehen kann, dass man Täter und Opfer angleicht und ihre Rollen verdeckt. Damit wird die Abwehr der historischen Verantwortung der österreichischen Bevölkerung gefördert und der
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            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss242">Opfermythos</ref>
               gestärkt, der lange Jahrzehnte den offiziellen Umgang Österreichs mit der NS-Zeit bestimmte.
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               Der Opfermythos ermöglichte der österreichischen Gesellschaft die Verleugnung von Schuld und Verantwortung wie auch die Verwendung des Begriffs ‚Opfer‘ für viele unterschiedliche Menschengruppen (vgl. Lehnguth 2010, 119). Demnach galten nicht nur sämtliche zivile Opfer der Bombenangriffe als Kriegsopfer, sondern auch die Wehrmachtssoldaten, die ihr Leben als Kriegshelden für das nationalsozialistische Reich ‚geopfert‘ hatten (vgl. ebd.) oder aber jene NationalsozialistInnen, die von
               <ref target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss118">Partisanen</ref>
               verschleppt wurden. Auf diese Weise wurden tatsächliche Opfer der NS-Verfolgung bis in die 1980er Jahre aus dem österreichischen Gedächtnis getilgt.
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               Erst Mitte der 1980er Jahre begann die Nachkriegsgeneration kritische Fragen nach dem Handeln ihrer Eltern während des Nationalsozialismus zu stellen. Langsam änderte sich die Sicht auf die Vergangenheit, mehr und mehr Menschen wurde die Mitverantwortung von ÖsterreicherInnen für die NS-Verbrechen bewusst. Obwohl das Opfernarrativ allmählich von einem kritischen Tätergedächtnis abgelöst wurde, sind alte Gedächtnisformationen teilweise heute noch wirksam – wie dies auch am Beispiel des Platzes des Gedenkens ersichtlich ist. Die Zusammenführung der verschiedenen Denkmäler an diesem einen Platz muss kritisch diskutiert werden, zum Beispiel weil die Gefallenendenkmäler den Umstand verschleiern, auf welcher Seite und für welche Ideologie die Menschen starben (auf der der NationalsozialistInnen oder eben gegen sie).
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               Julia Hammer und Hajnalka Nagy
            </p>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Künstlerteam „zweintopf“, Platz des Gedenkens, URL: http://www.zweintopf.net/Site/PlatzdesGedenkens (abgerufen am 18.8.2022).</item>
          <item>Cornelius Lehnguth, Ende der Externalisierung? Die parteipolitische Auseinandersetzung um die NS-Vergangenheit in Österreich seit der Waldheim-Affäre, in: Birgit Hofmann (Hg.), Diktaturüberwindung in Europa: Neue nationale und transnationale Perspektiven, Heidelberg 2010, 117–131.</item>
          <item>Red, Kärnten ORF, Gemeinsame Denkmäler für Kriegsopfer, 24.09.2020, URL: https://kaernten.orf.at/stories/3068274/ (abgerufen am 18.8.2022).</item>
          <item>Heidemarie Uhl, Konkurrierende Vergangenheiten. Offizielle Narrationen, „Gegenerzählungen“ und Leerstellen des „österreichischen Gedächtnisses“ in der Zweiten Republik, in: Moritz Csáky/Klaus Zeyringer (Hg.), Inszenierungen des kollektiven Gedächtnisses. Eigenbilder, Fremdbilder, Innsbruck 2002, 220–235.</item>
        </list>
      </div>
      <div type="mehrMachen">
        <head>Erinnerungskultur im Wandel. Das Denkmal für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus am Platz des Gedenkens in Bleiburg</head>
        <caption>Didaktischer Kommentar</caption>
        <p>Das Modul ermöglicht die Auseinandersetzung mit der Gestaltung eines neuen Denkmals, das in Bleiburg zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg an die zwangsweise ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Zudem setzen sich die SchülerInnen mit verschiedenen Opfergruppen und der Problematik der Vermischung von Täter- und Opferpositionen auseinander. Dazu wird sowohl der Begriff des ‚Opfers‘ differenziert betrachtet wie auch die Transformation der österreichischen Erinnerungskulturen untersucht. Das Vermittlungsangebot gehört zum Themenschwerpunkt „Erinnerungskulturen im Wandel“ und kann mit weiteren Vermittlungsangeboten kombiniert werden (z.B. Denkmal für ermordete Zeugen Jehovas in Techelsberg).</p>
        <caption>Arbeitsaufträge</caption>
        <p>
          <emph style="bold">
            <emph style="color">Teil 1: Zum Begriff des Opfers (Optional)</emph>
          </emph>
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            <item>Sammelt Assoziationen zum Wort „Opfer“. Was verbindet ihr damit?</item>
            <item>Versucht nun verschiede Opfergruppen zu identifizieren. Wer kann warum im Kontext des Zweiten Weltkriegs als Opfer bezeichnet werden? Nennt so viele Beispiele wie möglich! Ihr könnt dazu auch die DERLA-Homepage (vgl. Karte der Erinnerung, Widmung des Erinnerungszeichens) zur Hilfe nehmen.</item>
            <item>Das Wort „Opfer“ wird insbesondere im Kontext der Erinnerungskultur in zwei Bedeutungsdimensionen brisant: als Heldenopfer („sacrifice“) und als Leidopfer („victim“). In den Textquellen findet ihr eine kurze Erklärung der Begriffe von Aleida Assmann. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Opfertypen? Nennt für beide einige Beispiele!</item>
            <item>Optional: Diskutiert darüber, wie gesamtgesellschaftlich an diese Opfergruppen (Helden- und Leidopfer) erinnert wird und erinnert werden sollte. Sucht in eurer näheren Umgebung nach Helden- bzw. Kriegerdenkmälern und Opferdenkmälern!</item>
          </list>
          <emph style="bold">
            <emph style="color">Teil 2: Zum ambivalenten Umgang mit Opfern in Österreich</emph>
          </emph>
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               Lest den Quellentext von Claudia Kuretsidis-Haider zu österreichischen Erinnerungskulturen und Gedächtnislandschaften und beantwortet die folgenden Fragen:
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          <list style="unordered">
            <item>Welche Phasen der Erinnerungskultur kann man in Österreich erkennen?</item>
            <item>Warum dominierte relativ schnell nach dem Zweiten Weltkrieg das „Heldengedenken“? Welche anderen Opfergruppen waren aus dem Gedächtnis getilgt?</item>
            <item>Wann kam die Wende in der kollektiven Erinnerung in Österreich? Seit wann werden andere Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnert?</item>
          </list>
          <emph style="bold">
            <emph style="color">Teil 3: Platz des Gedenkens. Vor dem Besuch</emph>
          </emph>
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               Informiert euch mit Hilfe des Moduls "Mehr erfahren" über die Entstehung des Platzes des Gedenkens und des Denkmals in Bleiburg und rekonstruiert zunächst die Entstehung dieses Platzes:
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            <item>Wie sah dieser Ort früher aus? Welche zwei Erinnerungszeichen existierten und wo standen sie?</item>
            <item>An wen erinnerten diese Erinnerungszeichen?</item>
            <item>Wann wurde der Platz des Gedenkens neu gestaltet und von wem?</item>
            <item>Was war die Intention dieser Neugestaltung?</item>
            <item>Wie sieht nun dieser Ort aus? Wo stehen die alten Erinnerungszeichen? Welche neuen Denkmäler sind hinzugekommen?</item>
            <item>Könnt ihr an der Entstehungsgeschichte der Denkmäler die verschiedenen Phasen der österreichischen Erinnerung an die NS-Zeit identifizieren?</item>
          </list>
          <emph style="bold">
            <emph style="color">Teil 4: Platz des Gedenkens. Vor Ort</emph>
          </emph>
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            <item>Erkunde den Platz des Gedenkens und verschaffe dir einen Überblick! Wie wirkt der Platz auf dich?</item>
            <item>Beschreibe nun den Ort: Wo stehen welche Erinnerungszeichen? Welche Symbole stehen wofür? Mit welchen Materialien, Formen und Linien wird gearbeitet? Wie findest du das Zusammenspiel der einzelnen Erinnerungszeichen?</item>
            <item>Welche Informationen findet ihr vor Ort? Könnt ihr euch ein Bild von den Opfern machen? Welche Fragen stellen sich für euch noch? Was möchtet ihr gerne erfahren?</item>
          </list>
          <emph style="bold">
            <emph style="color">Teil 5: Reflexion</emph>
          </emph>
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            <item>Besprecht vor Ort oder im Klassenzimmer eure Eindrücke und Gedanken zum Denkmal für die ausgesiedelten Familien und Opfer des Nationalsozialismus. Wie verhält sich dieses Denkmal zu den anderen Denkmälern? Diskutiert, inwieweit ihr mit dem Konzept des Künstlerduos einverstanden seid, alle Opfer gemeinsam zu erinnern, oder wo ihr Probleme seht. Sind wirklich alle Opfer gleich?</item>
            <item>Könnt ihr in euer Umgebung Erinnerungszeichen finden, die in ihrem Umgang mit Opfern problematisch sind? Gibt es Narrative der Selbstviktimisierung, wie sie in Österreich der 1960er und 1970er Jahre (vgl. Opfermythos) charakteristisch war, heute noch? (Recherchiert zum Beispiel zum Denkmal für die Opfer der Partisanen auf dem Domplatz oder zur Landesgedächtnisstätte Kreuzbergl, beide in Klagenfurt!)</item>
          </list>
        </p>
        <caption>Vermittlungshinweise</caption>
        <p>
               Teil 1 und Teil 2 des Angebotes sind optional und erlauben eine schrittweise Annäherung an den Begriff des „Opfers“ sowie den Einstieg ins Thema „Erinnerungskulturen im Wandel“. Dazu sollten 20 bis 30 Minuten eingeplant werden. Diese Teile können auch in Gruppen- oder Partnerarbeit im Klassenzimmer durchgeführt werden. Ziel dieser Einheiten ist es, die zwei unterschiedliche Bedeutungsdimensionen des Opferbegriffes und die Phasen der kollektiven Erinnerung in Österreich herauszuarbeiten. Der Auszug aus Kuretsidis-Haiders Text könnte auch als Referat aufgegeben werden.
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               Teil 3 kann noch ortsungebunden im Klassenzimmer durchgeführt werden. Die DERLA-Website, die Bildquellen und der Text „Mehr erfahren“ zum Denkmal dienen hier als Unterlagen. Für diesen Teil können wieder ca. 30 Minuten eingeplant werden. Teil 4 findet vor Ort am Platz des Gedenkens statt, wahlweise in Einzel- oder Partnerarbeit. Teil 5 – wieder im Klassenzimmer – dient der Reflexion von und der Diskussion über das Gesehene und Erlebte. Dabei soll SchülerInnen ermöglicht werden, eigene Positionen zur Problematik der Opferkonkurrenz zu beziehen und in einen Dialog miteinander über die Herausforderung kollektiver Erinnerung zu treten.
            </p>
        <caption>Vermittlungsziele</caption>
        <list>
          <item>Auseinandersetzung mit dem Begriff des Opfers und Differenzierung zwischen verschiedenen Opfergruppen</item>
          <item>Die SchülerInnen setzen sich mit der Transformation österreichischer Erinnerungskulturen auseinander</item>
          <item>Die SchülerInnen reflektieren kritisch gesellschaftliche Erinnerungsprozesse und Denkmalprojekte</item>
        </list>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>Aleida Assmann, Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine Intervention, München 2013.</item>
          <item>Claudia Kuretsidis-Haider, Gedenken und Mahnen. NS-Herrschaft, Erinnerungskulturen und Gedächtnislandschaften nach 1945, URL: http://oesterreich-2005.at/txt/1108067894/1108068349 (abgerufen am 18.8.2022).</item>
          <item>Künstlerteam „zweintopf“, Platz des Gedenkens, URL: http://www.zweintopf.net/Site/PlatzdesGedenkens (abgerufen am 18.8.2022).</item>
          <item>Cornelius Lehnguth, Ende der Externalisierung? Die parteipolitische Auseinandersetzung um die NS-Vergangenheit in Österreich seit der Waldheim-Affäre, in: Birgit Hofmann (Hg.), Diktaturüberwindung in Europa: Neue nationale und transnationale Perspektiven, Heidelberg 2010, 117–131.</item>
          <item>Heidemarie Uhl, Konkurrierende Vergangenheiten. Offizielle Narrationen, „Gegenerzählungen“ und Leerstellen des „österreichischen Gedächtnisses“ in der Zweiten Republik, in: Moritz Csáky/Klaus Zeyringer (Hg.), Inszenierungen des kollektiven Gedächtnisses. Eigenbilder, Fremdbilder, Innsbruck 2002, 220–235.</item>
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        <p>
          <emph style="bold">1) Claudia Kuretsidis-Haider: Gedenken und Mahnen. NS-Herrschaft, Erinnerungskulturen und Gedächtnislandschaften nach 1945 (Auszug)</emph>

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               Die Denkmalkultur in Österreich – fokussiert auf die NS-Zeit und den Umgang der österreichischen Gesellschaft nach 1945 damit – war nach 1945 ein "Spiegel der politischen Verhältnisse" (Seiter 1995, S. 691). Eine umfassende Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erfolgte vor allem deswegen nicht, da das offizielle Österreich sich unter Berufung auf die Moskauer Deklaration als erstes Opfer des Nationalsozialismus (vgl. Uhl 2001, S. 19 ff.) verstand. Durch diese Argumentationsstrategie gerieten die eigentlichen Opfer der NS-Herrschaft sehr rasch in Vergessenheit (Juden und Jüdinnen, Roma und Sinti, Homosexuelle, geistig und körperlich Behinderte; religiöse [BibelforscherInnen], soziale sowie politische Randgruppen).
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               […]
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               Heidemarie Uhl hat […] eine Analyse der österreichischen Gedenkkultur der 2. Republik (vgl. Uhl 1994) anhand eines Phasenmodells erstellt […].
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               Demnach war die
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            style="bold">erste Phase</emph>
               des Gedenkens in der unmittelbaren Nachkriegszeit geprägt durch die Errichtung von Gedenkstätten an den Massengräbern von Opfern der NS-Herrschaft, Grabanlagen und Denkmälern der alliierten Armeen (für die im Zuge der Befreiung Österreichs gefallenen Soldaten) sowie
               <emph
            style="bold">Widerstandsdenkmälern</emph>
               . Insbesondere der Freiheitskampf als Grundlage des unabhängigen, demokratischen Österreich wurde in Denkmalerrichtungen für die Opfer des Widerstandes, in Gedenkfeiern und politischen Erklärungen der drei Gründungsparteien der 2. Republik ÖVP, SPÖ und KPÖ gewürdigt.
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               Der antifaschistische Konsens erwies sich allerdings rasch als brüchig. Von den politischen Parteien identifizierte sich die KPÖ am weitest gehenden mit dem Widerstandskampf. Der Antikommunismus des Kalten Krieges, damit verbunden die Ausgrenzung der KPÖ, und die Reintegration der ehemaligen NationalsozialistInnen in die österreichische Gesellschaft führten zu einer Distanzierung vom Widerstand. Diese politische Neuorientierung zeigte sich auch in einem Wandel der Denkmallandschaft. Widerstandsgedenken war nur mehr den Opferverbänden, der KPÖ und Teilen der SPÖ zugeordnet […].
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               Vielfach bis heute prägend für die Erinnerungskultur und die Denkmallandschaft in weiten Teilen Österreichs ist seit Beginn der 1950er Jahre
               <emph
            style="bold">[2. Phase] das Gefallenengedenken</emph>
               und die damit verbundenen Rituale und Jahrestage. […] Im Laufe der Zeit wurde in fast jeder österreichischen Gemeinde ein Kriegerdenkmal errichtet bzw. jenes des 1. Weltkrieges erweitert, eine Tendenz, die sich nach Abschluss des Staatsvertrages noch verstärkte. Träger dieser Gedenkkultur war der Kameradschaftsbund, Widerstandsgedenken war eine Sache der “Kommunisten”. WiderstandskämpferInnen wurden in die Nähe von VerräterInnen gerückt, die Legitimität des Widerstandes nachhaltig in Frage gestellt, während die Pflichterfüllung der Wehrmachtssoldaten zur "Norm ehrenvollen Handelns" (ebd.) wurde. Die Kriegerdenkmäler dieser Zeit sind allerdings nicht nur Erinnerungszeichen für die Gefallenen, sondern auch ein öffentliches Bekenntnis zu den Soldaten und eine Rehabilitierung der Kriegsteilnehmer-insbesondere auch der Überlebenden. Die Soldaten wurden nun nicht mehr als Opfer des Krieges, sondern als "Helden der Pflichterfüllung und der Tapferkeit" dargestellt. […]
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               Daneben war aber die öffentliche Erinnerungskultur in Österreich stark geprägt von der Ausblendung jener, die in der NS-Zeit rassenideologisch motivierten Verfolgungsmaßnahmen zum Opfer gefallen sind, darüber hinaus gehend aber auch nach 1945 mit Formen von Diskriminierung konfrontiert waren, wie Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti, die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"aktion, Homosexuelle, so genannte "Asoziale". Aktivitäten zur Erinnerung an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus blieben nach dem Krieg fast ausschließlich jüdischen Initiativen überlassen (das Gedenken an die ermordeten Jüdinnen und Juden zeigte nur marginale öffentliche Präsenz - vorwiegend auf Friedhöfen -, gestiftet in den meisten Fällen von der Israelitischen Kultusgemeinde). Der Grund liegt auf der Hand: Die Denkmalsetzung für jüdische Opfer passte nicht in das österreichische Selbstbildnis, selbst Opfer des Nationalsozialismus gewesen zu sein. […]
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               In den 1980er Jahren zeigten sich neue Tendenzen der Erinnerungskultur […]. Der Paradigmenwechsel bei der Betrachtung der österreichischen NS-Vergangenheit und die durch die Waldheim-Debatte 1986 ausgelöste Erosion der Opferthese (Heidemarie Uhl) sowie das Bekenntnis des offiziellen Österreich zur "Mitverantwortung für das Leid, das zwar nicht Österreich als Staat, wohl aber Bürger dieses Landes über andere Menschen und Völker gebracht haben" (Bundeskanzler Franz Vranitzky vor dem österreichischen Nationalrat am 8. Juli 1991; vgl. Botz et al. 1994, S. 575), hat zahlreiche Initiativen einer neuen Erinnerungskultur motiviert. Dieser Perspektivenwechsel
               <emph style="bold">[3. Phase]</emph>
               zeigt sich hauptsächlich bei Denkmalprojekten […] wie beispielsweise das "Mahnmal gegen Krieg und Faschismus" am Albertinaplatz und das Holocaust-Denkmal am Judenplatz. Diese sind - wie Heidemarie Uhl feststellt - auch international wahrgenommen Zeichensetzungen einer Neuorientierung des österreichischen Gedächtnisses und des Abschieds von der Verdrängungsstrategie der Opfertheorie. Die Errichtung von Denkmälern, Gedenktafeln und anderen Erinnerungszeichen (Straßennamen etc.) in kleineren Kommunen, getragen von Jugendgruppen, Schulen, Vereinen, privaten Initiativen, verweist darauf, dass ein Interesse an einem ehrenden Angedenken für jene Opfergruppen, denen bislang die Anerkennung vielfach versagt blieb, nicht allein auf der Ebene des offiziellen Österreich, sondern in breiteren Bevölkerungskreisen besteht.
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               Der gesamte Beitrag findet sich unter:
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               Akademie der Wissenschaften - Forschungsprogramm der Akademie der Wissenschaften in Wien
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               Botz, Gerhard / Gerald Sprengnagel (Hrsg.) 1994 - Kontroversen um Österreichs Zeitgeschichte. Verdrängte Vergangenheit, Österreich-Identität, Waldheim und die Historiker (= Studien zur Historischen Sozialwissenschaft 13), Frankfurt am Main-New York
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               Seiter, Josef 1995- Vergessen-und trotz alledem-erinnern. Vom Umgang mit Monumenten und Denkmälern in der Zweiten Republik, in: Sieder/ Steinert/ Talos (Hrsg.): Österreich 1945-1995. Gesellschaft, Politik, Kultur, Wien
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               Uhl, Heidemarie 1994 - Erinnern und Vergessen. Denkmäler zur Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs in Graz und in der Steiermark, in: Stefan Riesenfellner / Heidemarie Uhl (Hrsg.) - Todeszeichen. Zeitgeschichtliche Denkmalkultur, Wien-Köln-Weimar 1994, S. 111-195
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               Dies. 1998 - Transformationen des österreichischen Gedächtnisses. Erinnerungspolitik und Denkmalkultur in der Zweiten Republik, in: Institut für die Wissenschaften vom Menschen (Hrsg.) - Transit: Europäische Revue, Vom Neuschreiben der Geschichte. Erinnerungspolitik nach 1945 und 1989, Heft 15 / Herbst 1998, S. 100-119
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               Dies. 2001 - Das "erste Opfer". Der österreichische Opfermythos und seine Transformationen in der Zweiten Republik, in: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft. Nr.1 / 2001, S. 19 – 34
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          <emph style="bold">2) Aleida Assmann, Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine Intervention, München 2013, 145-146.</emph>
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               „Während der Held selbstbestimmt nach seinen eigenen Werten handelt, ist das Opfer von der Sinnlosigkeit des Leidens gezeichnet. Die entscheidenden Merkmale sind Subjektstatus, Selbstbestimmung und Aktivität auf der einen Seite und Objektstatus, Fremdbestimmung und Passivität auf der anderen. So griffig und überzeugend diese Gegenüberstellung vom motivierten (meist bewaffneten) Kämpfer auf der einen Seite und dem Zivilisten als Zielscheibe der Gewalt auf der anderen Seite ist, so komplex ist freilich der Opferbegriff selbst, wird er doch quellensprachlich gerade auch für die erste Phase der Geschichte des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Denn die Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurden ja auch als Opfer bezeichnet und diese Opfer wiederum als Helden. Sabrow spricht deshalb auch vom „tragischen Opfer-Held“. Jegliche semantische Überhöhung des Sterbens in Krieg und Kampf macht aus dem Opfer einen aktiven Helden bzw. einen Märtyrer, der ein selbstbestimmtes Opfer (sacrificium) bringt. Diese affirmative Rhetorik, die nicht nur die Soldaten, sondern auch die kollektive Opferbereitschaft der gesamten Nation mit einschloss, versagte nach 1945, dem Jahr, das nach Sabrow den „Durchbruch der Opferperspektive“ (genauer: den Wechsel der Opfersemantik) brachte. Diesen Rahmenwechsel „sacrifice“ zu „victim“, in dem der Opferbegriff die neue Bedeutung eines passiven, nicht selbst verschuldeten Leidens annimmt, datiert Sabow in einem anderen Aufsatz zurück auf Stalingrad: „Stalingrad steht somit für ein Transitionsphänomen, das den Heldendiskurs der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Opferdiskurs der zweiten Hälfte überführte. Mit dem als Katastrophe erfahrenen Untergang des „Dritten Reiches“ löste sich das Leidensopfer vom Heldenopfer, und so konnte sich die Bonner Republik als eine „Gemeinschaft von Opfern“ konstituieren.
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               Diese semantische Umkodierung bezeichnet Sabrow als „Selbstviktimisierung“ der Deutschen, eine Haltung, die das eigene Leiden in den Mittelpunkt stellt und dabei gleichzeitig von der eigenen Verstrickung in die Unrechtsgeschichte ablenkt. Dieser passive Opferbegriff hat sich als enorm dehnbar erwiesen; er umfasst alles vom Leid der Flucht und Vertreibung über Bombenkrieg und Vergewaltigung bis hin zu Hitler selbst, der im Film Der Untergang als Opfer seines eigenen Wahns dargestellt wird. Sabrows historischer Überblick rekonstruiert damit eine kontinuierliche Opfergeschichte der Deutschen im 20. Jahrhundert, die von Langemarck bis zur „opferidentifizierten Erinnerungskultur“ der Gegenwart reicht. Seine These dabei ist, dass „Heroisierung und Viktimisierung enger miteinander verwoben sind, als es zunächst den Anschein haben mag“. Dieses Beispiel macht noch einmal deutlich, dass der Opferbegriff schillert und zwischen gegensätzlichen Haltungen wie Aktivität und Passivität, Stolz und Apathie, Sinngebung und Verzweiflung oszilliert. Die von Sabrow aufgezeigte Dialektik von deutscher Selbstheroisierung und Selbstviktimisierung als zwei Seiten derselben Opfermedaille unterschlägt jedoch eine weitere wichtige Wende der Opfersemantik, die mit der Erinnerung an den Holocaust verbunden ist. Dieses geschichtliche Ereignis wird heute ja nicht nur von den Überlebenden und Angehörigen der jüdischen Opfer im Modus einer (opferidentifizierten) Selbstviktimisierung erinnert, sondern längst auch von einer wachsenden transnationalen nicht-jüdischen Erinnerungsgemeinschaft im Modus einer Opfer-Empathie. Diese Umorientierung von deutscher Selbstviktimisierung hin zur Empathie mit den jüdischen und anderen Opfern deutscher Gewaltpolitik einfach zu unterschlage, ist eine unzulässige Verkürzung des Themas. Denn hier stoßen wir ganz offensichtlich auf eine neue dritte, nicht weniger wichtige Opferkategorie neben Heldenopfer oder Leidensopfer, nämlich die Opfer der eigenen Verbrechen bzw. die empathisch anerkannten Opfer. Angesichts dieser enormen Dehnbarkeit des Opferbegriffs ist es dringend notwendig, ihn jeweils genauer zu bestimmen, anstatt ihn als frei flottierende Signifikanten in seiner suggestiven Widersprüchlichkeit und Vagheit zu belassen. Schlafworte wie die von der „opferzentrierten Erinnerungskultur“ bedürfen deshalb unbedingt einer Spezifizierung, bevor man überhaupt verstehen kann, wovon jeweils die Rede ist. Im Rahmen einer Politik der Reue und der Anerkennung historischer Wunden ist in vielfältigen Kontexten eine neue Erinnerung an die Opfer der eigenen Gewalt entstanden.
            </p>
        <caption>Titel / Beschreibung</caption>
        <p>Textauszüge: Claudia Kuretsidis-Haider (2005) und Aleida Assmann (2013) </p>
        <caption>Quellenzitat</caption>
        <p>Auszug aus dem Artikel Claudia Kuretsidis-Haiders Gedenken und Mahnen. NS-Herrschaft, Erinnerungskulturen und Gedächtnislandschaften nach 1945; Auszug aus Aleida Assmanns Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur zu den Opferbegriffen (S. 145–146)</p>
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