
Textquellen
Gedicht von Franz Wohlfahrt Der Techelsberger Zeuge Jehova Franz Wohlfahrt, geboren 1920, verweigerte aus Gewissensgründen jeden Dienst an der Waffe. Aus diesem Grund wurde er 1940 als Wehrdienstverweigerer verurteilt und überlebte in verschiedenen Gefängnissen die Zeit des Nationalsozialismus bis zur Befreiung im Mai 1945. Sein Vater Gregor und sein Bruder Gregor junior wurden von den Nationalsozialisten getötet, weitere Geschwister kamen in Umerziehungslager der Nazis. 1944 schrieb Franz Wohlfahrt in einem Strafgefangenenlager ein Gedicht, in der Meinung, er würde wie sein Vater und Bruder hingerichtet werden. 2017 wurde ein Teil dieses Gedichts auf das neu errichtete Denkmal für die fünf ermordeten Zeugen Jehovas aus Techelsberg graviert, unter den fünf Namen befinden sich jener seines Vaters und seines Bruders. Ich bleibe fest in meinem Glauben, Wenn die Welt auch höhnt und schreit, Ich bleibe fest in meinem Hoffen, Auf eine schöne bess’re Zeit. Ich bleibe fest in meinem Lieben, Wenn auch die Welt mit Haß mir’s lohnt, Ich bleibe fest in meiner Treue, Wenn auch die Welt der Untreu’ front. Von Gottes Wort fließt die Kraft der Starken, Die auch aus Schwachen Kämpfer macht, Ich bleibe fest durch Gottes Gnade, Ich bleib’ es nicht aus eigner Kraft. Ich bleibe fest, gilt’s auch mein Leben, Und geb’ ich meines Odems Rest, Ihr sollt vom letzten Hauch noch hören: Ich bleibe fest, ich bleibe fest, ich bleibe fest. Vinzenz Jobst schreibt über das Kriegerdenkmal in Techelsberg: „Die Bevölkerung der Gemeinde Techelsberg hat nach der Befreiung Österreichs ohne Zögern sämtliche Opfer dieses schrecklichen Krieges am Kriegerdenkmal in Stein gemeißelt. Den gemeinsamen Ausdruck des Verlustes fand man in der Erzählung des Heldentodes, im Fallen für die Heimat; unter diesem Narrativ reihen sich Soldaten neben Wehrdienstverweigerer. (…) Ohne Unterschied des Ranges, der Funktion oder der Todesart reihen sich Namen an Namen. Viel zu viele. Für jene, die überlebten, machte es keinen Unterschied, auf welcher Seite und an welcher Front Brüder, Freunde und Bekannte gekämpft hatten oder ob sie im Widerstand gegen den Unrechtsstaat ermordet worden waren. Über alle, die nicht nach Hause kamen, trauerten Familien, man spürte ihren Verlust.“
Quellenzitat
Vinzenz Jobst, In Memoriam Anton Uran (1920 – 1943), in: Heide Gsell/Bernd Gsell/Peter Stocker/Greg Wohlfahrt (Hg.), Jehovas Zeugen in Techelsberg am Wörthersee während des Nationalsozialismus. Klagenfurt 2017, S. 25 f.