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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Winzerstraße, 7474 Deutsch Schützen
Beschreibung: Die Lernenden setzen sich anhand eines Informationstextes, eines Auszuges aus dem Dienstbuch von Egon Arthur Schmidt und einer Anklageschrift mit Widerstand, Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern auseinander. Weiters werden sie angehalten, eine Diskussion über den Nutzen und den Erfolg von Widerstandshandlungen zu führen.
Ort: Deutsch Schützen (7474)
Zeitbedarf: ca. 60–90 Minuten
Alter: 16–18 Jahre
Vermittlungsort: Klassenraum bzw. öffentlicher Ort


Verbundene Orte:




Textquellen

Vernehmung des Beschuldigten Johann Kainz, geb. 16. Mai 1928, am 19.12.1945 vor dem Landesgericht für Strafsachen Wien

Vernehmungsprotokoll des Beschuldigten Johann Kainz „Ich bekennen mich nicht schuldig. Am 29. März 1945 morgens zwischen 7 und 8 Uhr erhielt ich vom Mitbeschuldigten Bannführer Weber den Auftrag, etwa 20 ungarische Juden aus der Ortschaft Deutsch Schützen bis zur sogenannten alten Kirche gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten Ehrlich zu führen. Es wurde von Weber angeordnet, dass diese Juden Krampen und Schaufel mitzunehmen hätten. Uns wurde vorher bekanntgegeben, dass diese Juden erschossen werden sollten. Da es sich um einen Befehl des uns vorgesetzten Bannführers gehandelt hat, habe ich ihn ausgeführt. Hätte ich mich nämlich geweigert, so wäre ich vom Bannführer vor ein Kriegsgericht gestellt worden. Es blieb mir daher nichts anderes übrig, als dem Befehl zu gehorchen. […] Ich ergänze meine Angaben noch dahin, dass ich mit dem Mitbeschuldigten Ehrlich nicht nur eine Partie von 20 Mann, sondern auch noch eine zweite von 30 Mann zur Kirche geleitet habe. Ehrlich allein hat auch noch eine dritte Partie von glaublich ebenfalls 30 Mann hinausgeführt. Insgesamt waren es rund 80 Juden, die tatsächlich erschossen wurden. […] Beim Begraben der Juden war ich gleichfalls anwesend. Es ist richtig, dass einer der Juden noch stöhnte und sich rührte. Er wurde vom Mitbeschuldigten Franz Aldran erschossen. […] Die übrigen Juden haben sich nicht mehr gerührt, stöhnen hat man zwar gehört. Ich war damals nervig vollkommen fertig. Ich stand in einer Entfernung von etwa 1 m von dem Laufgraben und warf mit dem Spaten Erde in denselben auf die angeblichen Leichen. Überzeugt ob die Juden tatsächlich tot sind, habe ich mich nicht. Ich habe dann auch die Eskorte der Juden von Deutsch Schützen nach Hartberg mitgemacht. Bei Erschießungen von Juden unterwegs war ich nicht anwesend. Über den Vorfall bei Jabing weiß ich überhaupt nichts. Beim Durchzug durch Oberndorf befand ich mich an der Spitze des Zuges mit dem Mitbeschuldigten Walter Feigl und einem gewissen Hitlerjungen Rudolf Konrad aus Oberndorf, den ich vom Stellungsbau her kannte. Wir vernahmen deutlich 2 Feuerstöße aus der MP. Deshalb erkundigte ich mich bei der nächsten Rast beim Mitbeschuldigten Franz Dobesberger, was los gewesen sei. Doberberger gab mir zur Antwort, er wären 2 Juden erschossen worden, weil sie wegen Entkräftung nicht mehr marschieren konnten. […] Weder ich selbst noch meine Kameraden aus der HJ haben irgendeinen Juden geschlagen oder gequält. [...] Ich selbst bin seit 1. Juni oder Juli 1938 Mitglied der HJ. Mein letzter Dienstrang war Jungzugführer. Ich hätte sollen die Gefolgschaft Oberwart führen, aber dazu ist es nicht mehr gekommen. Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Wehrverbände war ich nicht.“


Quellenzitat

Vernehmung des Beschuldigten Johann Kainz, geb. 16. Mai 1928, am 19.12.1945 vor dem Landesgericht für Strafsachen Wien. Wiener Stadt- und Landesarchiv. Volksgericht. Aktenzahl Vg 2d Vr 2059/45