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        <title xml:lang="de">Mattersburg – Dr. Richard Berczeller</title>
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          <orgName ref="https://www.graz.at/">Stadt Graz</orgName>
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          <orgName ref="https://vorarlberg.at/">Land Vorarlberg</orgName>
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          <orgName ref="http://d-nb.info/gnd/1137284463">Zentrum für  Informationsmodellierung - Austrian Centre for Digital Humanities,  Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
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          <orgName>GAMS - Geisteswissenschaftliches Asset Management System</orgName>
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        <date when="2019">2019</date>
        <pubPlace>Graz</pubPlace>
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        <title ref="https://gams.uni-graz.at/derla">DERLA: Digitale Erinnerungslandschaften</title>
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          <resp>Projektleitung</resp>
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            <forename>Gerald</forename>
            <surname>Lamprecht</surname>
            <idno type="orcid">0000-0002-9622-9269</idno>
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          <resp>ZIM Forschungsleiter</resp>
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            <forename>Georg</forename>
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            <idno type="orcid">0000-0002-1726-1712</idno>
          </persName>
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          <resp>ZIM Mitarbeiter</resp>
          <persName>
            <forename>Sebastian</forename>
            <surname>Stoff</surname>
            <idno type="orcid">0000-0001-6941-113X</idno>
          </persName>
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        <p>Fixiertes Vermittlungsangebot, born digital</p>
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      <geoDecl datum="WGS84" xml:id="WGS">World Geodetic System</geoDecl>
      <editorialDecl>
        <p>Born digital TEI Dokument zur Beschreibung eines Erinnerungsortes bzw. Erinnerungszeichens.</p>
        <p>Erinnerungszeichen markieren Erinnerungsorte und machen sie in der Öffentlichkeit sichtbar. Sie sind ein sichtbarer Verweis auf Ereignisse, Erfahrungen und Verbrechen, die der Nationalsozialismus und Faschismus zu verantworten haben und sind intentionaler Ausdruck der Erinnerungskultur einer bestimmten Gruppe. Sie können physische oder virtuelle Manifestationen sein. Zur genaueren Bestimmung und Analyse werden die einzelnen Erinnerungsorte/Erinnerungszeichen durch spezifische Kriterien genauer klassifiziert und mit Information angereichert. Hierbei kann es zu Überlappungen und in manchen Fällen zu Unschärfen kommen, weshalb teils Mehrfachzuordnungen in den einzelnen Kategorien vorgenommen werden.</p>
      </editorialDecl>
      <projectDesc>
        <p>Die digitale Erinnerungslandkarte Österreichs (DERLA) ist ein Dokumentations- und Vermittlungsprojekt. Es dokumentiert die Erinnerungsorte und -zeichen an die Opfer sowie die Orte des Terrors des Nationalsozialismus in Österreich und setzt sich die kritische Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Faschismus und der Erinnerung daran zum Ziel. Die ständig neu zu stellenden Fragen, was, wann, wo und von wem wie erinnert wurde und wird, geben Einblicke in die Transformationen der Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und sind Ausdruck unseres politischen und gesellschaftlichen Selbstverständnisses in der Gegenwart. „Gedächtnisorte“, Denk- und Mahnmäler, Gedenktafeln, Gedenkstätten sowie Straßenbezeichnungen nach WiderstandskämpferInnen und Opfern des NS-Regimes sind die Materialisationen des Geschichtsbewusstseins im Alltag. Der Blick auf die Erinnerungslandschaft in der Gegenwart gibt daher zum einen Einblick in das kollektive Gedächtnis der österreichischen Gesellschaft und zum anderen legt die Beschäftigung mit ihrer Entstehungsgeschichte die Konjunkturen dieser Beschäftigung offen.</p>
      </projectDesc>
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        <prefixDef ident="marcrelator" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://id.loc.gov/vocabulary/relators/$1">
          <p>Institutionelle und Personale Rollen taxonomie</p>
        </prefixDef>
        <prefixDef ident="dcterms" matchPattern="([a-z]+)" replacementPattern="http://purl.org/dc/terms/$1">
          <p>Datums Taxonomie</p>
        </prefixDef>
      </listPrefixDef>
    </encodingDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <ab>
        <ref target="context:derla" type="context">DERLA</ref>
        <ref target="context:derladidactics" type="context">DERLA didactics</ref>
      </ab>
      <div type="factbox">
        <p rend="Beschreibung">Die Lernenden setzen sich mithilfe eines Informationstextes, eines Zeitungsartikels und eines Briefes mit dem Leben von Dr. Richard Berczeller auseinander. Sie sollen ein Verständnis für die menschlichen Erfahrungen während des Nationalsozialismus und der Zeit danach entwickeln.</p>
        <p rend="Ort, Gemeinde EO/EZ">Mattersburg (7210)</p>
        <p rend="Zeitbedarf">ca. 60–90 Minuten</p>
        <p rend="Alter">13–18 Jahre</p>
        <p rend="Vermittlungsort">Klassenraum bzw. öffentlicher Ort</p>
      </div>
      <div type="mehrErfahren">

        <p>
               Richard Berczeller wurde 1902 in Sopron/Ödenburg geboren. Seine Mutter Sidonie stammt aus einer alteingesessenen jüdischen Familie in Lackenbach, sein Vater Adolf gehörte zu den wichtigsten Vertretern der Arbeiterbewegung Westungarns und auch Richard engagierte sich schon früh in der Sozialdemokratie. Nach dem Zusammenbruch des
               <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss293">Rätesystems</ref>
               in Ungarn floh die Familie nach Österreich. Richard Berczeller studierte Medizin und arbeitete zunächst als Arzt in Wien. 1929 ließ sich Berczeller als praktischer Arzt in Mattersburg nieder. Als
               <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss286">assimilierte Juden</ref>
               war die Familie Berczeller zwar keiner Anfeindung ausgesetzt, eine vollständige Integration blieb ihr aber verwehrt. Seine Aktivitäten als Mitglied der „Sozialdemokratischen Partei“ und ab 1934 der „Revolutionären Sozialisten“ führten während des
               <ref
            target="https://gams.uni-graz.at/o:derla.didgloss#gloss5">Austrofaschismus</ref>
               dazu, dass er mehrmals verhaftet und ihm der Dienstvertrag entzogen wurde. Im März 1938 wurde Dr. Richard Berczeller, gemeinsam mit anderen Mattersburger Juden, verhaftet und aus seinem Heimatort nach Wien vertrieben. Noch 1938 gelang ihm mit seiner Familie die Flucht nach Paris. Wie die meisten Flüchtlinge kämpfte die Familie mit existentiellen Schwierigkeiten und lebte in einem Zustand permanenter Rechtsunsicherheit. 1941 wurde ihm und seiner Familie die Einreise in die Vereinigten Staaten gewährt. Er und seine Frau gingen verschiedenen Gelegenheitsarbeiten nach, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Nach einer abermaligen Absolvierung des Medizinstudiums praktizierte er wieder in den USA als Arzt. Nebenbei war er auch als Schriftsteller tätig. Nach 1945 lehnte er zwar eine Rückkehr nach Österreich ab, engagierte sich jedoch für seine ehemalige Heimat, indem er als Obmann der Organisation „Friends of Austrian Labor“ Hilfslieferungen für die notleidende österreichische Bevölkerung sammelte. Zudem besuchte er regelmäßig das Burgenland und hielt Kontakt mit zahlreichen Persönlichkeiten des Landes. In seinen letzten Lebensjahren erhielt er Ehrungen des Landes Burgenland und der Republik Österreich. Richard Berczeller starb 1994 in New York.
               <lb/>
               Anlässlich des 85. Geburtstages von Dr. Richard Berczeller brachte die Stadtgemeinde Mattersburg 1987 eine
               <ref
            target="http://gams.uni-graz.at/o:derla.bur107">Gedenktafel</ref>
               an seinem ehemaligen Wohnhaus an. Der Arzt und Schriftsteller Dr. Richard Berczeller war bei der Enthüllung persönlich anwesend. Im Juli 1996 beschloss der Gemeinderat von Mattersburg, eine
               <ref target="http://gams.uni-graz.at/o:derla.bur106">Gasse</ref>
               nach Dr. Richard Berczeller zu benennen.
            </p>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>-</item>
        </list>
      </div>
      <div type="mehrMachen">
        <head>Mattersburg – Dr. Richard Berczeller</head>
        <caption>Didaktischer Kommentar</caption>

        <p>
               Die Aufgaben zur Briefanalyse zielen darauf ab, dass die Lernenden verschiedene Aspekte des Briefes untersuchen und interpretieren.
               <space/>
               Zunächst sollen die Lernenden den Verfasser, den Adressaten und das Datum des Briefes herausfinden. Danach sollen sie in der zweiten Aufgabe die Hauptthemen des Briefes konkretisieren und beschreiben, wie der Verfasser darüber spricht. Diese Aufgabe ermöglicht es den Lernenden zu verstehen, wie dieser seine Gedanken und Gefühle in Bezug auf seine Erfahrungen und die politische Situation in Mattersburg ausdrückt.
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               Die dritte Aufgabe konzentriert sich auf die Haltung des Verfassers gegenüber den Nationalsozialisten. Die Lernenden sollen analysieren, wie Dr. Berczeller seine Ablehnung gegenüber den Nationalsozialisten zum Ausdruck bringt und welche Konsequenzen er für sie fordert. Diese Aufgabe bietet den Lernenden die Chance, sowohl über ethische als auch über moralische Fragen im Umgang mit Verbrechen und Täterinnen und Tätern nachzudenken.
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               Die vierte Aufgabe nimmt Bezug auf die persönlichen Erfahrungen des Verfassers und den Verlust seiner Stellung als Arzt in Mattersburg. Die Lernenden sollen erkennen, welche Bedeutung diese Erfahrungen für ihn haben. Den Lernenden wird es somit ermöglicht, Empathie für die persönlichen Konsequenzen politischer Verfolgung und Diskriminierung zu entwickeln.
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               Die fünfte Aufgabe beleuchtet die Rolle ehemaliger Schicksalsgenossinnen und Schicksalsgenossen während der NS-Herrschaft. Diese Aufgabe eröffnet den Lernenden die Chance, über die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten von Menschen in autoritären Systemen zu diskutieren.
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               In der sechsten Aufgabe werden die Lernenden aufgefordert, die Argumentation des Verfassers zur Notwendigkeit einer „Nazisäuberung" in Mattersburg zu bewerten und mögliche Konsequenzen dieser Forderung zu diskutieren. Dies bietet den Lernenden die Möglichkeit, die Herausforderungen bei der Aufarbeitung historischer Verbrechen zu besprechen.
               <space/>
               In der letzten Aufgabe nehmen die Lernenden selbst Stellung zur Enthüllung der Gedenktafel. Sie sollen sich mit dem Thema
               <emph style="cursive">Erinnern</emph>
               auseinandersetzen.
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               All diese Aufgaben fördern das historische Bewusstsein und ermöglichen den Lernenden, über die Bedeutung von Gerechtigkeit und Toleranz nachzudenken.
            </p>
        <caption>Arbeitsaufträge</caption>
        <p>
          <list style="ordered">
            <item>Nenne den Verfasser, den Adressaten und das Entstehungsdatum des Briefes (siehe Textquelle).</item>
            <item>Arbeite heraus, was der Verfasser über seine Erfahrungen und den Verlust seiner Stellung als Arzt in Mattersburg mitteilt.</item>
            <item>Identifiziere die Hauptthemen des Briefes und beschreibe, wie der Verfasser über sie spricht. Stelle deine Ergebnisse grafisch, z. B. in Form einer Mindmap, dar.</item>
            <item>Untersuche die Haltung des Verfassers gegenüber den Nationalsozialisten und die Forderungen nach Gerechtigkeit und Rache.</item>
            <item>Analysiere die Sicht des Verfassers auf seine ehemaligen Schicksalsgenossinnen und Schicksalsgenossen und ihre Rolle während der nationalsozialistischen Herrschaft.</item>
            <item>Bewerte die Argumentation des Verfassers zur Notwendigkeit einer "Nazisäuberung" in Mattersburg. Geht anschließend in Kleingruppen zusammen und vergleicht eure Ergebnisse. Diskutiert mögliche Konsequenzen dieser Forderung.</item>
            <item>
                     Lies dir den Artikel in der Zeitung
                     <emph
                style="cursive">BF</emph>
                     (siehe Bildquelle) durch und finde heraus, warum sich die Stadtgemeinde Mattersburg entschlossen hat, eine
                     <ref target="http://gams.uni-graz.at/o:derla.bur107">Gedenktafel</ref>
                     für Dr. Richard Berczeller zu enthüllen. Nimm Stellung zu dieser Enthüllung.
                  </item>
          </list>
        </p>
        <caption>Vermittlungshinweise</caption>

        <p>
               Das Vermittlungsangebot eignet sich für Lernende ab 13 Jahren. Die Lernenden beschäftigen sich mit dem Brief von Dr. Richard Berczeller und einem Zeitungsartikel in der BF. Die Erarbeitung kann sowohl im öffentlichen Raum als auch im Klassenzimmer erfolgen. Für die Bearbeitung der Arbeitsaufgaben sollten ca. 60-90 Minuten eingeplant werden.
               <space/>
               Um die Aufgaben zur Briefanalyse beantworten zu können, ist nicht nur wichtig, den Brief zu dekonstruieren, sondern es muss sichergestellt werden, dass die Lernenden mit den Themen
               <emph
            style="cursive">Nationalsozialismus</emph>
               und
               <emph
            style="cursive">Verfolgung der jüdischen Bevölkerung</emph>
               vertraut sind. Weiters muss darauf hingewiesen werden, dass der Brief historische Ereignisse und persönliche Erfahrungen während der nationalsozialistischen Herrschaft behandelt. Die Lernenden sollen verstehen, dass Briefe wie dieser subjektive Perspektiven und möglicherweise auch Verzerrungen enthalten können.
               <space/>
               Die Lernenden sollen eine respektvolle Diskussionskultur entwickeln und ermutigt werden, ihre Meinungen und Gedanken auszudrücken und andere Sichtweisen anzuhören.
               <space/>
               Die Stellungnahme zum Thema
               <emph style="cursive">Erinnern</emph>
               soll eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellen. Hierbei wäre es auch möglich, dass die Lernenden überlegen, wie die Lehren aus der Vergangenheit auf die heutige Gesellschaft angewendet werden können.
               <space/>
               Die Arbeitsaufgaben fördern die historische Methodenkompetenz.
            </p>
        <caption>Vermittlungsziele</caption>
        <list>
          <item>Die Lernenden sollen in der Lage sein, ein grundlegendes Verständnis für den historischen Kontext des Nationalsozialismus und der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung zu entwickeln.</item>
          <item>Die Lernenden sollen in der Lage sein, zu verstehen, wie diese Ereignisse das Leben der Menschen beeinflusst haben.</item>
          <item>Die Lernenden sollen in der Lage sein, historische Quellen zu analysieren und zu bewerten.</item>
          <item>Die Lernenden sollen in der Lage sein, zu erkennen, dass Menschen in schwierigen Zeiten unterschiedliche Entscheidungen treffen und dass es wichtig ist, diese zu respektieren.</item>
          <item>Die Lernenden sollen in der Lage sein, zu verstehen, wie der Holocaust das Leben der Menschen geprägt hat.</item>
        </list>
        <caption>Literatur</caption>
        <list>
          <item>-</item>
        </list>
      </div>
      <div type="quellenText">
        <p>
               Brief von Richard Berczeller an Josef Meidl, Bürgermeister von Mattersburg (1945-1950), 1946
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               Richard Berczeller, M. D.
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               324 EAST 18Th STREET NEW YORK CITY,
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               Gramercy S-2190
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               19.April 1946
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               Lieber Genosse Meidl,
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               Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre lieben und herzlichen Zeilen. Es war sicher ein großes Erlebnis für mich, von einem so alten und erprobten Freund ein Lebenszeichen zu erhalten. Es erweckte in mir alte Erinnerungen an eine so weit zurückliegende Zeit, in der ich gerne und mit viel Enthusiasmus als Arzt und Sozialist in Mattersburg lebte und wirkte. Sie wissen, dass ich es mit allen ernsten Problemen des Lebens ernst meine und so war meine Einstellung gegenüber Fragen meines Berufes und meiner Ideologie auch in Mattersburg eine korrekte und kompromisslose. lch freue mich aus ihrem Brief entnehmen zu können, dass viele Menschen in Mattersburg dies richtig einschätzten.
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               Ich hatte in Mattersburg es oft sehr schwer. Im Jahr 1934 wurde der erste Schlag gegen mich versetzt. Ohne Grund und Ursache wurde mir meine Krankenkassenstelle genommen, die für mich so wichtig war, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil ich Arbeiter gerne behandelte. Meine Kollegen Strobl und Seedoch traten mein Erbe an und ich weiß nicht, ob sie imstande waren, meine soziale Einstellung in ihre Arbeit hineinzubringen. Ich hatte einen schweren Kampf zu führen, um gegenüber der damals übermächtigen Agitation der Vaterländischen Front, die gegen mich als Sozialisten und Juden hetzte, mich zu behaupten. Ich konnte aber trotzdem bescheiden leben und wollte in Mattersburg ausharren. Dort erwischte mich der Nationalsozialismus. Was ich dabei körperlich und seelisch mitmachte, dürfte Ihnen nicht unbekannt sein. Am meisten kränkte es mich, dass sich nicht ein einziger Mensch fand, der den Mut aufbrachte, sich offen für mich einzusetzen. Ich weiß, was für ein furchtbarer Terror wütete und dass die Menschen furchtbar eingeschüchtert waren. Aber ich bin Idealist und habe oft für diese meine Mentalität gelitten. Ich hoffte auf einen Idealisten, der sich aber nicht fand.
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               Als ich dann aus Mattersburg buchstäblich hinausgeprügelt wurde, so fuhr ich nach Frankreich und stand arm, ohne Sprachkenntnisse einer großen problematischen Situation gegenüber. Wie werde ich das Brot für mich und meine Familie verdienen? Ich wurde Arzt in den französischen Kolonien in Zentralafrika. Kämpfte dort gegen Malaria und Gelbfieber und erwarb mir eine gute Stellung. Als ich nach Paris zurückehrte, brach der Krieg aus, der auch in Frankreich grauenhaft war. Ich musste meine neue Existenz, die ich mir in Paris aufbaute, im Juni 1940, als die Deutschen Paris besetzten, aufgeben und musste nach Südfrankreich gehen, wo ich mir wieder eine neue Existenz aufbaute. Im Mai 1941 fuhr ich mach Amerika, wo ich ohne Mittel, ohne Sprachkenntnisse und ohne Beziehungen ankam. Hier begann ich auf's neue und nun habe ich eine gut gehende ärztliche Praxis, die mir die Mittel zum Lebensunterhalt gibt...... Es war eine schwere Zeit, die ich all diese Jahre durchmachen musste. Die Flucht von einem Land in das Andere heimatlos und manchmal hoffnungslos war bitter. Heute bin ich aber doch schon so weit, dass ich frei aufatmen kann.
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               Was gibt es nun in Mattersburg? Wer von den alten Genossen ist all diese Jahre anständig geblieben? Ich höre über Jan Moravitz nichts. Was ist mit ihm? Ich habe all diese Jahre die feste Überzeugung gehabt, dass er sicher zu den unentwegt anständigen Genossen gehört. Der Langecker ist doch schon im Jahre 1934 umgefallen, auf ihm rechnete ich nicht. Sein Bruder der Wirt, der Jahre lang von der Arbeiterschaft lebte, soll ja mit seinem Sohn ein wackerer Nazi geworden sein. Wieviel sozialistische Gemeinderäte gibt es in Mattersburg? Haben wir die Mehrheit? Wie geht es dem ehemaligen Bürgermeister Koch? Macht er wieder gute Geschäfte?
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               Ich habe traurige Nachrichten über Mattersburg erhalten und darüber will ich mich besonders mit Ihnen unterhalten.
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               Wir sind sicher einer Meinung, dass die Nazis ein mörderisches und verbrecherisches Gesindel waren. Dass sie Millionen unschuldiger Menschen umgebracht haben und dass sie über die ganze Menschheit Verderben und Trauer gebracht haben. Die Nazis sind keine Menschen und haben kein Anrecht auf die Milde anständiger Menschen. Ich höre, dass in Mattersburg ehemalige Nazis noch immer frei herumlaufen, dass sie in ihren Betten schlafen, nachdem sie, anstatt den Heldentod für ihre „Ideen“ zu sterben, andere Menschen sterben ließen, und nun wieder dort anfangen können, wo sie damals angefangen haben. Ich halte dies für ein Verbrechen und als ehemaliger Mattersburger Sozialist schäme ich mich für dies. Es ist unbedingt notwendig, dieses Gesindel hinter Schloss und Riegel zu setzen oder sonst unschädlich zu machen. Ich höre, dass der Hans Suchard, der jahrelang von der sozialistischen Arbeiterbewegung gelebt hat, um einen Tag nach der Machtergreifung durch die Nazis eine Rede beim Haider zu halten, in dem er seine Dienste ihnen anbot und auch entsprechend dafür von den Nazis belohnt wurde. Seine ihm würdige Frau war schon illegale Nazi und seine Tochter, die er im sozialistischen Sinn hätte erziehen müssen, war illegales Mitglied des Bundes Deutscher Mädel und wurde die Frau eines SS-Banditen. Diese feine Familie ist immer noch in Freiheit, wohnt in ihrem Hause. Der Bruder Josef Suchard ist jemand, mit dem ich mich persönlich auseinander werde setzen müssen. Dieser dumme Verbrecher hat daneben, dass er Nazi war, auch meine arme Mutter beleidigt. Dieser Kerl, der durch die Partei eine schöne Position erlangt hat, war ein alter Verräter und hat schon zur Zeit des Nazi Dr Ziegler mit diesem konspiriert. Er ist noch immer auf freiem Fuß und wohnt in eigener Wohnung. Der Steiger, der das Geschäft Brandl gestohlen hat, läuft noch in Freiheit herum. Der Nazi Haider ist in Freiheit gestorben. Was ist mit dem Nazi Dr Strobl, Dr Klein, Gerichtswächter Fennes, der die Gefangenen misshandelte, was mit dem Nazi Schuhmacher und Frau, mit den verschiedenen Dunkel’s, die große Nazis waren, was mit den Adam's. lch könnte eine lange Liste schreiben, denn ich habe sie alle in meinem Kopf.
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               Ich bin für keine blinde Rache, aber ich bin für einen strengen und kompromisslosen Antifaschismus der Tat. Ich werde niemals mich mit einer Bewegung identifizieren, die nicht gewillt ist, den Nazismus und ihre Träger auszurotten. Solange in Mattersburg Nazis noch frei herumlaufen, habe ich keine Sympathie für eine Bevölkerung, die dies duldet.
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               Ich will aber für die anständigen Mattersburger ohne Unterschied der Partei alles tun, was in meiner Macht steht. Es ist momentan keine Möglichkeit Pakete zu schicken. Wir erwarten aber die baldige Eröffnung der Grenzen. Ich bin Vorstandsmitglied einer Hilfsaktion und werde meinen Einfluss in dieser Richtung verwenden. Sie, lieber Genosse Meidl werden alles erhalten und es nach Ihrem Gutdünken verteilen.
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               Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir oft schreiben würden. Ich hoffe, in absehbarer Zeit vorübergehend nach Österreich zu kommen und dann werden wir vieles persönlich besprechen. Ich hoffe, bald von einer energischen Nazisäuberung zu hören.
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               Es grüßt Sie, Ihre Frau und alle guten Freunde Ihr freundschaftlichergebener
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               Dr. Richard Berczeller
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               Anmerkung: Ich bitte Sie diesen Brief alle meine Freunde lesen zu lassen.
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        <caption>Titel / Beschreibung</caption>
        <p>Brief von Dr. Richard Berczeller vom 19. April 1946</p>
        <caption>Quellenzitat</caption>
        <p>Horvath/Snodown-Prötsch (Hg.) Richard Berczeller 1902-1994. Sopron. Mattersburg. New York. Mattersburg 1996.</p>
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    <graphic mimeType="image/jpeg" url="info:fedora/o:derla.fixbur106" xml:id="IMAGE.1">
      <desc>Artikel zur Enthüllung einer Gedenktafel für Dr. Richard Berczeller</desc>
      <desc type="title">Zeitungsbericht „BF“ vom 9.9.1984, S. 10 – „Dank an Dr. Richard Berczeller“</desc>
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