Über das Projekt
Die Lieddrucke der Reformationszeit (1517-1555) - Verzeichnis
Im Gefolge der Veröffentlichung der 95 Thesen durch Martin Luther im Oktober 1517 war es im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation sowohl zu einer Verdichtung von Ereignissen (vor allem in Zusammenhang mit dem Ringen und Macht und Einfluss zwischen Kaiser, altgläubigen bzw. evangelisch-lutherischen Reichsständen) als auch zu einer Verdichtung von Kommunikation gekommen. Ausdruck dieser Verdichtungsprozesse war unter anderem ein quantitativ sprunghafter Anstieg von Produkten aus der Druckerpresse, so auch von deutschsprachigen Lieddrucken. Lieder hatten in der Gesellschaft des 16. Jahrhunderts, die durch einen eher niedrigen Alphabetisierungsgrad von weniger als 20% gekennzeichnet war, einen bedeutenden Stellenwert, wurden sie doch sowohl durch die (neuen) typographische Medien der Zeit als auch durch mündliche Tradierung verbreitet. Sie dienten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts keineswegs ausschließlich der Unterhaltung oder der Andacht und Kontemplation, sondern ebenso der Verbreitung von Neuigkeiten oder Gerüchten, mithin der Beeinflussung der Meinung der RezipientInnen. Zu Recht bezeichnete die Musikwissenschaftlerin Rebecca Wagner-Oettinger in ihrer Arbeit „Music as Propaganda in the German Reformation“ (2001) Lieder als „the mass media of oral culture“.
Das Webportal bietet einen möglichst vollständigen Überblick über alle überlieferten, im Zeitraum 1517 bis 1555 erschienenen deutschsprachigen Lieddrucke, die in unterschiedlichsten Bibliographien und Bibliothekskatalogen verzeichnet sind. Neben den Titeln der Drucke sind Informationen zum Entstehungsjahr, zu deren Umfang und Gestalt, zu Druckern und Druckorten zu finden. Darüber hinaus wurden jeweils entsprechende Bibliotheksstandorte und bibliographischen Nachweise angegeben. Jeder Datensatz wurde, so vorhanden, schließlich mit einem Link zu einem online verfügbaren Digitalisat versehen. Die unterschiedlichen Such- und Filterfunktionen erlauben der Nutzerin/dem Nutzer eine gezielte Betrachtung der Produktion bestimmter Drucker, Autoren, Druckorte oder aber einen Überblick über die Produktion bestimmter Zeiträume und können damit Aufschluss über vielfältigste Fragestellungen in Zusammenhang mit der Liedproduktion der Reformationszeit geben.
Technische Aspekte
Datenmodellierung
Die Daten wurden in Excel erschlossen und in ein TEI/XML überführt, das einzelne Lieddrucke als biblFull Elemente beschreibt und dabei vor allem msDesc verwendet. Personen (Drucker und Verfasser) werden als listPerson in TEI strukturiert und Orte als listPlace in TEI strukturiert.
Beim Ingest der Daten wird zusätzlich RDF/XML aus den TEI extrahiert und dienen zur Umsetzung der Volltextsuche und der einfachen Konzeptsuche (Verfasser, Drucker, Orte).
Das digitale Repository GAMS
GAMS ist ein OAIS-konformes Asset Management System zur Verwaltung, Publikation und Langzeitarchivierung digitaler Ressourcen aus allen geisteswissenschaftlichen Fächern. Es bietet MitarbeiterInnen aus Forschung und Lehre, aber auch Studierenden in Projekten die Möglichkeit, diese Ressourcen zitabel und mit Metadaten versehen zu verwalten und zu veröffentlichen.
Die Leitideen von GAMS sind die nachhaltige Verfügbarkeit und die flexible Nutzung digitaler Inhalte. Umgesetzt werden diese durch eine weitgehend XML-basierte Content-Strategie, die Verwendung standardisierter (Meta-)Datenformate und die systeminhärenten Funktionalitäten. Themen wie persistente Zitierbarkeit, open access und verlässliche Langzeitarchivierung stehen im Zentrum der Überlegungen.
Basierend auf dem Open Source Projekt FEDORA wird die Infrastruktur am Zentrum für Informationsmodellierung kontinuierlich weiterentwickelt. GAMS ist seit 2014 nach den Kriterien des „Data Seal of Approval“ als „trusted digital repository“ zertifiziert und bildet die technische Grundlage für das vorliegende Webportal.
Mehr Informationen über den technischen Hintergrund, die komplette Dokumentation wie auch die veröffentlichten Projekte finden Sie unter http://gams.uni-graz.at.
