1550–1650
Die hundert Jahre zwischen 1550 und 1650 sind, gemeineuropäisch betrachtet, ein Jahrhundert der Kriege und Krisen. Sie sind vor allem in der Mitte Europas durch dramatische gesellschaftliche Veränderungen gekennzeichnet. Aus mehreren Wurzeln speisen sich die für die Mehrheit der Menschen in diesem Jahrhundert, wenn auch in den einzelnen europäischen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten, schwierigen Lebensbedingungen.
Sie resultieren aus einem – in dieser Zeit ganz jenseits menschlicher Beeinflussung liegenden – Klimawandel, der sog. Kleinen Eiszeit mit weitreichenden Konsequenzen für das agrarische Wirtschaften: Die Agrarkonjunktur des 16. wird abgelöst durch die Agrarkrise des 17. Jahrhunderts (Gesellschaft, Wirtschaft). Sie sind aber auch Ausdruck einer gemeineuropäischen Krise der inneren Ordnung der sich formierenden europäischen Gemeinwesen. Sie entlädt sich in zahllosen militärischen Konflikten – in chronologischer Reihenfolge: zuerst in Westeuropa (Frankreich – sog. Religionskriege, Spanische Niederlande – sog Aufstand der Niederlande,), dann, ausgehend vom Königreich Böhmen, in nahezu ganz Europa (Dreißigjähriger Krieg) und erfasst schließlich auch die englische Monarchie (Englischer Bürgerkrieg) (Politik). Die Kriege kreisen bei näherer Betrachtung allesamt um die zwischen den Monarchen und den gesellschaftlichen Eliten noch offene Frage der Machtverteilung im Gemeinwesen (Mitsprache, Herrschaftswissen, Finanzen) und werden demzufolge von der Forschung als Staatsbildungskriege (Johannes Burkhardt) apostrophiert. Ihre gesamtgesellschaftliche Reichweite speist sich aus der Überlagerung genuin politischer und religiöser Konfliktlagen. Denn nicht nur die politische Machtverteilung, sondern auch die konfessionelle Pluralisierung, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts drei Konfessionen – den Katholizismus, das Luthertum und das Reformiertentum – hatte entstehen lassen (Wissen), stellte eine Herausforderungen dar, die von den Zeitgenossen offenkundig nicht im Konsens, sondern nur im Konflikt zu „bewältigen“ war.
Die Menschen reagierten auf die „geschwinden Läufte“, ein Begriff der auf ein gesamtgesellschaftlich vorhandenes Krisenbewusstsein deutet, ex-post betrachtet ambivalent: einerseits mit Schuldzuweisungen, die ihren markantesten Ausdruck in den Hexenverfolgungen fanden, sich aber auch gegen die jüdische Minderheit (Frankfurter Fettmilchaufstand 1614) richteten (Gesellschaft); andererseits indem die politischen und gelehrten Eliten ihre Zeiterfahrung verarbeiteten und gedankliche Konstrukte entwickelten, auf deren Grundlage die durch den Krieg gestörte Ordnung wieder hergestellt werden konnte: von der Ausformung der Souveränitätstheorie (Jean Bodin, Thomas Hobbes) bis hin zu den Anfängen des modernen Völkerrechts (Hugo Grotius) und der modernen Diplomatie. Im Westfälischen Frieden (1648), der im Reich allen drei Konfessionen die gleichen Rechte zubilligte und (allerdings, wie sich je länger desto offenkundiger herausstellen sollte, unzulänglichen) Verfahrensregeln für ihr Miteinanderumgehen festschrieb, gelang es erstmals in der europäischen Geschichte, das dem religiösen Pluralismus innewohnende Konfliktpotential rechtlich einzuhegen (Politik, Wissen).
GHM, MR
Wirtschaft: Die Zeit bis zum 30-jährigen Krieg kennzeichnete eine ausgeprägte Hochkonjunktur. Seit den 1580er Jahren schuf der Export amerikanischen Silbererze die Voraussetzungen für eine intensivierte Teilnahme der Europäer am asiatischen und afrikanischen Handel. Hierdurch kam es zur Verlagerung europäischer Wirtschaftszentren an die Küstenregionen. Mit Kriegsbeginn endete die expansive Phase. Dank ihrer Teilnahme am innerasiatischen Handel gelang es den Niederlanden, der kriegsbedingten Rezession zu entgehen.
RP
- Haushalt und Familie in traditionellen Gesellschaften. Konzepte, Probleme und Perspektiven der Forschung


- Die Ereignisse in Frankfurt am Main


- Metalle und Macht 1000 bis 1600, S. 433-472


- Die protestantische Landschaftsschule und das Jesuitengymnasium in Graz


- Leitmotive politischen Denkens


- Auszug aus: Der Dreißigjährige Krieg [Einleitung]


- Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, S. 108-110


- Lebenswelt und Kultur des Bürgertums in der Frühen Neuzeit, S. 1-22


- Was ist europäische politische Kultur? Versuch zur Begründung einer politischen Historischen Anthropologie


- Auszug aus: The Longman Companion to the European Reformation, C. 1500-1618


- Geschichte der Familie, S. 364-375


- Bürger


- Auszug aus: Im Zeichen des Merkur. Reichspost und Kommunikationsrevolution in der Frühen Neuzeit [Strukturmerkmale des europäischen Postwesens]


- Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, S. 120-123


- Bevölkerung


- Adel


- Mechanisierung und Maschinisierung 1600 bis 1840, S. 114-124


- Karte: England im 17. Jahrhundert / Der englische Bürgerkrieg von 1642 bis 1648 / Die Staatsverfassung der englischen Republik von 1649 bis 1658/60


- Weiber, Menscher, Frauenzimmer. Frauen in der ländlichen Gesellschaft 1500-1800, S. 175-198


- Karte: Universitäten Europas in der Neuzeit


- Krieg und Frieden im Völkerrecht der Frühen Neuzeit


- Kommunikation, Handel, Geld und Banken in der Frühen Neuzeit, S. 13-27


- Diplomatie


- Auszug aus: Geschichte der Staatsgewalt [Partnerschaft und Widerstand]


- Umweltgeschichte, S. 115-206


- Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, S. 119-121


- Hexenverfolgung in Bayern


- Karte: Europa im 16. Jahrhundert


- Karte: Mitteleuropa nach dem 30-jährigen Krieg 1648


- Französische „Politiques“ und Jean Bodin; Lipsius und Grotius


- Soldiers, Diamonds and Jesuits: Flemings and Dutchmen in Portuguese India (1505-90)


- Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, S. 117-119


- Abbildung: Verfassung der römisch-katholischen Kirche nach dem Tridentinum; Lutherische Kirchenverfassung Kursachsens 1580


- Obrigkeitliches Kirchenregiment


- Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, S. 106-108


- Auszug aus: Großbritannien 1500-2000 [Teil des Kapitels "Monarchie und Aristokratie "]


- Die Konfessionsgesellschaft. Christenleben zwischen staatlichem Bekenntniszwang und religiöser Heilshoffnung


- Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, S. 103-108


- Sozialgeschichte Österreichs, S. 132-136


- Karte: Die katholische Erneuerung in Europa


- Religionskriege in der Frühen Neuzeit. Begriff, Wahrnehmung, Wirkmächtigkeit


- Lebenswelt und Kultur des Bürgertums in der Frühen Neuzeit, S. 31-35


- Die Kultur der Spanier in Österreich unter Ferdinand I. (1522-1564)


- Kommunikation, Handel, Geld und Banken in der Frühen Neuzeit, S. 27-44


- Jüdische Gesellschaft


- Hexenforschung


- Karte: Konfessionen in Europa um 1650


- Auszug aus: Armut, Unterschichten, Randgruppen [Armut, Unterschichten, Randgruppen – Begriffe und Sachverhalte]


- Post


- Das Wachstum der Staatsgewalt. Historische Reflexionen


- Die Kursächsische Kirchenverfassung


- Lebenswelt und Kultur der unterständischen Schichten in der Frühen Neuzeit, 1-20


- Die Jesuiten


- Kommunikation, Handel, Geld und Banken in der Frühen Neuzeit, S. 2-13


- Religionskrieg


- Johannes Althusius; Diskussion über die Reichsverfassung


- Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, S. 115-117


- Sozialgeschichte Österreichs, S. 137-152


- Klimageschichte Mitteleuropas. 1000 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen, S. 93-155


- Das Jahrhundert des Zwiespalts


- Metalle und Macht 1000 bis 1600, S. 549-572


- Das Geld und seine Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, S. 70-120


- Karte: Der Freiheitskampf der Niederlande


- Abbildung: Idealtypische Darstellung des "Ganzen Hauses" (Societas domestica)


- Bauern


