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        <title>Phaedrus – Person, Werk, Überlieferung</title>
        <author>Ursula Gärtner</author>
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          <persName xml:id="resp.gaertner">Ursula Gärtner</persName>
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          <persName xml:id="resp.lang">Sarah Lang</persName>
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            Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
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            Austrian Centre for Digital Humanities, Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
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          <orgName>GAMS - Geisteswissenschaftliches Asset Management System</orgName>
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            4.0</licence>
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          <orgName>Zentrum für Informationsmodellierung, Karl-Franzens-Universität Graz</orgName>
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          <country>Austria</country>
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        <title ref="http://gams.uni-graz.at/graf">Grazer Repositorium antiker Fabeln (GRaF)</title>
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          <resp from="2017" to="2019">Projektleitung</resp>
          <persName>Ursula Gärtner</persName>
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        <ab>Born Digital-Online-Publikation, zur wissenschaftlichen Anreicherung des
          Fabel-Webportals.</ab>
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        <p>Das Sparkling-Science-Projekt &apos;Grazer Repositorium antiker Fabeln&apos; setzt sich
          zum Ziel, in direkter Einbindung von Partnerschulen, ein wissenschaftlich fundiertes und
          fachdidaktisch aufbereitetes Textportal zu antiken Fabeln zur Verfügung zu stellen.</p>
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        <name type="place">Graz, Austria</name>
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        <language ident="de">German</language>
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    <body>
      <div>

        <p>Phaedrus gilt gemeinhin als Schöpfer des lateinischen Fabelbuchs, d.h. der Fabel als
          lateinischer Literaturgattung in Buchform. Umstritten ist allerdings, was man über die
          historische Person des Dichters feststellen kann. Lange Zeit hat man versucht, aus den
          wenigen Fakten und vor allem aus Rückschlüssen aus den Fabeln eine Biographie zu
          rekonstruieren, die zur vermeintlichen Aussage der Fabeln passen sollte. Heute ist man
          zumindest z.T. vorsichtiger.<note n="1"> Zum Forschungsstand s. <ref target="#Gärtner2017">Gärtner 2017</ref>, 32–35; einen traditionellen biographischen Ansatz bieten z.B.: v.
              <ref target="#Albrecht2012">Albrecht 2012</ref>; <ref target="#BaezaAngulo2011">Baeza
              Angulo 2011</ref>; <ref target="#Cancik1974">Cancik 1974</ref>; <ref target="#Currie1984">Currie 1984</ref>; <ref target="#LaPenna1968">La Penna
            1968</ref>; <ref target="#Renda2012">Renda 2012</ref>; <ref target="#Schmidt2000">Schmidt 2000</ref>; zurückhaltend z.B.: <ref target="#Edwards2015">Edwards
            2015</ref>; <ref target="#Gärtner2007">Gärtner 2007</ref>; <ref target="#Gärtner2015">Gärtner 2015</ref>; <ref target="#Holzberg2012">Holzberg 2012</ref>; <ref target="#Park2017">Park 2017</ref>; <ref target="#Pieper2010">Pieper 2010</ref>. <ref target="#Champlin2005">Champlin 2005</ref> wandte sich ebenfalls gegen einen
            biographischen Ansatz; hinter dem Dichter-Ich vermutete er nicht einen Freigelassenen
            aus Makedonien, sondern einen aus Rom selbst stammenden Aristokraten aus der 2. Hälfte
            des 1. Jh.s. n.Chr. Dieser sei nicht nur literarisch gebildet, sondern seine großen
            Rechtskenntnisse ließen auf einen Rechtsgelehrten schließen. Letzten Endes liegt hier
            auch ein biographischer Ansatz vor, nur mit anderem Ergebnis.</note>
        </p>
        <div>
          <head n="1" rend="chapter">1. Versuch einer Biographie</head>
          <p>Schlägt man eine Schulausgabe zu Phaedrus auf, liest man i.d.R. Folgendes:</p>

          <p>Phaedrus wurde ca. 20–15 v.Chr. geboren, stammte aus Griechenland, genauer Makedonien,
            und kam als Sklave nach Rom. Er war wohl als Lehrer am Hof des Augustus tätig und wurde
            von diesem freigelassen; er verfasste zwei Fabelbücher, wurde unter Seian, dem mächtigen
            Prätorianierpräfekt unter Tiberius, angeklagt, weil sich dieser wie viele andere von
            seinen Fabeln angegriffen fühlte, und verfasste nach dessen Tod im Jahr 21 bis ins Alter
            drei weitere Fabelbücher. In diesen späteren Büchern löste er sich immer weiter vom
            Vorbild Aesop, zeigte aber eine zunehmend pessimistische Weltsicht und wachsende
            Enttäuschung über die mangelnde Anerkennung als Dichter. Üblicherweise wird betont, dass
            Phaedrus in den Fabeln schonungslose Moralkritik übe; man spricht dann von der Stimme
            des ‚kleinen Mannes‘, der sich als Freigelassener der <hi rend="italic">plebs</hi>, dem
            Volk, verbunden fühle und die Fabel als einzige Möglichkeit des – verhüllten – Protests
            einsetze; Phaedrus rufe dabei aber nie zum Aufstand auf, sondern predige hinter dem
            Spott bitter die Anpassung. Das liest man übrigens auch in großen Nachschlagewerken so.
            Hinterfragt man aber diese Angaben einmal, muss man Erstaunliches feststellen.</p>

          <p>Verlässliche Dokumente zum Leben des Autors gibt es nämlich nicht. Wir haben nur die
            Fabeln selbst, in denen das Ich sich aber nicht konkret zu seinem Leben äußert. Die
            älteste Handschrift, die uns den Text überliefert (<ref target="#Einleitung:Textkritik">P</ref>),
            stammt aus dem 9. Jh. Erst dort ist zum ersten Mal angegeben, Phaedrus sei ein
            Freigelassener des Augustus gewesen. Dann gibt es einen rätselhaften und textkritisch
            unsicheren Hinweis bei dem Epigrammdichter Martial aus der zweiten Hälfte des 1. Jh.s
            n.Chr. auf die <hi rend="italic">improbi iocos Phaedri</hi> „Witze des unanständigen
            Phaedrus“ (3,20,5) und die Tatsache, dass Seneca und Quintilian, beide auch Autoren aus
            der zweiten Hälfte des 1. Jh.s n.Chr., das Thema ‚Fabeln in der lateinischen Literatur‘
            behandeln, aber Phaedrus nicht erwähnen. Eindeutige Rezeption zeigt erst der um 400
            n.Chr. schreibenden Dichter <ref target="#Einleitung:Avian">Avian</ref>, der ebenfalls
            Fabeln in Gedichtform schrieb und sich dabei auf Phaedrus als Vorlage beruft. Dieser
            (mangelnde) Befund lässt verschiedene Deutungen zu.</p>
          <p>Zumeist wird in der älteren, aber auch in der neueren Forschung nicht zwischen dem Ich
            der Fabeln und dem realem Autor getrennt; man nimmt alles wortwörtlich, was das Ich der
            Gedichte äußert. Dabei ist dies eigentlich zu trennen, wie wir das ja auch bei anderen
            Gedichtinterpretationen gewohnt sind.</p>

          <p>Die Aussage, dass Phaedrus Freigelassener des Augustus gewesen sei, ist wie gesagt nur
            in den Handschriften vermerkt. Es wird aber nicht gefragt, wieso das erst in den
            Handschriften steht, vielmehr sehen sich die meisten Forscher dadurch veranlasst, die
            Gedichte aus der Sicht dieses Freigelassenen zu interpretieren und im Anschluss daraus
            Informationen über das Leben des Autors zu erhalten. So meinte beispielsweise der
            einflussreiche italienische Altphilologe La Penna: <seg xml:lang="it">„La schiavitú
              [...] è il primo dato biografico essenziale per capire l’opera“.</seg>
            <note n="2">
              <ref target="#LaPenna1968">La Penna 1968</ref>, VIII-IX.</note> Auch in neuerer
            Literatur wird Phaedrus meist unhinterfragt als Freigelassener angesehen und seine
            Gedichte aus dieser Sicht, d.h. als Sprachrohr der Unterdrückten, interpretiert.</p>

          <p>Dazu muss zunächst darauf verwiesen werden, dass wie gesagt nahezu sämtliche Angaben zu
            Person und Leben aus den Gedichten erschlossen sind, wobei man m.E. sehr vorsichtig sein
            sollte, da sich so manches ‚Faktum‘ als literarisches Motiv erweist (s.u.). Die Angabe
            der Handschriften, Phaedrus sei ein ‚Freigelassener‘ des Augustus gewesen, kann eine in
            der antiken Biographie so beliebte Folgerung aus den Texten selbst sein, da Augustus in
            einer Fabel (3,10) als ein sehr fairer und kluger Richter in einem Prozess dargestellt
            wird. Die Angabe ist zudem textkritisch unklar; am Ende könnte eine Verwechslung mit der
            Abkürzung von <hi rend="italic">lib.</hi> für <hi rend="italic">liber</hi> oder <hi rend="italic">libertus</hi> am Anfang gestanden haben. Wenn Phaedrus Lehrer am Hof des
            Augustus und dann noch dessen Freigelassener gewesen wäre, wäre es eigentlich
            unumgänglich gewesen, dass er diesem in seinen Proömien dankt und ihm ein Buch
            widmet.</p>
          <p>Ferner ist die Methode, ‚biographische‘ Fakten aus der Dichtung zu erspüren, immer
            schwierig, bei der Fabel aber extrem, denn Fabeln sind ja Bilder, die i.d.R. einen
            übertragenen Sinn haben. Der Vorbehalt gegen eine biographische Deutung ist also gerade
            diese Gefahr des Zirkelschlusses: Dass Phaedrus Freigelassener ist, ist aus Fabeln
            erschlossen, dient aber dann als Grundlage der Interpretation eben dieser Fabeln, in der
            dann weitere ‚Beweise‘ für das Leben und die soziale Einordnung des Dichters und seines
            Publikums gezogen werden.</p>

          <p>So handelt z.B. die Fabel, die heute am Ende der Sammlung steht (5,10), von einem alten
            Hund, der sich verteidigt, dass er die Beute mit seinen <hi rend="italic">cariosis
              dentibus</hi> nicht habe halten können – ein Hund, der nicht mehr bissig ist, was
            könnte dies, so die biographische Deutung, anderes sein, als eine Selbstaussage eines
            alten Dichters, der nicht mehr so angriffslustige Gedichte schreibt. Ähnlich
            phantasievoll vermutete de Lorenzi<note n="3"> Vor allem <ref target="#Herrmann1950">Herrmann 1950</ref> und <ref target="#deLorenzi1955">de Lorenzi 1955</ref> (hier:
              35–41) waren bei der geradezu romanhaften Ausgestaltung der Phaedrusbiographie
              besonders phantasievoll.</note>, dass Phaedrus von seiner leiblichen Mutter,
            vermutlich einer Prostituierten, verstoßen worden und dann von einer Sklavin eines
            Griechischlehrers aufgezogen worden sei. Wie kam er darauf? Weil in 3,15 ein Schaflamm
            in einer Ziegenherde seine Mutter sucht; als ein Hund es deshalb als dumm bezeichnet,
            antwortet es, dass nicht die leibliche Mutter die wahre sei, sondern die, die einen
            liebevoll und gütig aufzieht. </p>
          <p>Dass Phaedrus aus Griechenland stammt und Sohn eines Griechischlehrers war, wird
            gefolgert aus einer Aussage im Prolog zum dritten Buch. Dort klagt das Dichter-Ich
            darüber, dass es in Rom nicht so wie gewünscht Anerkennung findet (3 prol. 17–23):</p>
          <p>
            <cit>
              <q xml:lang="la">
                <l>ego, quem Pierio mater enixa est iugo,</l>
                <l>in quo tonanti sancta Mnemosyne Iovi</l>
                <l>fecunda novies artium peperit chorum,</l>
                <l>quamvis in ipsa paene natus sim schola</l>
                <l>curamque habendi penitus corde eraserim</l>
                <l>et laude invita vitam in hanc incubuerim,</l>
                <l>fastidiose tamen in coetum recipior.</l>
              </q>
            </cit>
          </p>
          <p>
            <cit>
              <q xml:lang="de">Ich, den die Mutter auf dem pierischen Berg [Berg in Makedonien, Sitz
                der Musen] gebar, auf dem die heilige Mnemosyne dem donnernden Iuppiter, neunmal
                schwanger, den Chor der Musen zur Welt brachte, obwohl ich beinahe in der Muße
                selbst geboren bin, die Sorge um Besitz gänzlich aus meinem Herzen getilgt und unter
                unwilligem Lob mich auf dieses Leben verlegt habe, werde dennoch nur hochmütig im
                Dichterkreis aufgenommen.</q>
            </cit>
          </p>

          <p>Was man bei einer biographischen Deutung dieser Verse vergisst, ist die Tatsache, dass
            seit Beginn der antiken Literatur Dichter für ihre Inspiration eine Weihung durch die
            Musen oder eine entsprechende Gottheit erhalten. So lesen wir schon bei Hesiod, einem
            griechischen Dichter etwa um 700 v.Chr., dass ihm auf dem Musenberg die Musen erschienen
            seien (Hes. theog. 52–61); dass sich Dichter auf ihre Museninspiration berufen, wird zu
            einem feststehenden Motiv in der Dichtung, sei es bei Kallimachos, Vergil, Horaz, Ovid
              usw.<note n="4"> Vgl. z.B. Kallim. ait. 2–4 A. (= 1a 18-26. 41-5; 2a; 2 Pf.); Hor.
              carm. 3,4,5–40; Prop. 3,3; Verg. georg. 3,11; Prop. 3,1,17–18.</note> Die Dichter
            Properz und Ovid behaupten sogar, ihre Jugend auf dem Musenberg verbracht zu haben
            (Prop. 3,5,19–20; Ov. trist. 5,3,9–10), und Catull macht sich über einen
            Möchtegerndichter lustig, den Musen mit Gabeln vom Musenberg hinabstoßen (Catull. 105).
            Waren das alles Griechen? Sicher nicht. Nur weil wir sonst nichts über den Fabeldichter
            wissen, nimmt man diese Aussage eines literarischen Motivs wörtlich wie etwa
              Currie:<note n="5">
              <ref target="#Currie1984">Currie 1984</ref>, 501.</note>
          </p>
          <p>
            <cit xml:lang="la">
              <q>„17-19 are to be interpreted literally; he was born in Pieria – that is, in
                Thessaly in the Roman province of Macedonia. The plain sense of 20 is surely that he
                was born in the vicinity of a school (or lecture-room), which implies that his
                mother was the wife (or servant?) of a schoolteacher, probably a litterator. We
                cannot say for sure whether his birth was legitimate.“</q>
            </cit>
          </p>
          <p>
            <hi rend="italic">schola</hi> (3 prol. 20) ist sicher nicht mit ‚Schule‘ zu übersetzen,
            sondern bezieht sich auf das griechische <seg xml:lang="grc">σχολή</seg>, die Muße; dies
            ist auch daran zu erkennen, dass der Dichter zuvor von <hi rend="italic">otium/negotium</hi> spricht (3 prol. 2 u. 13), wobei er auf <seg xml:lang="grc">σχολή/ἀσχολία</seg> bei Platon (Plat. Phaidr. 227b8–10) anzuspielen scheint. Für
            Dichter ist die Muße die Voraussetzung des Dichtens; so spricht etwa Catull vom <hi rend="italic">otium</hi> (Catull. 51,13–16) oder Tibull von der <hi rend="italic">vita
              iners</hi> (Tib. 1,5)<hi rend="italic">.</hi> Nur wenn man <hi rend="italic">schola</hi> wortwörtlich nimmt, wird aus der inspirierenden mußevollen Umgebung eine
            Schule samt Griechischlehrer.</p>

          <p>Auch die übrigen aus den Fabeln erschossenen ‚Fakten‘ lassen sich in gleicher Weise
              entkräften.<note n="6"> Zu den übrigen Motiven vgl. ausführlich <ref target="#Gärtner2015">Gärtner 2015</ref>, 21–58. </note> Verwiesen sei nur noch auf       
     den Prozess, in den das Dichter-Ich nach seiner Aussage durch Seian verwickelt war (3
            prol. 41–50). Geschlossen wird daraus meist, dass Seian sich angegriffen gefühlt habe
            und der Dichter daher erst nach dessen Tod im Jahr 31 n.Chr. wieder gedichtet habe.
            Nicht nur ist die Formulierung unklar. Auch ließen sich die Vorwürfe gegen Seian an den
            Fabeln der ersten beiden Bücher nicht festmachen. Es ist daher denkbar, dass hier wieder
            ein literarisches Motiv vorliegt: Berühmte Dichter leiden unter Widersachern und werden
            zu Opfern ihrer Werke; vergleichbar ist der Angriff des Tigillinus bei Iuvenal
            (1,150–152), und Ovid ist wohl das prominenteste Opfer für missverstandene Dichtung. </p>
          <p>Das mag hierfür genügen. Wir wissen nicht, wer sich hinter dem Namen Phaedrus verbirgt.
            Selbst der Name, der nur ein einziges Mal in der Gedichtsammlung auftaucht, und zwar an
            prominenter Stelle zu Beginn des Prologs des dritten Buchs, also gleichsam die Mitte der
            Sammlung markierend, wirft Fragen auf. Dass es ein durch den platonischen Dialog
            Phaidros geadelter Deckname ist, liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Denn auch die
            Namen seiner Gönner, ‚Eutychus‘, ‚Particulo‘ und ‚Philetus‘ scheinen mit ihren
            sprechenden Bedeutungen ‚Glückstreffer‘, ‚Liebhaber kleiner Dinge‘, ‚Freund‘ in den
            Bereich der Fiktion zu verweisen. Was wir den Fabeln entnehmen können, ist, dass der
            Dichter höchst gebildet war, denn er spielt in seinen Gedichten auf zahlreiche
            griechische und lateinische Autoren an, und zwar nicht nur auf Fabelautoren, sondern auf
            Komödiendichter, Lyriker, Elegiendichter, Satiriker, Epiker u.v.a. Ferner war er auch
            mit dem römischen Recht bestens vertraut; in den Fabeln gibt es nämlich zahlreiche
            Bezüge darauf. Dafür, dass er Sklave war, der dann freigelassen wurde, finden sich keine
            stichhaltigen Argumente. Vielleicht war hier das Vorbild des angeblichen Sklaven Aesop
            eine zu verführerische Vorlage, die zu einer Gleichsetzung anregte.</p>

          <p>Ferner muss man das Publikum in Betracht ziehen. Wenn Phaedrus sich angeblich an das
            niedere Volk mit seinen Fabeln wandte, wo sollte er das tun? Seine Fabeln waren
            schriftliche Gedichte, und Bücher waren so kostbar, dass nur die reiche Oberschicht sie
            sich leisten konnte. Soll man sich vorstellen, dass er Lesungen hielt oder bei passender
            Gelegenheit seine Buchrolle zückte? Wohl kaum; er betont ferner, dass er sich kein
            ungebildetes Publikum wünscht: <hi rend="italic">illitteratum plausum non desidero</hi>
            (4 prol. 20). Publikum war also der reiche, gebildete Leser der Oberschicht, der die
            Fabeln wohl eher zur Unterhaltung als zur moralischen Belehrung las.</p>
          <p>Hat Phaedrus ferner wirklich deshalb die Fabel gewählt, weil er somit verhüllt die
            Wahrheit sagen konnte? Wie müssen wir dann seine zahlreichen Aussagen einordnen, in
            denen er darauf verweist, dass er in seinen Fabeln etwas verberge? Denn dadurch werden
            die Leser ja erst neugierig gemacht und geradezu aufgefordert, nach Anspielungen zu
            suchen? </p>

          <p>Was bleibt von der Faktensammlung am Anfang? Kaum etwas. Wir haben es hier mit einem
            höchst gebildeten römischen Dichter zu tun, der Gedichte vorlegt, die auf den ersten
            Blick leicht oder niedrig erscheinen, die sich aber durch ihre vielen geistreichen
            Anspielungen als witzige Texte zu erkennen geben. In der Überschrift dieses Artikels   
         taucht der Ausdruck ‚Person‘ auf; Hintergedanke war, dass man an die lateinische <hi rend="italic">persona</hi> denken sollte, die Maske der Theaterspieler: Hier spricht
            ein Dichter, der sich hinter der Maske eines einfachen Fabeldichters verbirgt. Wann er        
    gelebt hat, ist schwer zu sagen; erwähnt werden Augustus, Tiberius und Seian; danach
            gibt es keine Zeitbezüge mehr. Das heißt aber nur, dass er danach geschrieben hat. In
            der Art des geistreichen literarischen Witzes ist eine Nähe zu Martial und Petron zu spüren, was für eine Datierung in die zweite Hälfte des 1. Jh.s
            n.Chr. sprechen könnte; doch das muss Spekulation bleiben.</p>
          <p>Das ist vielleicht unbefriedigend, denn es ist wohl ein Bedürfnis, dass man sich als
            Leser ein genaueres Bild und eine Vorstellung über das Leben des Autors macht, aber es
            ist wenigstens ehrlich und öffnet hoffentlich die Augen dafür, wie vorsichtig man bei
            der ‚Rekonstruktion‘ einer antiken Dichterbiographie sein muss.</p>
        </div>
        <div>
          <head n="1" rend="chapter">2. Werk</head>
          <div>
            <head n="1" rend="sub">2.1. Die Fabel</head>
            <p>Die Phaedrusfabeln sind in der Form vielfältig. In etwa kann man sich an dem <ref target="#Einleitung:Fabel">modernen Schema</ref> orientieren. In der Regel
              steht ein Pro- oder Epimythion, doch spielt der Dichter erheblich mit der Länge und
              der inhaltlichen Deckungsgleichheit. Die Exposition ist meist knapp gehalten; Actio-
              und Reactio-Teil können wiederholt werden. Am weitesten vom üblichen Fabelschema
              entfernen sich naturbedingt die Anekdoten und Novellen, deren Anteil im Lauf der
              Bücher zunimmt.</p>
          </div>
          <div>
            <head n="1" rend="sub">2.2. Das Buch</head>

            <p>Die Phaedrusfabeln sind nur sehr schlecht überliefert. Erhalten sind 5 Bücher,
              allerdings mit sehr unterschiedlicher Gedichtzahl: Buch 1: 31 Fabeln; Buch 2: 8
              Fabeln; Buch 3: 19 Fabeln; Buch 4: 26 Fabeln; Buch 5: 10 Fabeln. Hinzukommen Pro- und
              zu Buch 2, 3 und 4 auch Epiloge, deren Stellung in den Handschriften jedoch anders
              überliefert ist als heutzutage angenommen. Ferner gibt es 32 Fabeln aus der
              sogenannten Appendix (s.u.). Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Fabeln jeweils als
              Buch konzipiert waren; d.h. aber auch, dass viele Fabeln verloren gegangen sein
              müssen, damit jedes Buch von etwa vergleichbarer Größe war. Bisweilen lassen sich noch
              Spuren der ursprünglichen Anordnung vermuten, z.B. wenn inhaltlich verwandte Fabeln
              hintereinander oder nur durch wenige andere getrennt erscheinen oder wenn sich durch
              Anfang- und Endstellung Ringkompositionen ergeben.<note n="7"> Z.B. 1,1–1,31;
                1,2–1,30.</note>
            </p>
          </div>
          <div>
            <head n="1" rend="sub">2.3. Das Gesamtwerk</head>

            <p>Vielleicht waren auch die fünf Bücher insgesamt als ein Wurf geplant. Folgendes
              könnte dafür sprechen: Das dritte Buch mit seinem auffälligen und inhaltlich
              bedeutsamen Pro- und Epilog nimmt dann eine Mittelstellung ein; hier taucht auch zum
              einzigen Mal der Name Phaedrus auf. Ferner kündigt der Dichter am Ende von Buch 3 an,
              der <hi rend="italic">brevitas</hi>, der Kürze, wegen aufhören zu wollen, und erhofft
              sich von seinem Patron Lohn dafür; allerdings schreibt er dann noch zwei weitere
              Bücher; das wirkt wie eine Umkehrung der Vorgehensweise Ovids, der zu Beginn seiner 3
              Bücher Amores behauptet, diese seien ursprünglich 5 gewesen, aber der Dichter habe sie
              auf 3 gekürzt, um den Leser zu schonen. Phaedrus hätte wieder einmal ein literarisches
              Motiv erheiternd auf den Kopf gestellt. Auch die fortschreitende Emanzipierung von
              seinem Vorbild Aesop von der Versifikation zur ‚Fälschung‘ (s.u.) würde sich gut in
              dieses Gesamtkonzept fügen.</p>
          </div>
          <div>
            <head n="1" rend="sub">2.4. Die Vorbilder</head>
            <p>Das Dichter-Ich verweist dezidiert auf <ref target="#Einleitung:Aesop">Aesop</ref>,
              den <hi rend="italic">auctor</hi>, als Vorbild (1 prol. 1). Dieser habe die <hi rend="italic">materia</hi>, den Stoff, gefunden, wobei <hi rend="italic">repperit</hi> offen lässt, ob Aesop den Stoff nur <hi rend="italic">ge</hi>funden,
              d.h. gesammelt, oder <hi rend="italic">er</hi>funden, d.h. geschaffen hat; auch <hi rend="italic">auctor</hi> bleibt hier schillernd: Verfasser, Urheber, Schöpfer,
              Vorgänger. Als Eigenleistung des Phaedrus wird die Versifikation genannt (1 prol. 2);
              im zweiten Buch ist nur mehr von <hi rend="italic">Aesopi genus</hi> (2 prol. 1) die
              Rede, dem der Dichter zum Zwecke der Abwechslung einiges beigefügt habe (2 prol.
              9–11); in Buch 3 spricht er von <hi rend="italic">Aesopi stilo</hi> (3 prol. 29);
              ferner habe er aus dessen Pfad eine Straße gemacht (3 prol. 38) – hier liegt eine
              geistreiche Umkehrung der Forderung des Kallimachos vor, der von der Dichtung
              verlangte, dass sie fein sei und ein Dichter gerade die ausgefahrenen Wege meiden und
              die unbetretenen Pfade suchen solle (Kallim. ait. 25–31). In Buch 4 unterscheidet der
              Dichter zwischen ‚aesopischen Fabeln‘ und ‚Fabeln des Aesop‘ (4 prol. 11), bis er
              schließlich in Buch 5 behauptet, den Namen Aesop bisweilen einzuschieben, wie ein
              Künstler, der seine Kunstwerke mit falschem Namen besser verkaufen kann. </p>

            <p>Leider können wir nicht mehr rekonstruieren, auf welche Sammlung aesopischer Fabeln
              Phaedrus zurückgriff; die uns vorliegende <ref target="#Einleitung:Aesop">Augustana-Sammlung</ref> ist in jedem Falle später anzusetzen. Bei Vergleichen ist
              hier also methodische Vorsicht geboten. Dass sich für zahlreiche Phaedrusfabeln keine
              stofflichen Vorlagen bei den aesopischen Fabeln finden lassen, mag z.T. an Verlusten
              liegen, viel spricht jedoch dafür, dass Phaedrus viele Fabeln neu erfand oder Motive
              neu kombinierte.</p>

            <p>Deutlich sind allerdings Anspielungen auf zahlreiche antike Autoren vor ihm, vor
              allem auf die lateinische Literatur des 1. Jh.s v. und n.Chr. Es lässt sich zeigen,
              dass der Dichter nicht nur sehr gelehrt auf diese Werke Bezug nimmt, sondern auch dass
              er fast alle Topoi der berühmten Vorgänger über die Neuheit und Exklusivität ihrer
              Dichtung aufgreift, übersteigert und sich somit geistreich über sie lustig macht.<note n="8"> Vgl. <ref target="#Gärtner2007">Gärtner 2007</ref>; <ref target="#Gärtner2011">Gärtner 2011</ref>; <ref target="#Gärtner2015">Gärtner
                  2015</ref>, 41–47.</note> Dies wirkt umso stärker, als er die bis dahin eher
              gering geschätzte Fabel zu einer eigenen Literaturgattung erhebt und an ihr die
              Dichtungsansprüche vorführt.</p>
          </div>
          <div>
            <head n="1" rend="sub">3. Überlieferung </head>
            <p>Die Phaedrusfabeln sind ausgesprochen schlecht überliefert. Auf folgende Quellen kann
              man zurückgreifen:</p>
            <p>Codex Pithoeanus (=P): Der Codex stammt aus dem 9. Jh., war lange in Privatbesitz und
              ist nun wieder in der Pierpont Morgan Library zugänglich.</p>
            <p>Codex Remensis (=R): Der Codex stammt ebenfalls aus dem 9. Jh. und ist mit P
              verwandt. Leider verbrannte er 1774, doch war er zuvor von Herausgebern kollationiert,
              d.h. abgeschrieben oder ausgewertet worden.</p>
            <p>Scheda Danielis (=D): Die Handschrift stammt auch aus dem 9. Jh., ist aber wohl von P
              und R unabhängig und beinhaltet nur die Fabeln 1,11–13 und 17–21.</p>
            <p>Appendix Perrotina: Der Humanist Niccolò Perotti erstellte in der zweiten Hälfte des
              15. Jh.s eine Sammlung, die 158 Fabeln umfasste; hierin lassen sich 64 Phaedrusfabeln
              finden, von denen 32 aus den Büchern 2–5 bekannt, 32 jedoch unbekannt waren. Da sie
              sich den Büchern nicht mehr zuordnen lassen, werden sie in den modernen Ausgaben als
              Appendix angehängt. Die Handschrift (=N) ist heute kaum mehr zu entziffern. Doch
              erstellte J. Ph. D’Orville (=Dorv.) im Jahr 1727 eine Abschrift. Der Codex Vaticanus
              (=V; Vat. lat. Urb. 368) aus dem 15. Jh. enthält nur die Seiten 100–147 der
              Perotti-Sammlung.</p>

            <p>Der jüngste Fund einer Humanistenhandschrift (=Vat. lat. 5190) mit 23 Phaedrusfabeln
              brachte leider keine neuen Fabeln an Licht, bietet aber abweichende Lesarten.<note n="9"> Vgl. <ref target="#Mordeglia2014">Mordeglia 2014</ref>; <ref target="#Zago2015">Zago 2015</ref>.</note>
            </p>
            <p>Die Erstausgabe der Phaedrusfabeln erfolgte durch Petri Pithou im Jahr 1596.</p>
            <p>Umstritten ist bisweilen das Verhältnis der Handschriften untereinander und besonders
              die Frage, welche Bedeutung den Prosafassungen wie Romulus und dem sogenannten Ademar zukommt, einer Fabelsammlung, die nach dem
              Presbyter Ademar von Chabannais, der die Sammlung um 1025 schrieb (=Cod. Vossianus
              lat. 8° 15 Leiden), benannt ist und in der sich 30 Fabeln als Prosaauflösungen der
              Phaedrustexte zu erkennen geben.</p>
          </div>
        </div>
        <div>
          <head n="1" rend="chapter">Literatur:</head>
          <div>
            <head n="1" rend="sub">Primärliteratur:</head>
            <bibl>Phaedri Augusti liberti liber fabularum, recensuit A. Guaglianone, Torino
              1969</bibl>
          </div>
          <div>
            <head n="1" rend="sub">Sekundärliteratur:</head>
            <bibl n="v. Albrecht 2012" xml:id="v.Albrecht2012"> v. Albrecht, M.: Phaedrus, in:
              ders., Geschichte der römischen Literatur. Von Andronicus bis Boethius und ihr
              Fortleben. II, Berlin/Boston 2012, 847–851</bibl>
            <bibl n="Baeza Angulo 2011" xml:id="BaezaAngulo2011"> Fedro. Fábulas esópicas.
              Introducción, edición crítica, traducción y notas de E. Baeza Angulo, Madrid
              2011</bibl>
            <bibl n="Cancik 1974" xml:id="Cancik1974"> Cancik, H.: Die kleinen Gattungen der
              römischen Dichtung in der Zeit des Prinzipats, in: Neues Handbuch der
              Literaturwissenschaft. Bd. 3. Römische Literatur, hrsg. v. M. Fuhrmann, Frankfurt
              1974, 261–289</bibl>
            <bibl n="Champlin 2005" xml:id="Champlin2005"> Champlin, E.: Phaedrus The Fabulous, JRS
              95, 2005, 97–123</bibl>
            <bibl n="Currie 1984" xml:id="Currie1984"> Currie, H. MacL.: Phaedrus the Fabulist, ANRW
              2,32,1, 1984, 497–513</bibl>
            <bibl n="de Lorenzi 1955" xml:id="deLorenzi1955"> de Lorenzi, A.: Fedro, Firenze
              1955</bibl>
            <bibl n="Edwards 2015" xml:id="Edwards2015"> Edwards, R.M.: Caesar Telling Tales.
              Phaedrus and Tiberius, RhM 158, 2015, 167–184</bibl>
            <bibl n="Gärtner 2007" xml:id="Gärtner2007"> Gärtner, U.: levi calamo ludimus. Zum
              poetologischen Spiel bei Phaedrus, Hermes 135, 2007, 429–459 </bibl>
            <bibl n="Gärtner 2011" xml:id="Gärtner2011"> Gärtner, U.: Maske, Perle, Feile, Lyra.
              Phaedrus, die literarische Gattung und die klassische Bildung, Hermes 139, 2011,  
            216–248</bibl>
            <bibl n="Gärtner 2015" xml:id="Gärtner2015"> Gärtner, U.: Phaedrus. Ein
              Interpretationskommentar zum ersten Buch der Fabeln, München 2015 (Zetemata
              149)</bibl>
            <bibl n="Gärtner 2017" xml:id="Gärtner2017"> Gärtner, U.: Phaedrus 1975-2014, Lustrum
              57, 2015 [=2017], 7–97</bibl>
            <bibl n="Herrmann 1950" xml:id="Herrmann1950"> Herrmann, L.: Phèdre et ses fables,
              Leiden 1950</bibl>
            <bibl n="Holzberg 2012" xml:id="Holzberg2012"> Holzberg, N.: Die antike Fabel. Eine         
     Einführung, Darmstadt 2012</bibl>
            <bibl n="La Penna 1968" xml:id="LaPenna1968"> Fedro. Favole. Versione di A. Richelmy.
              Aggiunte le trenta „Favolae novae“ a cura di A. La Penna. Testi latini a fronte.
              Introduzione di A. La Penna, Torino 1968 </bibl>
            <bibl n="Mordeglia 2014" xml:id="Mordeglia2014"> Mordeglia, C.: Aldo Manuzio il Giovane
              e un nuovo manoscritto umanistico di Fedro. Indagini preliminari, in: Lupus in fabula.
              Fedro e la favola latina tra antichità e medioevo. Studi offerti a Bertini, F., a cura
              di C. Mordeglia, Bologna 2014, 131–161</bibl>
            <bibl n="Park 2017" xml:id="Park2017"> Park, J.: Interfiguralität bei Phaedrus. Ein
              fabelhafter Fall von Selbstinszenierung, Berlin/Boston 2017 (Millenium-Studien
              66)</bibl>
            <bibl n="Pieper 2010" xml:id="Pieper2010"> Pieper, C.: Phaedrus’ Ironie. Anmerkungen zum
              Prolog des dritten Fabelbuches, Gymnasium 117, 2010, 33–48</bibl>
            <bibl n="Renda 2012" xml:id="Renda2012"> Renda, C.: Illitteratum plausum nec desidero.
              Fedro, la favola e la poesia, Napoli 2012 (Studi Latini 80)</bibl>
            <bibl n="Schmidt 2000" xml:id="Schmidt2000"> Schmidt, P.L.: Art. Phaedrus, in: DNP, Bd.
              9, Stuttgart 2000, 708–711</bibl>
            <bibl n="Zago 2015" xml:id="Zago2015"> Zago, G.: Per la storia e la costituzione del
              testo delle Favole di Fedro. Un nuovo manoscritto, il Vat. lat. 5190, e un nuovo
              testimone indiretto, gli Hecatomythia di Lorenzo Astemio, MD 74, 2015, 53–118</bibl>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
