Die Sammlung
Das Gipsmuseum der Universität Graz vereint in Gips abgeformte Kopien unterschiedlichster Kunstwerke der Antike und bietet so die Möglichkeit, zeitlich und geographisch voneinander entfernte Meisterwerke an einem Ort zu erleben. Die über 500 Objekte bzw. Objektgruppen ermöglichen einen direkten Vergleich von Artefakten aus unterschiedlichen Epochen und Regionen. So kann der Blick für Besonderheiten, Unterschiede und auch Gemeinsamkeiten antiker Skulpturen im persönlichen Umgang mit den Objekten geschult werden. Die Objekte der Sammlung stellen einerseits einen direkten Zugang zu Erzählungen und Mythen der Antike sowie zu deren Figuren her. Andererseits erlaubt die breite Auswahl an Plastiken eine gründliche Beschäftigung mit der antiken Darstellung des Menschen. Darüber hinaus sind aus Gips geformte Kopien von Objekten gesammelt, die ursprünglich aus verschiedenen Materialien hergestellt waren und unterschiedlichste Funktion hatten, z.B. Geschirr, Schmuckstücke.
Gipsabformungen haben eine lange Tradition, da sie bereits im Altertum verwendet wurden, um Repliken von Statuen anzufertigen, die nicht von ihren Standorten entfernt werden konnten. Die Repliken dienten in Kunstschulen und Akademien vornehmlich dem Studium der menschlichen Anatomie sowie dem gezielten Objektstudium.
Bereits bei der Konzeption des Hauptgebäudes der Grazer Universität waren die Räumlichkeiten des Gipsmuseums berücksichtigt worden, in denen es sich auch heute noch befindet. Bereits am Weg zum Institut für Antike finden sich die ersten bedeutsamen Exponate im Stiegenhaus: ein Teil eines römischen Fußbodenmosaiks aus dem 2. Jh. n. Chr. und der Abguss eines Kopfes, bekannt als Juno Ludovisi und ehemals Teil der Sammlung Ludovisi. Wenn man den Stiegenaufgang auf der anderen Seite des Gebäudes nimmt, passiert man einen Abguss der Schlafenden Ariadne und kommt direkt in die Räumlichkeiten des Gipsmuseums.
Die Objekte der Sammlung sind chronologisch geordnet. Die meisten Abgüsse des ersten Raumes stammen aus der archaischen Zeit (ca. 700-500 v. Chr.) und zeigen Artefakte aus Tempeln sowie Schatzhäusern. Die figürlichen Motive haben mehrheitlich einen mythologischen Hintergrund.
Der zweite Raum der Sammlung setzt den Fokus auf die Klassik (ca. 500-336 v. Chr.), eine Zeit der politischen und philosophischen Hochblüte. Es wird zudem die Thematik der Kopie in der Plastik zunehmend relevant, da vor allem Stücke, die berühmten Künstlern zuzuordnen sind, vorrangig als Kopie vorliegen. Diese Kopien wurden in der Zeit der römischen Kaiserzeit angefertigt, also bis nahezu fünf Jahrhunderte später.
Im dritten und letzten Raum befinden sich Exponate eines breiten zeitlichen Horizonts. Sie lassen die Neuorientierung der Künstler in ihrem Schaffen deutlich werden.
Eine signifikante Zahl der Büsten wird in den Räumlichkeiten der Bibliothek aufbewahrt. Dabei handelt es sich unter anderem um Darstellungen bedeutender Figuren der griechischen und römischen Geschichte.
