Alfred Kastil (1874–1950)

Alfred Kastil wurde als Sohn des Bankbeamten Alois Kastil in Graz geboren. Die Mittelschulzeit verbrachte er in Brünn. In seinem Maturajahr 1892 übersiedelte er wegen einer Versetzung seines Vaters nach Prag, wo er zunächst Rechtswissenschaften an der Prager Deutschen Universität studierte. Nach Ablegung der ersten Staatsprüfung widmete er sich nur noch der Philosophie. Kastil hörte Vorlesungen bei Anton Marty und Emil Arleth. 1898 promovierte er mit einer Arbeit über die Prinzipien der Aristotelischen Ethik, schon 1902 habilitierte er sich (Die Frage nach der Erkenntnis des Guten bei Aristoteles und Thomas von Aquin). Kastil war zeitweise Erzieher von Giovanni Brentano, dem einzigen Sohn Brentanos, in Florenz. Ab 1902 betätigte er sich auch als Sekretär der „Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen“. 1909 wurde Kastil neben Franz Hillebrand ordentlicher Prof. für Philosophie an der Universität Innsbruck. Gemeinsam mit Oskar Kraus begann er 1917 mit der Arbeit an Franz Brentanos Nachlass. 1920 stellte er sich in der Innsbrucker „Karl-Kraus-Affäre“ (deutschnationale und katholische Studenten protestierten gegen eine Lesung von Kraus) auf die Seite des Schriftstellers. Während der 20iger Jahre entstand in Innsbruck ein erstes Brentano-Archiv, zu dessen Verwaltung Kastil auch Ernst Foradori als Mitarbeiter heranzog. 1933 schied er aus politischen Gründen vorzeitig aus dem Amt zurück. Kastil arbeitete zunächst in Wien und dann nach Kriegsbeginn zunehmend in Schönbühel bis zuletzt an der Edition der Werke Brentanos weiter.