Joseph Eisenmeier (1871–1926)

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Prag-Smichov studierte Eisenmeier 2 Semester Germanistik, wendete sich im WS 1891/92 aber dem Studium der Mathematik, Physik und insbesondere der Philosphie zu, in der Anton Marty sein Lehrer war. 1898 promovierte er zum Doktor der Philosophie. Kurz zuvor war Eisenmeier in die Prager Universitätsbibliothek eingetreten, wo er bis zum Oberbibliothekar aufstieg. 1906 habilitierte er sich für Philosophie, wurde aber erst 1922 zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt. Besonderes Vertrauen erwies ihm Franz Brentano, indem er Eisenmeier zu sich nach Florenz holte, um seinen Sohn Johannes (auch „Gio“ genannt) zu unterrrichten. Dort lernte er 1908 Thusnelda Merkel kennen, die für Brentano als Sekretärin arbeitete und später seine Frau wurde. 1914 erschien sein philosophisches Hauptwerk, Die Psychologie und ihre zentrale Stellung in der Philosophie, in der er „im Geiste seiner Lehrer Marty und Brentano […] eine vorzügliche Einleitung in das Studium der Philosophie“ gibt (Oskar Kraus). Eisenmeier war auch maßgeblich an der vierbändigen Ausgabe von Martys Gesammelten Schriften beteiligt. Nur wenige Tage vor seinem Tod wurde er von Präsident Masaryk zum ordentlicher Professor ernannt. Der umfangreiche philosophischen Nachlass Eisenmeiers, von dem Kraus in seinem Nachruf berichtet, ist leider verschollen.