Carl Stumpf (1848–1936)

Beeindruckt von Brentanos Habilitationsthesen wurde Stumpf einer der ersten Schüler Brentanos in Würzburg. Seine Dissertation schrieb er allerdings auf Anraten Brentanos 1868 bei Hermann Lotze in Göttingen. Von 1870 bis 1873 war Stumpf ebendort Dozent, von 1873 bis 1879 hatte er – quasi als Nachfolger Brentanos – eine ordentliche Professur für Philosophie in Würzburg inne. Sein weiterer universitärer Weg führte ihn von Prag (1879–1884) über Halle (1884–1889) – dort war Edmund Husserl sein Schüler – und München (1889–1894) schließlich 1894 nach Berlin, wo er eine außerordentlich fruchtbare Lehr- und Forschungstätigkeit entfaltete. Zu seinen Schülern gehören unter anderem Max Wertheimer, Kurt Koffka und Wolfgang Köhler, die als Begründer der Berliner Schule der Gestalttheorie bekannt wurden. Anders als Brentano wendete sich Stumpf spätestens seit seiner berühmten Tonpsychologie konsequent der empirischen und experimentellen Psychologie zu, was zur zunehmenden Entfremdung von seinem Lehrer führte. Im Gegensatz zu vielen anderen Schülern Brentanos hielt Stumpf jedoch die Beziehung bis zu dessen Tod 1917 aufrecht: der Briefwechsel zwischen den beiden Philosophen ist ein eindrucksvolles Zeugnis einer schwierigen aber auch tiefen Beziehung zweier außerordentlicher Denker.