Georg von Hertling (1843–1919)

Hertling war großmütterlicherseits mit der Familie Brentano verwandt. Er studierte Philosophie in München, Münster und Berlin, wo er 1864 mit einer Arbeit über den Begriff der Einheit bei Aristoteles promovierte. 1867 veröffentlichte er eine Rezension von Brentanos Psychologie des Aristoteles, und auch seine 1871 veröffentlichte Schrift Materie und Form und die Definition der Seele bei Aristoteles steht unter dessen Einfluss. Nach der Abwendung Brentanos von der katholischen Kirche kam es allerdings zum Abbruch der persönlichen Beziehungen. 1867 habilitierte Hertling sich 1867 in Bonn und war ab 1882 Professor für Philosophie in München. Hertling, der 1876 die „Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland“ mitbegründete, deren erster Präsident er wurde und bis zu seinem Tod blieb, etablierte sich als einer der führenden katholischen Intellektuellen des Deutschen Reiches. Anlässlich des „Falles Spahn“, der als Höhepunkt des akademischen Kulturkampfes betrachtet wird, kam es 1901 nochmals zu einer Konfrontation, wobei Brentano gemeinsam mit seinem Bruder Lujo gegen Hertling für Mommsen Partei ergriffen und die Voraussetzungslosigkeit der Wissenschaft verteidigten. Hertling war darüber hinaus seit 1875 Reichstagsabgeordneter des Zentrums und 1917/18 der letzte Kanzler des Deutsche Reiches.