Urkundenbuch des Herzogtums Steiermark

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GA 11

Bischof Konrad [I.] von Passau überläßt dem Abt Sirus [= Sieghard] und dem Konvent von Garsten im Tausch für die durch deren Vogt, Markgrafen Otakar [III.] von Steier, übergebenen Stadelhöfe zu Taubenbrunn mit Eigenleuten und Mühle samt Mühlgerechtig­keit, desgleichen zu Hartheim und zu Buch, ebenda auch eine Hufe und eine weitere Hufe zu Emling durch die Hand des Adalbert von Perg seinen Zehent(-anteil) in der Pfarre Gaflenz innerhalb der von Bischof Reginbert bestimmten Begrenzung, die zugleich bestätigt wird.

[1151].

Or. leicht fleckig Linz LA: Garsten U 8 (A). — Abschr. (1170) als Anlage zu einer Supplik ebenda: Garsten U 11 (b). — Abschr. um 1190 im Traditionskodex ebenda: Garsten Hs. 1 fol. 4r-v (Nr. 7) (C). — Insert im Vidimus der Äbte Friedrich von Admont und Gottschalk von St. Lambrecht sowie des Propstes Friedrich von Gurk von (1262) Innsbruck, Tiroler Landesmuseum: U 12 (D).

Pusch – Frölich, Dipl. Garstense (1754) 41 Nr. 9 unvollst. aus C zu 1153/1164 = Caesar, Annales 1 (1768) 753 Nr. 18 unvollst. zu nach 1154. — UBLOE 1 (1852) 119 Nr.  7 aus C zu c. 1160. — UBLOE 2 (1856) 250 Nr. 167 aus A zu c. 1150 und 342 in Nr. 233 aus B.

Ausz.: Kurz, Beytr. 2 (1808) 507 Nr.  28 aus A.

Reg.: Frölich, Specimen 2 (1758) 188 zu nach 1154. — Pritz, Gesch. v. Garsten u. Gleink (1841) 98 Nr. 3. — Lübkes, Konrad (1880) 47 Nr. 23 zu 1151. — Boshof, RPB 1 (1992) 222 Nr. 720 zu (1148 - vor 1155 April 28).

Die Schrift und vor allem das echte Siegel in ursprünglicher Befestigung zeigen, daß die Beurteilung dieser Urkunde als Fälschung aus der Mitte des 13. Jahrhunderts durch Lenzenweger in FS Eder (1959) 326 nicht zutrifft. Bei der Anfertigung durch einen sonst nicht nachweisbaren Schreiber bzw. Verfasser ist die Grenzbeschreibung der Pfarre Gaflenz der zitierten Vorlage von 1140 (s. Nr. Ga 8) entlehnt.

Bemerkenswert ist, daß die dem Papst Alexander III. zur Bestätigung der Rechte des Klosters mit der Supplik des Markgrafen Otakar IV. vorgelegte Abschrift (= B) im Anschluß an die Grenzbeschreibung der Pfarre Gaflenz eigenmächtig den in Anmerkung 1 gebotenen Zusatz einfügte und dieser tatsächlich im päpstlichen Privileg von 1179 (s. Nr. Ga 23) bestätigt wurde.

Für die zeitliche Einreihung ist, abgesehen von der Sedenzzeit des Bischofs Konrad I. von 1148 bis 1164, wesentlich der Gebrauch seines ersten Siegeltypars, vgl. dazu Groß in MIÖG 8. Ergbd. (1911) 581f. und nunmehr Steiner, Bischofssiegel 1 (1998) 82f. bzw. 2 (1998) Tafel XV Abb. 48, vor allem aber die Zeugenschaft der drei Passauer Dignitäre. Dompropst Chadalhoch ist urkundlich gesichert von 1149 November 6 (Boshof a. a. O. Nr. 688) bis 1155 (Boshof a. a. O. Nr. 725), Domdekan Adalgoz von 1149 November 6 (s. oben) jedoch nur bis 1151 Mai 22 (Boshof a. a. O. Nr. 700) nachweisbar; 1155 April 28 tritt bereits sein Nachfolger Rudpert auf (Boshof a. a. O. Nr. 721). Der Erzpriester Udalrich ist wohl der ebenfalls 1151 Mai 22 (s. oben) als Zeuge auftretende Propst von s. Maria (= Hengersberg). Da in der letztgenannten Urkunde nach dem vorerwähnten Dompropst, Domdekan und Erzpriester auch Abt Sieghard von Garsten als Zeuge aufscheint, kann mit großer Wahrscheinlichkeit die vorliegende Urkunde zu diesem Jahr gereiht werden.

Ausnahmsweise werden wegen des Abtnamens auch die unterschiedlichen Schreibung aller Namen in den zitierten Abschriften B-D berücksichtigt.

‡ In nomine sancte et individue trinitatis. Choͮnradusa dei gratia Patauiensis ecclesie episcopus. ‡ Notificamus omnibus verȩ fidei cultoribus tam presentibus quam futuris concambium, quod factum est inter nos et venerandum abbatem Syrumb Carsten­semc fratresque ibidem deo servientes, quod hoc modo perpetratum est. Idem namque fratres tradiderunt nobis per manus advocati sui Otachardid scilicet marchionis de Styrie tres stabularias curtes, unam apud Tîmenbrunnenf cum mancipiis et omnibus, sicut tunc possessa erat, ibidemque molendinum cum iure suo, alteram apud Hartheimg, terciam vero apud Puͦcheh, et in eodem loco mansum unum, alterum vero apud Emilingen eo tenore, ut decimas, quȩ pertinent ad parrochyam Abilencii, eis iure concambii traderemus. Nos itaque hoc iustum legitimumque concambium esse perpendentes, pari deliberatione mutuas commutationes fecimus prediaque supradicta nos et ȩcclesia, cui deo auctore presidemus, per manum Adalbertik de Pergil suscepimus eiusque decimas prefatȩ ȩcclesiȩ donavimus eosdemque terminos a precessore nostro piȩ memoriȩ Reginbertom statu tos confirmavimus, videlicet a fluvio Roͮbinich n usque ad cursum Froͮde­nize o alterius fluminis et usque ad principium A bilenze p ad portam, decernentes et sta­tuentes, ut decimas his terminis inclusas1 prefatus abbas eiusque successores a nobis et a nostris successoribus perpetua et stabili possessione obtineant. Ut autem pagina huius mutuȩ commutationis nostrȩ inconvulsa et illibata permaneat, sigilli nostri impressione eam insigniri iussimus idoneosque testes subter notari fecimus. Quorum no­mina hec sunt: Chadalhochq Patauiensis prepositus, Oͮdalricusr archypresbiter, Adalgozs decanus, Otachart marchio Styrensisu, Adalbertusv de Pergew, Cholo de Wassinberchx, Gotiscalchy de Hunisperchz, Walchoͮna' de Chlammeb', Paboc' de Ameramgind', Hart­nithe' de Ortef', Gumpoltg' de Pollinheimh', Goͮndacheri' de Steinpachk', Hetill' del' Wizinpachl', Dietericusm' de Trunan'.


a) A, Chvͦnradus BC, Chunradus D

b) A, Sigehardum BC, Sighardum D

c) A, Garstensem BC, Gærstensem D

d) AB, Otachari CD

e) A, Styra BCD

f) ABC, Timenpruͦnnen D

g) ABD, Harthein C

h) A, Boͮche B, Pvͦche C, Pvͦch D

i) A, Abilenze B, Auelenze C, Gauelentz D

k) AC, Adelberti C, Adalperti D

l) A, Berge B, Perge C, Perg D

m) AB, Reginperto CD

n) A, Rubiniccha B, Rvͦbiniche C, Rubnich D

o) A, Fruͦdenize BC, Frudenize D

p) AC, Auelenze B, Gavelentz D

q) A, Chadelhoch B, Cadalhoch CD

r) AB, Vͦdalricus C, Vdalricus D

s) ACD, Adelgoz B

t) davor m radiert A, Otacher BCD

u) ACD, de Styra B

v) A, Adelbertus BC, Adelpertus D

w) ACD, Berge B

x) AC, Wassenberc B, Wassenberch D

y) A, Gotscalg B, Gotescalc C, Gotschalch D

z) AC, Hunisberc B, Hvntsperch D

a') A, Uvalchun B, Walchun C, Walchvõn D

b') A, Clamme BCD

c') ACD, Babo D

d') A, Ameringin BCD

e') A, Hartnit BC, Hartnid D

f') ACD, Ortte B

g') AC, Gumpolt - Truna fehlt B, Gvmpolt D

h') A, Bollinheim CD

i') A, Gundager C, Gvndaker D

k') A, Steinbach CD

l') A, fehlt CD

m') AC, Ditricus D

n') AC, Trvͦn D

1) B hat danach <cum omni iure sacerdotali>.

Siegel aus naturfarbenem Wachs an Pergamentstreifen, stark beschädigt, rund, Bischof im Ornat mit Infel (Hörner über den Seiten) auf dem Faldistorium sitzend, in der Rechten Stab, mit der Linken ein Spruchband hochgehalten, darauf PAX . Vob., + CH[ON­RA­DVS . DEI . GRATIA . PATAVIENSIS . E PC .]

Metadaten

Aussteller Bischof Konrad I. von Passau
EmpfängerGarsten
RegestBischof Konrad I. von Passau überläßt dem Abt Sirus von Garsten im Tauschwege seinen Zehntanteil in der Pfarre Gaflenz
Datum (ISO 8601)1151
Ortunbekannt
SpracheLatein
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MetadatenTEI anzeigen TEI
LizenzCreative Commons BY-NC-SA
Permalink/Handlehttps://gams.uni-graz.at/o:stub.159, hdl.handle.net/11471/505.10.67
ZitiervorschlagUrkundenbuch des Herzogtums Steiermark I,1, bearb. v. Friedrich Hausmann, GA 11, digitale Fassung: hdl.handle.net/11471/505.10.67, Graz: Historische Landeskommission für Steiermark, 2007 (29.09.2021)