Mitmachlabore

Pharmazie

Die mittelalterliche Medizin ist, trotz vieler überlieferter Behandlungsmöglichkeiten im therapeutischen wie auch im chirurgischen Bereich, eine Medizin der Prophylaxe. Wenn therapiert werden musste, konnte nur auf Inhaltsstoffe zurückgegriffen werden, die die Natur zur Verfügung stellte.

Natürlich kannte man den Wert und die Wirksamkeit von Pflanzen und Kräutern, Salben und Tinkturen und wusste sich bei Beschwerden zu helfen. Aus der Fülle von spannenden Rezepturen, deren Inhaltsstoffe sich nach heutigem Wissenschaftsstand als wirksam erwiesen haben, werden im Pharmaziekurs je nach Jahrszeit (Sommer oder Winter) vier Rezepturen ausgewählt und mit zeitgemäßen Materialien und Rohstoffen hergestellt.

Im Winter stehen auf dem Programm: Verdauungshelfer, Winterseife, Tee und Wärmebalsam; im Sommer Gesichtswasser, Entspannungs-Roll-on, Sommerseife und Fußgel.

Pharmaziekurs am Offenen Labor

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"Arbeitsplatz im Pharmazielabor" by Geschmackslabor Uni Graz

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"Arbeiten im Pharmazielabor" by Geschmackslabor Uni Graz

Kulinarik

Die mittelalterliche Küche und ihre Rezepte beinhalten einen großen Erfahrungsschatz praktischen Küchenwissens, der eine reichhaltige Inspirationsquelle darstellt. Die Kochtechniken sind in den Texten in der Regel nur implizit genannt - zeitgenössische Rezipienten hatten dieses Wissen aber aktiv in ihrem Erfahrungsschatz. Eine genaue Textanalyse mit explizit küchentechnischem Fokus bringt daher eine erstaunliche Vielfalt an Zubereitungsmethoden ans Licht.

Umgelegt auf moderne Zubereitungsweisen ergibt sich daraus eine spannende Sammlung an Küchentechniken und -trends, die aus diesen Texten herausgelesen werden können. So werden z.B. Gelieren, Niedrigtemperaturgaren oder das Modellieren und Verfremden von Speisen beschrieben - also alles Zubereitungsweisen, die auch in der modernen gehobenen Küche und in modernen Kochtrends wie der Molekularen Küche zum Einsatz kommen.

Historische Rezepte waren für diesen Kurs Ideengeber und Vorlage zugleich: Sie bilden die Basis für ein sechsgängiges Menü. Rezepte aus dem Mittelalter werden für den modernen Gaumen nach modernen Methoden umgesetzt. Außerdem werden die Geschmackskombinationen in Bezug auf Food Pairing verkostet und bewertet. Zielpublikum dieses Kochkurses sind kulinaraffine Laien, aber auch Profis aus der Gastronomie.

Offenes Labor

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"Stunden-Ei, Maisauce-Hollondaise, Spinat" by Geschmackslabor Uni Graz

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"Hypocras-Eis / Hypocras-Gel" by Geschmackslabor Uni Graz

Nachhaltigkeit

Mittelalterliche Hausbücher wie die Handschrift Ms. 1609 überliefern alltagspraktisches Wissen, das mit Küchentricks sowie Garten- und Haushaltstipps aus dem Alltagswissen der spätmittelalterlichen Menschen schöpft. Diese Texte eröffnen als Quelle der Inspiration neue Möglichkeiten eines nachhaltigen Umgangs mit Lebensmitteln.

Für diesen Kurs lieferten die historischen Texte viele Ideen Rezepte, von denen einzelne ausgewählt und für die heutige Zeit adaptiert wurden. Diese können in Form praktischer Anwendungen im Lauf des Kurses ausprobiert werden. Gleichzeitig soll mit den historischen Materialien Bewusstseinsbildung zur nachhaltigen Verwendung von Lebensmitteln betrieben werden.

Ganz nach aktuellen Strömungen aus der Spitzengastronomie wie „from nose to tail” (Fergus Henderson) oder „vom Garten ins Einweckglas“ (Sandor Katz) bildet dieses Modul einen Gegenpol zur modernen Wegwerfgesellschaft.

Offenes Labor

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"Fermentierte Zutaten für einen Liptauer, Gemüsefond auf Basis von Gemüse'abfall'" by Geschmackslabor Uni Graz

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"Liptauer aus fermentiertem Gemüse" by Geschmackslabor Uni Graz

Handschrift

Das Schreiben mit der Hand ist eine dem Menschen eigene Kulturtechnik, die nicht nur kommunikative Zwecke erfüllt, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Geistesbildung des Individuums leistet. Mittelalterliche Handschriften (sowohl in Form des Codex als auch in Form der geschriebenen Zeichen) sind Denkmäler einer für den heutigen Menschen fremden Kultur.

Durch die praktische Arbeit (Lesen und Schreiben) mit historischen Handschriften sollen den KursteilnehmerInnen diese Kultur und ihre Materialität sowie die Ursprünge und Zusammenhänge moderner Buchstaben und Schriften sowie ihre Zusammenhänge mit der mittelalterlichen Kultur vermittelt werden.

Im Rahmen des Kurses wird die Erstellung von mittelalterlichen Büchern (Codices) beschrieben, das Schreiben von mittelalterlicher Schrift mit historischen Schreibutensilien ausprobiert und die dafür benötigte Tinte nach einer historischen Rezeptur selbst hergestellt.

Offenes Labor

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"All's well that inks well"; by Chris Wightman

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"Herstellung von Eisengallustinte" by Helmut W. Klug