»kalten Herberge«

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Kommentar

Anspielung auf Theodor W. Adorno s Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben (1951): In Kalte Herberge (Aphorismus 75) zeigt Adorno am Beispiel des – seiner Ansicht nach – Verfalls der Gastlichkeit in Wirtshäusern, wie in einer Gesellschaft, die von Sachlogik erfasst wird, Kälte oder nur eine Fassade von Wärme die Beziehung zwischen Individuen dominiert. „Zug um Zug [...] vernichten die Mittel den Zweck“, kehrten sich die Mittel des Gastgewerbes gegen das Wohl des Gastes. „Die Arbeitsteilung, das System automatisierter Verrichtungen, bewirkt, dass keinem am Behagen des Kunden etwas gelegen ist.“ ( Adorno 2003 , 132) Die aus ökonomischen Gründen rationalisierte Organisation des Wirtshauses mache dieses zur „Kalten Herberge“ und bewirke kulturelle Entfremdung. 2004 griff Kofler den Begriff für seinen Roman Kalte Herberge auf.

Textausschnitte

Am Schreibtisch, S. 68

[...] Erleichterung war es, die mich auf den Weg nicht achten ließ, die Erleichterung, den Posthof und überhaupt Linz wieder verlassen zu können, ließ mich im Gehen den Kopf wenden, zurückblicken und dieser kalten Herberge auf Nimmerwiedersehen sagen [...]


Zitiervorschlag:
„kalten Herberge“. In: Werner Kofler: Kommentar zur Werkausgabe. Hrsg. v. Wolfgang Straub und Claudia Dürr. https://gams.uni-graz.at/o:kofler.w2.schreibtisch.423, 2019-02.