Gründungsurkunde und Insignien
der Karl-Franzens-Universität Graz

Insignien

Text: Alois Kernbauer
Fotografien: Johanna Kraschitzer

  • Universität

    Szepter

    Das Szepter gilt als das Symbol des Machthabers, der sich auch in der Neuzeit nicht selten damit porträtieren ließ. Als Hinweis auf die Amtsgewalt des Rektors wurde es diesem vom Pedell vorangetragen.
    Aus welcher Zeit dieses Szepter tatsächlich stammt, war anhand der Quellenforschungen in den einschlägigen Archiven bislang nicht eruierbar. Im März 1827, als der Rektor die Anschaffung der fehlenden Insignien des „juridischen und medizinisch-chirurgischen Studienzweiges samt Zubehör“, ferner Medaille und Kette für den Rektor und die Amtsketten der Dekane beantragte, war es jedenfalls bereits vorhanden. Da es die Wappenreihe zeigt, die auch bei den in dieser Zeit hergestellten Dekanatsszeptern zu sehen ist, ist es wahrscheinlich, dass es 1827 als erstes angefertigt wurde.
    Das Szepter weist einen kronenförmigen Abschluss auf, der auf einer Wappenreihe aufgesetzt ist, die die Länder „Innerösterreichs“ berücksichtigen und die auf die der Universität Graz zugedachten Rolle als einer Hohen Schule für den „Südosten des Reiches“ verweist.
    Die darunter befindliche Kugel wird von einer Edelsteinkette eingefasst, aus der vier Farben, die Fakultätsfarben, hervorstechen: Schwarz für Theologie, Rot für Jurisprudenz, Grün für Medizin und Blau für die Philosophische Fakultät.

    RektorInnenkette

    Ein weiteres Symbol der Amtsgewalt ist die Amtskette. In der Neuzeit finden sich Porträts von Bürgermeistern mit Amtskette vergleichsweise häufig.
    Die heutige Grazer RektorInnenkette wurde im Frühjahr 1827 in Wien angefertigt. Sie zeigt auf der Vorderseite das Bild Kaiser Franz II./I. mit der Umschrift „FRANCISCUS I. IMPERATOR AVSTRIAE“. Am unteren Rand ist in kleinerer Schrift der Hersteller vermerkt: „J. HARNISCH F.“

  • Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät

    Szepter

    Die Fertigung wurde von der Studienhofkommission 1827 bei einem Wiener Goldschmied in Auftrag gegeben, doch erst 1833 durchgeführt.
    Das Szepter ist von einem Schwert und einem Richterstab bekrönt, die in der Form des Andreaskreuzes verbunden, von einem Lorbeerkranz umfasst und auf eine Kugel aufgesetzt sind. Die Kugel deutet wohl auf das Allumfassende, die weltweite, den Erdkreis umspannende Gültigkeit der Rechtsgelehrsamkeit, insbesondere in einer Zeit, in der die Rechtslehre auf den Vorstellungen des Naturrechts basierte. Darunter finden sich die Wappen der „Innerösterreich“ zugehörigen Kronländer. Das Schwert ist in der Heraldik häufig anzutreffen, insbesondere in der Form zweier in Kreuzform gestalteter Schwerter, die wohl auf den „miles Christianus“ verweisen. Der Richterstab ist in allen Abbildungen von Gerichtsszenen seit dem Mittelalter von zentraler symbolischer Bedeutung und war etwa in der städtischen Gerichtsbarkeit das Symbol der Gerichtshoheit des Stadtrichters.

    DekanInnenkette

    Die Fertigung wurde von der Studienhofkommission 1827 bei einem Wiener Goldschmied in Auftrag gegeben, doch erst 1833 durchgeführt.
    Das Medaillon der Amtskette zeigt das Bild Kaiser Franz II./I. mit der Umschrift „FRANCISCVS I IMPERATOR AVSTRIAE“, auf der Rückseite die Inschrift „MVNIFICENTIA AVGUSTI FACVLTATI IVRE CONSVLTORUM MMDCCXXXIII“.

  • Medizinische Fakultät

    Szepter

    Szepter und Dekanskette wurden im Jahre 1863 anlässlich der Errichtung der Medizinischen Fakultät anstelle des aufgelösten Medizinisch-chirurgischen Studiums nach dem Muster der Insignien der Philosophischen Fakultät angefertigt und dienen heute als Insignien der Medizinischen Universität.
    Das Szepter zeigt die Aesculapschlange und darunter die Wappen der innerösterreichischen Kronländer nach dem Muster der im Zuge der Wiedererhebung zur Universität 1827 angefertigten Insignien.
    Die Aesculapschlange gilt seit der Antike als Symbol der Medizin. Im antiken Griechenland entstand vom 7. bis zum 5. Jh. v. Chr. der Asklepios-Heilkult, der an den Namen und die Person des Gottes der Heilkunde Asklepios anknüpft und sich im 4. Jh. v. Chr. in ganz Griechenland ausbreitete. Der griechischen Mythologie zufolge war Asklepios der Sohn Apolls und der sterblichen Koronis. Der Kult stand in der Tradition des ägyptischen Imhoptep-Kultes, wie ja die ägyptische Medizin überhaupt großen Einfluss auf die griechische hatte, ohne dass dieser im Einzelnen nachvollziehbar wäre. – Man sah in der Aesculapschlange zuerst die Aesculap-Natter, die sich um einen Stab windet, doch gibt es Thesen, die dies als Missverständnis ansehen. Eine Theorie sieht darin nicht die Aesculap-Natter, sondern den Medinawurm, der durch langsames Aufwickeln auf einen Stab aus dem Unterhautbindegewebe entfernt wird. Der Medinawurm ist in Afrika verbreitet, nicht aber in Griechenland. Einer anderen Theorie zufolge leitet sich das Symbol aus Altägypten her und steht möglicherweise im Zusammenhang mit dem Anch-Zeichen, dem Symbol für Leben, das in ägyptischen Darstellungen dem Pharao von einer Gottheit überreicht wird. Abstrahiert man die sich um den Stab windende Schlange, so zeigen die Umrisse eine Ähnlichkeit zum menschlichen Rückgrat. – Heute ist der Aesculap- Stab das Symbol der Humanmedizin, der Mediziner, der Apotheker und Pharmazeuten und findet sich in vielen Kombinationen. Auch die WHO hat sie in ihre Flagge aufgenommen.

    DekanInnenkette

    Szepter und Dekanskette wurden im Jahre 1863 anlässlich der Errichtung der Medizinischen Fakultät anstelle des aufgelösten Medizinisch-chirurgischen Studiums nach dem Muster der Insignien der Philosophischen Fakultät angefertigt und dienen heute als Insignien der Medizinischen Universität.
    Die Amtskette der Fakultät bzw. Universität zeigt auf der Vorderseite Kaiser Franz Joseph I., der allerdings nicht nach rechts, wie die Bildnisse des Kaiser Franz II./I., sondern nach links blickt, mit der Umschrift „FRANC. JOS. I D. G. AUSTRIAE IMPERATOR A“. Auf der Rückseite ist zu lesen: „MUNIFICENTIA AVGVSTI FACVLTATI MEDICOUM MDCCCLXIII“.

  • Philosophische Fakultät

    Szepter

    Das Szepter, bei dem die Wappen ebenso fehlen wie beim Szepter der Theologischen Fakultät, war 1827 bereits vorhanden. Die Philosophische Fakultät umfasste bis zum Jahr 1975 gleichermaßen grund-, natur- und geisteswissenschaftliche Fächer und repräsentierte gleichsam den „Kosmos der Wissenschaftsdisziplinen“. Umgeben von einem Lorbeerkranz ist im Szepter die universelle Weite des Kreises der Fächer, die man der Philosophischen Fakultät zurechnete, angedeutet: Sonne, Erde und Mond verweisen wohl auf den Kosmos, aber auch auf die Dichotomie des Daseins in dieser Welt und stehen zugleich für die entsprechenden Wissenschaftsdisziplinen. Die vier Symbole auf dem darunter befindlichen Querbalken deuten auf die mit der irdischen Existenz primär verbundenen Wissenschaftsbereiche. Geht man bei der Interpretation von der Zahlensymbolik aus, so stehen den drei am Firmament angebrachten Symbolen vier auf der Erde aufsitzende gegenüber, was auf die „sieben freien Künste“ verweist. Die septem artes liberales waren die den Bildungskanon eines freien, nicht auf Broterwerb angewiesenen Mannes bildenden Fächer, die gegenüber den praktischen Wissensgebieten, den „artes mechanicae“, als weitaus höherrangig angesehen wurden. Ab der Spätantike und im Mittelalter fasste man im „Trivium“ die Fächer „Grammatik“, „Rhetorik“, „Dialektik“ bzw. „Logik“, im „Quadrivium“ „Arithmetik“, „Geometrie“, „Musik“, „Astronomie“ unter Einschluss der Astrologie zusammen. Aus heutiger Sicht erscheinen mehrere Disziplinen in einem Ausbildungszweig zusammengefasst, so etwa in der „Geometrie“ die euklidische Geometrie, die Geographie und Agrimensur, in der „Musik“ auch der weite und wichtige Bereich der „Proportionen“, also der „Harmonien“ und „Harmonienlehre“ im weitesten Sinn. In der Nachfolge nach Marcianus Capella wurden die septem artes häufig personifiziert dargestellt, wobei als Attribute die Rute für „Grammatik“, Tafel und Griffel für „Rhetorik“, Schlange oder Hundekopf für „Dialektik“, Rechenbrett oder Rechenseil für „Arithmetik“, Zirkel oder Staubtafel für „Geometrie“, ein Musikinstrument, oft die Harfe, für „Musik“ und ein Astrolabium für „Astronomie“ dienten. Die im Szepter verwendeten Symbole können als Abstrahierung und Weiterentwicklung dieser Fächer gesehen werden, denen – auf dem bzw. im Balken befindlich – ein Buch, ein Fernrohr und ein Tintenfass respektive ein in der älteren Chemie verwendetes Gefäß hinzugefügt sind. Die Gesamtzahl der hier veranschaulichten Fachrichtungen beträgt also zehn, was wiederum auf die Weiterentwicklung und den wissenschaftlichen Fortschritt verweisen könnte, nämlich von der traditionellen Sieben, die in der Zahlensymbolik dem idealen Menschen zugeordnet war, auf die für Rationalität stehende Zehn.

    DekanInnenkette

    Die Kette wurde 1833 gefertigt. Die Amtskette zeigt auf der Vorderseite das Bildnis Kaiser Franz II./I. mit der Umschrift „FRANCISCVS I IMPERATOR AVSTRIAE“, auf der Rückseite die Inschrift „MVNIFICENTIA AVGVSTI FACVLTATI PHILOSOPHORUM MDCCCXXXIII“ und darunter „ J. HARNISCH F.“.

  • Fakultät für Umwelt, Regional und Bildungswissenschaften

    DekanInnenkette

    Die Fakultät wurde auf der Basis des Universitätsgesetzes von 2002 eingerichtet. Die Amtskette knüpft an die Tradition der 1827 wiedererrichteten Universität an. Auf der Vorderseite ist das Bildnis Kaiser Franz II./I. zu sehen mit der Umschrift „FRANCISCVS I. IMPERATOR AVSTRIAE“ und darunter in kleiner Schrift „J. HARNISCH F.“. Auf der Rückseite steht in der oberen Hälfte als Umschrift „MVNIFICENTIA AVGVSTI“, in der Mitte „Umwelt-, Regional- & Bildungswiss. Fakultät“ und als Umschrift in der unteren Hälfte ist die Jahreszahl „MDCCCXXXIII“ zu lesen.

  • Theologische Fakultät

    Szepter

    Das Szepter war im Frühjahr 1827 bereits vorhanden und weist ebenso wie jenes der Philosophischen Fakultät keine Wappen auf. Das Szepter ist von einer Heiligenfigur als Symbol der Theologie, der Gottesgelehrsamkeit, vielleicht auch der heiligen Katharina von Alexandria als Patronin der Universität, des Gelehrtenstandes, der Studierenden und der Gelehrsamkeit bekrönt, die das Kreuz und eine Gesetzestafel mit den Zehn Geboten Gottes hält. Die Jesuiten forcierten im 17. Jahrhundert den heiligen Aloysius von Gonzaga als Patron der studierenden Jugend.

    DekanInnenkette

    Die Amtskette wurde 1833 angefertigt. Die Vorderseite zeigt das Bildnis Kaiser Franz II./I. mit der Umschrift „FRANCISCVS I. IMPERATOR AVSTRIAE“ und darunter in kleiner Schrift „J. HARNISCH. F.“. Auf der Rückseite steht „MVNIFICENTIA AVGVSTI FACVLTATI THEOLOGORVM MDCCCXXXIII“.

  • Naturwissenschaftliche Fakultät

    DekanInnenkette

    Sie wurde anlässlich der Trennung der Philosophischen in eine Geistes- und in eine Naturwissenschaftliche Fakultät im Jahre 1978 hergestellt. Die Vorderseite symbolisiert wohl das Wesen der Natur und der Naturforschung, die Zusammensetzung eines wohlgeordneten Ganzen aus kleinen Einzelteilen. Die Rückseite zeigt die Inschrift: „NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT GRAZ“. „F. Hartlauer 1978“.

  • Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

    DekanInnenkette

    Sie wurde anlässlich der Errichtung einer eigenen Fakultät aufgrund des UOG 1975 angefertigt.
    Das Medaillon an einem Verbindungsstück mit dem österreichischen Staatswappen zeigt auf der Vorderseite in der Mitte das Universitätswappen, umgeben von sechs Symbolen, die auf die interaktive Dynamik menschlicher Aktivität und ihrer Erforschung im Rahmen der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften verweisen. Im Uhrzeigersinn: eine Menschenhand, ein Zahnrad, zwei senkrecht gestellte, parallele Balken, die in der Mitte durch ein Rad verbunden werden, zwei kreisförmig angeordnete Pfeile, ein an einer Ecke offenes Quadrat mit einem hinausweisenden Pfeil und ein Speichenrad.
    Auf der Rückseite ist als Umschrift „SOZIAL- UND WIRTSCHAFTSWISS. FAKULTÄT DER UNIV. GRAZ“ zu lesen, die den Innenteil mit den Worten umschließt: „KAMMER DER GEW. WIRTSCHAFT F. STMK 1977“.