Wilhelm Schmidt an Hugo Schuchardt (03-10107)

von Wilhelm Schmidt

an Hugo Schuchardt

Sankt Gabriel

23. 05. 1905

language Deutsch

Schlagwörter: language Mon-Khmer-Sprachenlanguage Idolanguage Khasi (Sprache) Ginneken, Jacques van Schuchardt, Hugo (1905)

Zitiervorschlag: Wilhelm Schmidt an Hugo Schuchardt (03-10107). Sankt Gabriel, 23. 05. 1905. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2019). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.6617, abgerufen am 01. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.6617.


|1|

St. Gabriel, Mödling
23. Mai 1905

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Es wäre wohl schon längst Zeit gewesen, die „Psychologische Taalwetenschap“ von P. von Ginneken zurückzusenden. Aber gerade jetzt mit sehr zeitraubenden äussern Arbeiten beschäftigt kam ich nur wenig dazu, das Buch etwas anzusehen. Und ansehen allein genügt bei demselben schon gar nicht, dazu ist der Gegenstand, den es behandelt, viel zu schwierig. Die Art und Weise freilich, wie der Verfasser ihn behandelt, ist unterhaltend genug, sehr lebhaft, stellenweise drastisch ist seine Schreibweise. Ueber den Inhalt habe ich mir noch kein Urteil bilden können. Bewunderungswürdig ist jedenfalls, wie ja auch Herr Hofrat schon bemerkten, die Litteraturkenntnis des Verfassers, schon diesetwegen werde ich mir wohl das Werk auch |2| selbst beschaffen. Ich spreche aber meinen besten Dank aus, dass ich es durch die gütige Zuvorkommenheit, die Herr Hofrat mir bewiesen, es jetzt schon einigermassen kennen gelernt habe.

Vielen Dank bin ich dann auch schuldig für das prächtige zu Herrn Hofrats Mussafias Jubiläum.1 Das ist wohl eine edle würdige Weise, einen lieben hoch verdienten Freund zu ehren. Die schöne Abhandlung bietet soviel im Einzelnen zu lernen und in ihrer Gänze ist sie ein Muster für ähnliche Arbeiten auf andern Sprachgebieten, die freilich meist noch nicht so weit gefördert sind, als dass man es wagen könnte, solches von ihnen jetzt schon zu verlangen.

Nachdem Euer Hochwohlgeboren mir die Ehre erwiesen, meine Khasi-Arbeit entgegen zu nehmen, muss ich auch |3| um die Entgegennahme meiner jetzt erst fertig gewordenen Mon-Khmer-Arbeit bitten, da sie die unentbehrliche Grundlage für die Khasi-Arbeit bildet.2

Ich verbleibe

in grösster Hochschätzung

Euer Hochwohlgeboren

dankbar ergebener P. W. Schmidt.

|4|

1 Hugo Schuchardt an Adolf Mussafia. [Festschrift zum 70. Geburtstag], Graz: Leuschner & Lubensky, 1905.

2 Vgl. Brief 10105.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 10107)