Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (353-191)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

01. 08. 1919

language Deutsch

Schlagwörter: Revista Internacional de los Estudios Vascoslanguage Baskischlanguage Asturisch Saroïhandy, Jean-Joseph Vinson, Julien Urquijo Ybarra, Julio de Azkue y Aberasturi, Resurrección María de Eys, Willem Jan van

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (353-191). Graz, 01. 08. 1919. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.6031, abgerufen am 29. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.6031.


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Graz 1. Aug. ’19

Lieber Freund!

Ich habe mich unendlich über Ihren Brief gefreut, besonders auch über Ihre Handschrift, die gar nicht vermuten läßt daß Sie nun Linkshänder sind. Mir macht allerdings das Schreiben an sich keine Schwierigkeit, aber meine Augen sind oft schuld daran daß die Buchstaben ineinander fließen.

Für heute muß ich mich mit Wenigem begnügen; ich bin nämlich dabei, einen ganz kurzen Artikel über Saroïhandys letzte Arbeiten abzufassen. Ich bewundere ihn; wie er sich in die baskische Konjugation eingearbeitet hat! |2| Und wie er das was ich gesagt habe, zu erfassen und zu würdigen verstanden hat! Ich fühle mich ungemein befriedigt. Daß in gewissen Punkten – und es sind allerdings keine nebensächlichen – unsere Meinungen auseinandergehen, ist kein Wunder; aber die Möglichkeit einer Verständigung ist doch gegeben, was bei Vinson ausgeschlossen ist.

Also diese Notiz muß ich erst fertig machen (ich kann ja auch im günstigsten Falle nur sehr kurze Zeit täglich arbeiten) und sie versprochenermaßen an Urquijo schicken. Dann werde ich auf die Einzelheiten Ihres Briefes eingehen. Freilich befinde ich mich da – wie schon in früherer Zeit – in Verlegenheit: was soll ich Ihnen schreiben, was Urquijo? Was ich überhaupt in Bezug auf Baskisches zu schreiben habe, |3| geht ja Sie beide an. Bei meiner Zerstreutheit wird mancherlei Verwirrung entstehen. Zum Beispiel weiß ich schon jetzt nicht ob ich, wie an Urquijo, auch an Sie meine Anzeigen einer Schrift von Urtel und einer von Meyer-Lübke geschickt habe.

Ich war – als sich mir die Pforten der Vasconia wieder öffneten – gerade dabei einige romano-baskische Kleinigkeiten druckfertig zu machen. Für die eine davon wäre mir nähere Auskunft und baldige erwünscht; ich habe die Sache schon gegen Urquijo erwähnt. Bei Azkue findet sich das Wort endel(e)ga- u.ä. nur als niedernav., bei van Eys als lab. und guip.; das Ausführlichste darüber hat Chaho. Die Herleitung von intelligere hat ihre Schwierigkeit; im Asturischen und Galizischen gibt es ein endelgar u.ä. |4| „wahrnehmen“. Und wo kommt endeglatu u.ä. mit der wunderlichen Umstellung gl für lg vor?

Mit herzlichstem Gruß

Ihr dankbarer

H. Schuchardt

Wie stehen denn die Aussichten bezüglich der Fortsetzung der Revista?

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