Matthias Friedwagner an Hugo Schuchardt (01-03149)

von Matthias Friedwagner

an Hugo Schuchardt

Tschernowitz

06. 05. 1905

language Deutsch

Schlagwörter: Dankschreiben Volksmusik Etymologielanguage Ido Meyer-Lübke, Wilhelm Schuchardt, Hugo (1905) Meyer-Lübke, Wilhelm (1911–1920)

Zitiervorschlag: Matthias Friedwagner an Hugo Schuchardt (01-03149). Tschernowitz, 06. 05. 1905. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5569, abgerufen am 01. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.5569.


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Hochverehrter Herr Hofrat!

Aus dem Westen hierher zurückgekehrt, finde ich das prachtvolle Geschenk vor, das Mussafia gewidmet ist1 und ihm wie allen, die sich seines Besitzes erfreuen können, eine wertvolle Gabe bleibt. Mit wahrhaft künstlerischer Ausstattung paart sich da die tiefe Gelehrsamkeit in glänzendster Form, und es ist mir eine sehr angenehme Pflicht dafür meinen ergebensten Dank auszusprechen. Herr Hofrat kommen da bei dem Austausch mit meinen rumänischen Liedern2 leider gar zu kurz. Ich hoffe, um es |2| wenigstens an gutem Willen nicht fehlen zu lassen, im nächsten Jahr den II. Band meiner Ausgabe des Raoul de Houdenc zulegen zu können.3 Freilich wird so nur das materielle – Gewicht ausgeglichen.

Indem ich auch für die Zukunft um Ihre wohlwollende Gesinnung bitte, als deren Ausdruck ich das jüngste Geschenk fassen darf, zeichne unter der Versicherung ausgezeichneten Hochachtung

Ihr ergebenster
Matth.In der späteren Korrespondenz schreibt er seinen Vornamen in der Form „Mathias“. Friedwagner
Czernowitz, 6. Mai 905.

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Anhang:5

+W. Foerster. Roman. Bibliothek 21

Kristian von Troyes, Wörterbuch.

Halle 1914, 1D. Mk.

„Beim ersten Blättern schon im neuen Rom. Etym. Wb. von M.-L. macht man die befremdende Entdeckung, daß keiner der berühmten u. bekannten Hauptetymologen darin genannt wird, was ihm durch eine ingeniöse Zitirmethode gelungen ist, wodurch alle mit einem Schlag ausgemerzt u. so eigentlich für immer der Vergessenheit überliefert worden sind, was bereits, wie ich erfahre, von Schuchardt mit Recht gerügt worden ist. Zwar wir, die wir die ganze Entwicklung der roman. Etymologie mitgelebt und solche auch pro virili parte selbst mitgemacht haben, wissen, wer die einzelnen Etymologien, und es sind darunter die schwierigsten u. gelungensten Probleme gelöst worden, gefunden hat. Aber unsere Nachfolger? Sie können es nicht wissen und werden kaum die lange Reihe der verschiedenen Zeitschriften darauf durch= |2| arbeiten – so was sucht man aber im Etym. Wtb., und so bleibt denn nichts anderes übrig, als trotz des neuen M.-L. zum alten Körting zu greifen, dessen Anlage sehr gut überlegt u. sehr brauchbar ist, und es ist zu wünschen, daß der Verleger des verdienstvollen und trotz seiner bekannten Mängel noch immer wertvollen Werkes einen tüchtigen Fachmann gewinnt, der es auf das Laufende bringt u. zugleich seines toten Gewichts entlastet. Bei der Durchmusterung M.-L.s ist mir noch manches, besonders für das afr. Gebiet, aufgefallen, auf das ich nicht näher eingehen kann. Auch die Entscheidung bei der Wahl manchen Etymons u. besonders in den Literaturangaben läßt mich öfter im Unklaren“.


1 Schuchardt, Hugo Schuchardt an Adolf Mussafia, Graz 1905. [Schuchardt-Werk Nr. 480]

2 „ Rumänische Volkslieder aus der Bukovina mitgeteilt von Matthias Friedwagner “, Bausteine zur romanischen Philologie. Festgabe für Adolf Mussafia zum 15. Februar 1905, Halle a.S. 1905.

3 Raoul von Houdencsämtliche Werke. Nach allen bekannten Hss. hrsg. von Dr. Mathias Friedwagner, Halle a.S. 1898 (Bd. 1), 1909 (Bd. 2).

4 In der späteren Korrespondenz schreibt er seinen Vornamen in der Form „Mathias“.

5 Warum diese beiden Seiten, die den Anfang von Foersters Vorwort zu seinem Wörterbuch bilden (S. XV-XVI), diesem Brief beigefügt sind, ist nicht ganz klar, zumal sie aus dem Jahr 1914 stammen. Vermutlich teilt FriedwagnerSchuchardt den Text Foersters mit, weil dieser Meyer-LübkesRomanisches Etymologisches Wörterbuch (1911f.) kritisiert und Friedwagner zu seinem Lehrer längst auf Distanz gegangen ist, vgl. 23-03171.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 03149)