Adolf Tobler an Hugo Schuchardt (09-11714)

von Adolf Tobler

an Hugo Schuchardt

Unbekannt

03. 05. 1891

language Deutsch

Schlagwörter: Photographieversand Porträts Dankschreiben Publikationsversand Sammelpublikationenlanguage Dänisch (St. Thomas) Schuchardt, Hugo (1891) Tobler, Adolf (1886–1912)

Zitiervorschlag: Adolf Tobler an Hugo Schuchardt (09-11714). Unbekannt, 03. 05. 1891. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4044, abgerufen am 29. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.4044.


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Hochgeehrter Herr Kollega,

Ihr photographisches Bildnis und Ihre Besprechung meiner Kleinen Abhandlung über das Fut. prät.1 sind mir gleichzeitig zugekommen, und für beides spreche ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank aus. Jenes hat seine Stelle in einer Gesellschaft gefunden, in der es sich hoffentlich nicht unbehaglich fühlen wird; diese habe ich ernstlich erwogen und werde ich, wenn es einmal zu einer Sammlung auch der neuen „Beiträge“ kommt, nicht ermangeln abermals sorgfältigst zu prüfen.2 Einstweilen habe ich mich noch nicht zu überzeugen vermocht, daß ich im Unrecht sei. Höchstens daran habe ich es vielleicht fehlen lassen, daß ich nicht noch deutlicher ausgesprochen habe, es falle mir gar nicht ein den Sprachgebrauch |2| irgend meistern zu wollen. Unter allen Umständen erkenne ich es dankbar überrascht an, daß den paar Seiten eine wohlwollende Beachtung geworden ist, wie sie sont nur lautphysiologischen oder lautgeschichtlichen Auseinandersetzungen gegönnt zu werden pflegt. Wer weiß, ob nicht Sie selbst diesmal sich der Gefahr ausgesetzt haben nicht zu Ende gelesen zu werden, indem Sie sich mit den „unfruchtbaren“ Dingen abgaben, die meine besondere Liebhaberei sind. Ich fürchte, mehr als einer wird nur bis zu dem Worte „Haarspalterei“ gelangen3 & dann mit einem „Gott sei Dank, so ist es doch endlich ausgesprochen“ zum folgenden Artikel übergehen.

Möge es nicht allzu lange dauern, bis Sie wieder einmal nach Berlin kommen, die winterliche Frühlingsfahrt dieses Jahres Ihnen die Lust zu einer neuen nicht benommen haben.

Ihr ganz ergebener
A. Tobler.
3/5.91.


1Anzeige von: A. Tobler, Vom Gebrauch des Imperfectum Futuri im Romanischen“, Literaturblatt für germ. u. rom. Philologie 12, 1891, 124-127. Es könnte sich bei dieser Besprechung vor dem Hintergrund des vorangehenden Briefs um ein „Friedensangebot“ handeln, denn der Auftakt ist äußerst freundlich: „Toblers syntaktische Arbeiten gleichen feinen Gravirungen; ein so scharfer Blick und eine so feste Hand wirken dabei zusammen dass kaum ein Strich zu verbessern, einer hinzuzufügen bleibt“. Dies hinderte Schuchardt aber nicht daran, in seiner Besprechung durchaus eigene Akzente zu setzen.

2 Der Wiederabdruck erfolgte in Vermischte Beiträge zur französischen Grammatik. Gesammelt, durchgesehen und vermehrt von Adolf Tobler. Zweite Reihe, Leipzig 1894; benutzt wurde die 2. Aufl. von 1906 (s. auch Brief 11717). Tobler nimmt zweimal zu Schuchardts Kritik Stellung: zunächst in „Il a dû venir er muß gekommen sein (eb. XI. 452, 1887 [=ZrP])“, 38-46, wo es S. 38 Anm. heißt: „S. zu diesem Abschnitt die bemerkenswerten Erörterungen von Schuchardt im Literaturblatt f. germ. u. rom. Philol. 1891 Sp. 126. Seitdem ist der Gegenstand noch öfter besprochen worden“. Dann zum hier angesprochenen Beitrag „Vom Gebrauch“ (s.o. Anm. 27), 136-159, auf S. 152: „Es sei hier nochmals auf die schon S. 38 Anm. 1 erwähnte Auseinandersetzung Schuchardts im Literaturblatt f. germ. u. rom. Philol. 1891 Sp. 126 verwiesen, außerdem auf den durch Buchholtz im Archiv f. d. Stud. d. n. Spr. u. Litt. XC 336 gegen meine Auffassung erhobenen Einspruch. Beides habe ich gebührend erwogen, bin aber nicht in der Lage von meiner nicht ohne Bedacht ausgesprochenen Ansicht abzugehen“.

3 Hier S. 125.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 11714)