Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

Fontes epigraphici religionum Celticarum antiquarum


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Matres/Matronae Octocanae

CF-GeI-80

MATRONIS
OCTOCANAB
VS C · SALVIVS
QVETVS · V · S · L · M
Matronis
Octocanab-
us C(aius) Salvius
Quetus v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 2: Octocannab – Espérandieu
Z. 4: Qu(i)etus – Espérandieu
Übersetzung Deutsch

Für die Matronae Octocanae!
Gaius Salvius Quetus hat das Gelübde nach erwiesener Wohltat gern erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the Matronae Octocanae!
Gaius Salvius Quetus paid his vow willingly and deservedly.

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenCIL XIII 8573
Lehner 1918, Nr.339
Espérandieu IX 6608
Elektronische RessourcenEDCS-11100667 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
Fundort antikGelduba
FundstelleKrefeld-Lank (Gripswald)
Umstände: gefunden „innerhalb einer halbkreisförmigen Umfassungsmauer, wahrscheinlich den Resten eines antiken Tempels“ (Lehner 1918, Nr.339)
Fundjahr1863
VerwahrungBonn, Rheinisches Landesmuseum, U 29
InschriftträgerAedicula-Altar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Götterbild
Reliefschmuck
Baum
Blumenstrauß
Beschreibung Objekt

Der Altar ist im oberen Bereich abgebrochen. Von der Aedicula mit dem Götterbild dreier sitzender Gestalten sind die Körper nur mehr teilweise erhalten, aber gut erkennbar. Der Sockel ist im linken Eck abgebrochen, aber deutlich profiliert erkennbar. Das Inschriftenfeld ist nicht gerahmt. Die Aedicula beginnt ohne sichtbare Abgrenzung direkt über der Inschrift.

Auf den Schmalseiten sind laut Lehner Baumdarstellungen zu finden (Lehner 1918, 155).

Zustand Objekt größere Fehlstellen
MaßeHöhe: 52,0 cm
Breite: 42,0 cm
Tiefe: 22,0 cm
IkonografieDie drei sitzenden Gestalten wirken behäbig und schwer, aufgrund des verwitterten Steinzustandes auch etwas verwaschen. Anhand der langen Kleider und der sitzenden Darstellung ist nicht nur von drei weiblichen Gestalten auszugehen, sondern auch von den in der Inschrift genannten Matronen, da die Darstellung dem bekannten Schema folgt. Die linke Matrone ist am schlechtesten erhalten – ihre gesamte linke Körperseite fehlt, zu sehen sind nur mehr die Füße, die unter dem wallenden Kleid und dem Untergewand hervorragen, das in einem schmalen Rand direkt über den Füßen erkennbar ist. Aug ihrem Schoß hält sie ein nicht näher bestimmbares Attribut, nur mehr zur Hälfte erhalten. Sichtbar ist auch noch der rechte Oberarm bis zur Schulter.Die mittlere Matrone ist am besten erhalten – hier fehlt nur der Kopf. Ihr Kleid ist bodenlang, auf halber Höhe Unterschenkel ist der Mantelsaum erkennbar. Schuhe und Füße sind keine zu sehen. Sie scheint ihre linke Hand auf ihr linkes Knie gelegt zu haben, die Rechte ist anscheinend angewinkelt – laut Lehner soll sie eine Blume halten. Erkennbar ist ein zweigähnlicher Gegenstand. Die Gewandfalten wirken schwer und tief.Auf ihrer Schulterhöhe rechts geradlinig weggehend könnte ein Rest der gemeinsamen Lehne der Sitzgelegenheit erkennbar sein. Die rechte Matrone ist an ihrer rechten Seite ab Körpermitte aufwärts abgeschlagen und nicht mehr erhalten. Ihre Füße ragen unter dem Untergewand und dem Kleid hervor, ähnlich wie bei der linken Matrone. Sie hält einen undefinierbaren, klobig wirkenden Gegenstand auf ihrem Schoß, nach Lehner (1918, 155) einen Obstkorb bzw. eine Obstschale. Eine Ausgestaltung der Aedicula ist nicht festzustellen. Laut Lehner sind an den Schmalseiten Baumdarstellungen zu sehen.
Zustand Inschriftfeld vollständig
Technikgemeißelt
Inschrift

Der Inschriftentext ist vollständig erhalten. Z.3 ist nicht zentriert.

Datierung150–230
Notabilia Varia

v.2/3: „Octocanabus“ pro „Octocanis“

Kommentar Götternamen

Keltisches Element:
Octocanae: keltisch, die Etymologie weist auf Baumgottheiten hin, ‘die Fichtengöttinnen’ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 141)

Belegsituation:
Matronae Octocanae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Es finden sich 5 gesicherte Belege (CF-GeI-77 bis CF-GeI-81) und ein möglicher (CF-GeI-82).
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Matres Octocanae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Dieses theonymische Formular ist nur in einer einzigen Inschrift (CF-GeI-84) sicher bezeugt. In einer weiteren Inschrift (CF-GeI-82) könnte das belegte „Mat“ allerdings für Matres ebenso wie für Matronae stehen.
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Octocanae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: In einem einzigen Inschriftenfragment (CF-GeI-83) scheint das theonymische Formular Octocanae zu finden zu sein. Es hat zumindest nicht den Anschein als wäre davor eine Bezeichnung als Matres oder Matronae abgebrochen.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Alle Inschriften für Octocanae stammen aus dem Raum Krefeld. Alle bis auf eine (CF-GeI-84) wurden in Krefeld-Lank (Gripswald) gefunden.

Kommentar allgemein

Gaius Salvius Quetus: tria nomina
Salvius: italisches Gentilnomen, kaiserliches Gentilnomen: M. Salvius Otho (Kakoschke 2006, GN 1096)
Quetus: könnte für Quietus stehen. Quietus: gängiges lateinisches Cognomen (Kakoschke 2008, CN 2520)

ZitiervorschlagCF-GeI-80, hdl.handle.net/11471/504.50.80
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: CIL XIII Projekt, CC BY-NC