Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

Fontes epigraphici religionum Celticarum antiquarum


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Matronae Vlavhinehae

CF-GeI-65

[.]AT̂RON̂IS
VLÂVĤÎN̂EH
SACR
[.]X T̂ESTAM̂EN
5 POM ACI
S F V̂ANAI
OCTAVIV
X OMNIVS
H F C
[M]atronis
Vlavhineh(is)
sacr(um)
[e]x testamen(to)
5 Pom() Aci-
s(ii?) f(ilius) Vanai(s)
Octaviu(s)
[E]xomnius
h(eredes) f(aciendum) c(uraverunt)
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 2: Vlânĥineh – Eick (CIL);
Z. 6: VANAN aut litteris ligatis VAINAN vel VATNAN – Eick (CIL)
Z. 7: [E]xomnius – Brambach (CIL)
Übersetzung Deutsch

Den Matronae Vlavhinehae heilig!
Nach der testamentarischen Verfügung haben es die Erben Pom(), Sohn des Acis (?) Vanais (und) Octavius Exomnius machen lassen.

Übersetzung Englisch

Sacred to the Matronae Vlavhinehae geweiht!
According to the will the heirs Pom(), son of Acis (?), Vanais (and) Octavius Exomnius had it set up.

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: CIL (aus älterer Literatur)
Editionen und LesungenCIL XIII 7932
Elektronische RessourcenEDCS-11100158 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
FundstelleGeich bei Zülpich, im Garten der Witwe Heidgen
Umstände: im Garten der Witwe Heidgen, Zülpich, ausgegraben, rundherum römische Substruktionen in vielen benachbarten Gärten vorhanden
Fundjahr1854
Verwahrungverschollen
InschriftträgerWeihealtar
Material Kalkstein
Archäologische Klassifikation Abschrift
glatt
verschollen
Beschreibung Objekt

Es handelt sich um einen rechteckigen Stein, der auf der Rückseite komplett glatt gemeißelt ist. Da an der Frontseite auch Mörtelreste zu finden waren, ist davon auszugehen, dass der Stein als Baumaterial verwendet wurde. Aufgrund der erneuten Verwendung wurde er den Verhältnissen angepasst. Von weiterem Bildwerk ist nichts bekannt.

Zustand Objekt unklar
IkonografieDer Stein wird als bis auf die Inschrift als komplett unbehauen beschrieben.
Zustand Inschriftfeld vollständig
Technikvermutlich gemeißelt
Inschrift

Der überlieferte Inschriftentext scheint bis auf einige Fehlstellen vollständig zu sein.
Ligaturen, s. Majuskeltext. – Besondere Zeichen: In Z.1 finden sich eine Ligatur von T und R mit erhöhtem T sowie von N und I mit erhöhter rechter senkrechter Haste des N; in Z.2 in der Ligatur von H, I N und E eine erhöhte rechte senkrechte Haste des H; in Z.4 eine Ligatur von T und E mit erhöhtem T.

Datierung150–250
Kommentar Götternamen

Keltisches Element:
Vlavhinehae: möglicherweise Verschreibung Vlav{hi}nehae oder von Vlav<nih>ehae einer vortonig synkopierten Variante des keltischen Vallamneiae, ,die Waltenden‘ zu erklären (vgl. de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 144). Andere Deutungen: keltisch für ,die Flechtenden‘ (Schmidt 1987, 146) oder germanisch für Flußgöttinnen (Simek 2006, 446). Belegsituation:
Matronae Vlavhinehae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Der Göttername ist nur in der hier behandelten Inschrift belegt.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Pom(), Sohn des Acisius: offenbar einheimischer Individualname mit Vatersangabe im Genetiv
Octavius Exomnius: römisches Namensformular mit Gentilnomen und Cognomen ohne Praenomnen
Pom(): keine gesicherte Ergänzung möglich, vielleicht Pom(peius)
Acisius: Cognomen, vgl. de Bernardo Stempel 2011 (Vercelli); anders Kakoschke 2007, CN 20, Acis: Cognomen, fraglicher Herkunft
Vanais: unklar
Octavius: gängiges lateinisches Gentilnomen (Kakoschke 2006, GN 881)
Exomnius: keltisches Cognomen, Weiterbildung des keltischen Cognomens Exomnus (Kakoschke 2007, CN 1243)

ZitiervorschlagCF-GeI-65, hdl.handle.net/11471/504.50.65
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: CIL XIII 7932, CC BY-NC