Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

Fontes epigraphici religionum Celticarum antiquarum


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Matronae Gesahenae bzw. Gesationum

CF-GeI-52

MATRÔN GESA˧EN[---]
M · IVL · VALENTINV[---]
ET IVLIA · IVSTIN[---]
EX IMPERIO IPSARV̂M L M
Matron(is) Gesachen[is]
M(arcus) Iul(ius) Valentinu[s]
et Iulia Iustin[a]
ex imperio ipsarum l(ibentes) m(erito)
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 1: ohne Ligatur, Gesaien[is] – ILS; Gesaien[i]s – CIL; Matro(nis) Gesahen[is] – Espérandieu; ohne Ligatur, Gesahenis – Alföldy
Z. 2: Valentinus – CIL
Z. 3: Iustina – ILS, Espérandieu, Alföldy; Iustina – priores CIL; Iu[li]nna – CIL
Z. 4: ohne Ligatur – ILS, Espérandieu, Alföldy
Übersetzung Deutsch

Für die Matronae Gesachenae!
Marcus Iulius Valentinus und Iulia Iustina auf deren Geheiß gerne nach erwiesener Wohltat.

Übersetzung Englisch

To the Matronae Gesachenae!
Marcus Iulius Valentinus and Iulia Iustina willingly and deservedly in response to an order of the goddesses.

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenILS 4803
CIL XIII 7889
Lehner 1918, Nr.332
Espérandieu VIII 6336
Alföldy 1967, 2 Nr.1
Elektronische RessourcenEDCS-11100114 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
FundstelleRödingen (bei), „… inter Roedingen, vicum parochialem, et villam ab inferno (in der Hölle) dictam, collis arenosus, eminet“ (CIL)
Umstände: „in quo reperti sunt an. 1785 lapides literati plures“ (CIL)
Fundjahr1785
VerwahrungMannheim, Museum; Abguss in Bonn, 16271
InschriftträgerAedicula-Altar
Material Kalkstein
Archäologische Klassifikation Götterbild
Architektur
Reliefschmuck
menschliche Figur
männliche Figur
Opferdiener
Pflanzendekor
Opferszene
Opferschale
Pflanzenornament
Ranke
Tier
Fisch
Obstkorb
Perlstab
Rahmen
Beschreibung Objekt

Der fast vollständig erhaltene Aedicula-Altar ist an der oberen linken Seite neben der Nische stark bestoßen, die rechte Seite fehlt in einem schrägen Bruch nach oben hin; das Götterbild ist jedoch vorhanden. Die Matronen sind größtenteils erhalten, allerdings fehlt der mittleren der Kopf und das Gesicht der rechten ist stark zerstört.

Auf den Sockel folgt das gerahmte Inschriftenfeld, darüber nach einem kleinen Absatz die Götterbildnische. Die Nische war vermutlich architektonisch gestaltet, die links die Reste eines Pilasters samt Basis verraten. Die Nische hat einen erhaltenen geradlinigen Abschluss. Die Bekrönung ist nicht mehr erhalten, eventuell endete der Altar mit einem flachen Aufsatz.

Die Seitendarstellungen zeigen links einen Mann mit Opferschale in Relief, darunter florales Dekor. Auf der stark zerstörten rechten Seite ist im unteren Teil ebenfalls Pflanzendekor erkennbar und darüber der Rest eines menschlichen Beins (?).

Nach Lehner wurde der Architrav der Nische von korinthischen Säulen getragen. Die Sitzbank der Matronen hatte zwei Lehnen in der Form von Delphinen (Lehner 1918, 151f.). Es handelt sich um Fische – wobei nur jener auf der linke Seite erkennbar und erhalten ist –, deren Flosse in die Luft ragte, während sie mit dem Kopf nach unten auf der Bank der Matronen ruhen. Die Darstellungen auf den Schmalseiten sollen die Stifter darstellen, einen Mann und eine Frau, wobei der Mann mit Patera in der Hand auch als Opferdiener angesprochen werden kann.

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 119,0 cm
Breite: 83,0 cm
Tiefe: 34,0 cm
IkonografieDie drei Matronen, die auch in der Inschrift als solche bezeichnet werden, weisen die charakteristischen voluminösen Hauben auf. Der Kopf der mittleren Göttin fehlt, aber der Ansatz der offenen Haare ist nachvollziehbar. Am besten ist die Kleidung der linken Matrone erhalten. Der Mantel wird von einer großen Spange unter der Brust gehalten und fällt in tiefen Falten über ihre Arme und Knie zu Boden. Etwas verwaschener ähnelt diese der Darstellungen der anderen beiden.Alle drei Matronen haben vermutlich Körbe oder Schüsseln auf dem Schoß, der Inhalt kann nicht eindeutig identifiziert werden, vermutlich handelt es sich um Obstkörbe. Die rechte Matrone scheint ihre Hand auf den Arm der neben ihr sitzenden Matrone bzw. deren Korb gelegt zu haben.Die auf der linken Seite erkennbare Lehne der Sitzbank, laut Lehner ein Delphin, kann als Fisch erkannt werden, dessen Flosse geschwungen nach oben ragt, während er mit dem Kopf auf der Sitzbank ruht. Vermutlich entsprach dieser Darstellung auch die rechte, nicht mehr vorhandene Seite.Die Sitzbank ist jedoch leicht gerundet, wodurch die Nische etwas exedrenartig wirkt. Der Abschluss ist jedoch geradlinig. Etwa auf Schulterhöhe der sitzenden Frauen ist wohl der Rand der Sitzlehne festzustellen.Links ist der untere Rest eines Pilasters festzustellen, der das Gebälk getragen haben muss, und zur architektonischen Ausgestaltung der Nische gehört hat. Die linke Schmalseite zeigt ein untergliedertes Relief. Im unteren kleinen Feld sind Akanthusblätter vorhanden. Darüber, getrennt durch eine Perlstableiste, steht ein Mann, der ein gegürtetes Gewand trägt. In seiner erhaltenen Hand hält der eine Opferschale und kann auch als Opferdiener bzw. Opfernder angesprochen werden. Meiner Meinung nach wäre ein dargestellter Stifter, der wohl einer höhergestellten sozialen Schicht angehört, nicht so einfach gewandet dargestellt, sondern mit angemessenem reichen Gewand und ev. ‚capite velato‘ nach römischem Brauch. Seine linke Seite ist stark bestoßen und sein Gesicht nicht mehr zu erkennen.Die rechte Schmalseite ist ab der Mitte stark zerstört. Erkennbar ist ein menschliches Bein, nach Lehner eine Frau, allerdings kann kein Rest ihres Gewandes erkannt werden. Sie steht wie rechts beschrieben, auf einem durch eine stark bestoßene Perlstableiste abgetrennten Akanthus-Motiv.
Zustand Inschriftfeld weitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Inschrift

Der Inschriftentext ist bis auf den abgebrochenen rechten Rand vollständig erhalten. Der rechte Teil ist nur mehr schwer lesbar.
Ligaturen, s. Majuskeltext. – Besondere Zeichen: Z.1 ist ein N ins O eingeschrieben, in Z.1 Zeichen für einen velaren Reibelaut.

Datierung170–180
Kommentar Götternamen

Keltisches Element:
Gesachenae: Variante – mit Schreibung <˧> des velaren Reibelauts (sogar die häufigere Schreibung) – von: Gesahenae: keltischer Zugehörigkeitsbeiname ‚die zum Stamme der keltisch benannten Gesates (die mit dem Speer Bewaffneten) Gehörigen‘ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 143).
So auch Gesationum: keltischer genetivischer Zugehörigkeitsbeiname: ‚die zum Stamm der keltisch benannten Gesates („die mit dem Speer Bewaffneten“) Gehörigen‘ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 143; anders Alföldy (1967, in BJB 167, 438), der eine germanische Sippe vermutet.

Belegsituation:
Matronae Gesahenae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior insgesamt 2x belegt (CF-GeI-52 und CF-GeI-55).
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Gesahenae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: insgesamt 3x belegt (CF-GeI-16, CF-GeI-53 und CF-GeI-54), wobei sich jedoch in CF-GeI-53 das in der Inschrift weiter vorne genannte Matronae möglicherweise auch auf die Gesahenae bezieht.
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Matronae Gesationum (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: nur in CF-GeI-56 bezeugt.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Marcus Iulius Valentinus und Iulia Iustina: tria nomina und weibliches römisches Namensformular. Aufgrund der Häufigkeit des Gentilnomens muss nicht an Geschwister gedacht werden, eher Ehepaar (Spickermann 1994, 342)
Iulius: lateinisches kaiserliches Gentilnomen, überall äußerst gängig (Kakoschke 2006, GN 621)
Valentinus: lateinisches Cognomen, Weiterbildung des Cognomens Valens, überall gängiger Name (Kakoschke 2008, CN 3197)
Iustina: weibliche Form von Iustinus: lateinisches Cognomen, Weiterbildung des Cognomens Iustus, äußerst gängiger Name (Kakoschke 2007, CN 1648)

ZitiervorschlagCF-GeI-52, hdl.handle.net/11471/504.50.52
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 3: CIL XIII Projekt, CC BY-NC