Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

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Nehalennia

CF-GeI-372

DEAE
NEHALENN
TERTINIVS
VIRILIS
5 ET · MARIVS
AGILIS
V · S · L · M
Deae
Nehalenn(iae)
Tertinius
Virilis
5 et Marius
Agilis
v(otum) s(olverunt) l(ibentes) m(erito)
CivitasCivitas Frisiavonum
Übersetzung Deutsch

Für die Göttin Nehalennia!
Tertinius Virilis und Marius Agilis haben ihr Gelübde gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the goddess Nehalennia!
Tertinius Virilis and Marius Agilis paid their vow willingly and deservedly.

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: Stuart/Bogaers
Editionen und Lesungen2001, B15
AE 2001, 1476
Elektronische RessourcenHD047359 (Version von 2017-06-12) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-23400603 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/209577 (Trismegistos)
Fundort antikGanuenta
Fundort modern Oosterschelde bei Colijnsplaat
FundstelleUmstände: aus dem Meer geborgen
VerwahrungMiddelburg, Zeeuws Museum, M 85-27
InschriftträgerWeihealtar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Reliefdekor
Blattdekor
Rosette
Frucht
Apfel
Reliefschmuck
Baum
Laubbaum
Lorbeer
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar ist komplett erhalten geblieben. Der Aufsatzschmuck schließt an das profilierte Gesims an. Der kleine mittige Giebel ist mit einer Rosette verziert, während die Pulvini mit Blattdekor versehen sind. Oben liegen in der Mitte vier Äpfel.
Auf den Schmalseiten sind Bäume in Relief dargestellt. Auffallend ist, dass Sockel und Gesims auf allen Seiten umlaufend sind.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 74,0 cm
Breite: 41,5 cm
Tiefe: 18,0 cm
IkonografieAuf der linken Schmalseite ist ein Laubbaum in einfachem Relief sehr plastisch dargestellt. Der gerade Stamm weist in der Mitte rechts einen Aststumpf auf. Die Krone besteht aus sieben ovalen und spitz zulaufenden Blättern, die dazwischen rundliche Früchte aufweisen, was für eine Interpretation als Lorbeerbaum sprechen würde.Auf der rechten Schmalseite ist ebenfalls ein etwas flacherer Baum in Relief dargestellt. Der Stamm ist ebenfalls gerade, hier sitzt der Aststumpf in der Mitte nach links ausgeprägt. Die Krone besteht aus sieben ovalen spitz zulaufenden Blättern, dazwischen sind rundliche Früchte mit einer Spitze zu erkennen – hier könnte es sich um Blätterspitzen im Hintergrund handeln.Auffallend ist die sehr detailgenaue und hochwertige plastische Ausarbeitung des Reliefs.
Zustand Inschriftfeld vollständig
Technikgemeißelt
Inschrift

Der Text ist vollständig erhalten. er füllt das Inschriftenfeld nicht zur Gänze aus; unten bleibt ein Freiraum von der Höhe ca. einer Zeile.

Datierung150–250
Kommentar Götternamen

Nehalennia: keltisch; ‚diejenige im Salzwasser bzw. in der See‘ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 141; de Bernardo Stempel 2004)

Belegsituation:
Nehalennia (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: der Göttername ist, bis auf wenige Ausnahmen, als dea Nehalennia überaus häufig belegt. So gut wie alle Zeugnisse stammen aus Domburg oder Colijnsplaat.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Tertinius Virilis: römisches Namensformular ohne Praenomen; vgl. einen Titus Tertinius Virilis, der am selben Fundort (in CF-GeI-368) belegt ist.
Tertinius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Cognomen Tertius/Tertinus. Der Name findet sich fast ausschließlich nördlich der Alpen, vor allem im Rheinland (Kakoschke 2006, GN 1281)
Virilis: lateinisches Cognomen (Kakoschke 2008, CN 3362)

Marius Agilis: römisches Namensformular ohne Praenomen
Marius: lateinisches Gentilnomen oder einheimisches Pseudogentilnomen, gängiger Name (Kakoschke 2006, GN 746)
Agilis: lateinisches Cognomen (Kakoschke 2007, CN 85)

ZitiervorschlagCF-GeI-372, hdl.handle.net/11471/504.50.372
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0

Bild 1: Stuart/Bogaers 2001, Taf.67, B15, Rechte vorbehalten
Bild 2: Stuart/Bogaers 2001, Taf.67, B15, Rechte vorbehalten
Bild 3: Stuart/Bogaers 2001, Taf.67, B15, Rechte vorbehalten
Bild 4: Stuart/Bogaers 2001, Taf.115, B15, Rechte vorbehalten