Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior


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Nehalennia

CF-GeI-357

DEAE
NEHALENIAE
M · IVSTINIVS
ALBVS · L · M
Deae
Nehaleniae
M(arcus) Iustinius
Albus l(ibens) m(erito)
CivitasCivitas Frisiavonum
Übersetzung Deutsch

Für die Göttin Nehalenia!
Marcus Iustinius Albus gerne und verdientermaßen

Übersetzung Englisch

To the goddess Nehalenia!
Marcus Iustinius Albus willingly and deservedly

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: Stuart/Bogaers
Editionen und LesungenStuart 1997, 43
AE 1997, 1159
Stuart/Bogaers 2001, A71
Elektronische RessourcenHD049711 (Version von 2017-06-12) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-23400594 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/209677 (Trismegistos)
Fundort antikGanuenta
Fundort modern Oosterschelde bei Colijnsplaat
FundstelleUmstände: aus dem Meer geborgen
VerwahrungMiddelburg, Zeeuws Museum – Sammlung Valster, GAV 1994-12
InschriftträgerAedicula-Altar
Material Kalkstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Reliefdekor
Blattdekor
Frucht
Apfel
Götterbild
Bank
Obstschale
Blumenstrauß
Architektur
Pilaster
Muschelnische
Muschelschloss
gebrochener Giebel
Pflanzenornament
Akanthus
Rahmen
Reliefschmuck
Füllhorn überkreuzt
Füllhorn mit Blattkelch
Pinienzapfen
Birne
Weintraube
Kornähre
Band
Beschreibung Objekt

Der Aedicula-Altar ist aus zwei Bruchstücken zusammengesetzt erhalten geblieben. Die Linke Seite ist am Nischenrand ausgebrochen, an der rechten oberen Ecke ist ein Teil der Bekrönung verwittert. Die Oberfläche ist stellenweise verwittert, Reliefs und Inschrift sind dennoch gut erkennbar.
Das Inschriftenfeld und die Nische werden durch akanthusberankte Pilaster gerahmt. Die Nische endet oben mit einem Muschelschloss, die Decke ist mit einer gezackten Muschel und klar erkennbaren Rippen verziert. Das Besondere an dem Altar ist das Götterbild: Es handelt sich nicht um die typische Nehalennia-Darstellung, sondern um drei sitzende weibliche Gestalten, die Obstschalen oder -körbchen mit der rechten Hand auf ihren Knien halten und in der linken Hand entweder, wie die beiden äußeren, Ährenbündel oder, wie die mittlere, einen Blumenstrauß. Es dürfte sich um Matronen handeln (Stuart/Bogaers 2001, 98), d.h. der Stein erfuhr eine Umarbeitung und wurde wohl importiert.
Auf der durch einen Ausbruch im oberen Teil leicht beschädigten linken Schmalseite ist als neues Dekorelement zwei überkreuzte Füllhörner, das vordere davon mit Blattkelch, zu sehen. Die Hörner enden in einem runden Knubbel am Boden und sind mit Früchten gefüllt. Auf der rechten Schmalseite ist ein einzelnes Füllhorn mit Blattkelch und Obstfüllung zu sehen.
Die Bekrönung des Altares ist oben hinten von zwei Äpfel verziert, vorne links ist noch der Rest einer Frucht erkennbar. Die Pulvini sind mit Blattornament versehen.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 89,0 cm
Breite: 53,0 cm
Tiefe: 22,0 cm
IkonografieDie drei dargestellten Frauen tragen einen langen Mantel über einem langen Kleid. An der Brust wird der Mantel von einer großen Fibel zusammengehalten. Die mittlere ist deutlich kleiner als die äußeren beiden. Sie hält mit der rechten Hand einen kleinen Korb auf ihrem rechten Knie, die linke ist angewinkelt und hält einen Blumenstrauß vor der Brust. Sie trägt eine kleine, runde Haube. Die beiden äußeren tragen ebenfalls kleine, runde Hauben. Beide halten einen Obstkorb mit der rechten Hand auf dem Schoß und ein Büschel längerer Zweige, bei denen es sich um Ähren handeln könnte, in der linken Hand. Alle drei sitzen auf einer Bank ohne erkennbare Arm- oder Rückenlehnen. Unverkennbar handelt es sich hier um eine Matronengruppe, die zu einer Nehalennia-Weihung umgearbeitet wurde. Vermutlich hat der Dedikant den Stein bereits aus dem Raum Köln/CCAA mitgenommen (Kakoschke 2005, 264). Auf der linken Schmalseite, die durch einen Ausbruch beschädigt ist, befinden sich die gekreuzten Füllhörner. Beide enden in einem runden Knauf und sind mit Obst gefüllt. Das Vordere weist einen Blattkelch auf und von seinem linken Rand hängt eine Kornähre herab.Auf der rechten Schmalseite befindet sich ein Füllhorn mit Blattkelch. Die Blätter des Kelches sind ausgefranst, darunter sind zwei Bänder zu erkennen, die sich vom Stamm des Hornes wegkringeln. Das Füllhorn ist mit Äpfeln, Birnen und einem Kiefernzapfen gefüllt. Am linken Rand hängt ein Traubenbündel, am rechten Rand eine Kornähre herab.
Zustand Inschriftfeld vollständig
Technikgemeißelt
Inschrift

Der Inschriftentext ist vollständig erhalten.

Datierung150–250
Kommentar Götternamen

Nehalenia: Variante von Nehalennia: keltisch; ‚diejenige im Salzwasser bzw. in der See‘ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 141; de Bernardo Stempel 2004)

Belegsituation:
Nehalennia (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: der Göttername ist, bis auf wenige Ausnahmen, als dea Nehalennia überaus häufig belegt. So gut wie alle Zeugnisse stammen aus Domburg oder Colijnsplaat.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Marcus Iustinius Albus: tria nomina
Iustinius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Cognomen Iustus/Iustinus (Kakoschke 2006, GN 628)
Albus: lateinisches Cognomen (Kakoschke 2007, CN 119)

ZitiervorschlagCF-GeI-357, hdl.handle.net/11471/504.50.357
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: Stuart/Bogaers 2001, Taf.51, A71, Rechte vorbehalten
Bild 2: Stuart/Bogaers 2001, Taf.51, A71, Rechte vorbehalten
Bild 3: Stuart/Bogaers 2001, Taf.51, A71, Rechte vorbehalten