Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior


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Matronae Vatviae

CF-GeI-315

M̂ÂTRON̂IS

V̂ÂT̂VIABVS · IV

LIA VEGETI

FILIA MÂND

  5 IA · PRO · SE

ET SVIS · VO

TVM · SOL

VIT · L · M

Matronis

Vatviabus Iu-

lia Vegeti

filia Mand-

  5 ia pro se

et suis vo-

tum sol-

vit l(ibens) m(erito)

CivitasCCAA
Übersetzung Deutsch

Für die Matronae Vatviae! Iulia Mandia, die Tochter des Vegetus, hat für sich und die Ihren das Gelübde gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the Matronae Vatviae! Iulia Mandia, the daughter of Vegetus, has fulfilled a vow willingly and deservedly for herself and her family.

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: CIL
Editionen und LesungenCIL XIII 7893
Espérandieu VIII 6352
Elektronische RessourcenEDCS-11100118 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/414956 (Trismegistos)
Fundort antikIuliacum
Fundort modern Rödingen
Fundstellein der Flur „in der Hölle“
Fundumständegemeinsam gefunden mit CIL XIII 7885–7892
Fundjahr1781
VerwahrungMannheim, Reiss-Engelhorn-Museum; verschollen
Inventarnummer41q
InschriftträgerWeihealtar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Reliefdekor
Rahmen
Pflanzenornament
Reliefschmuck
Füllhorn mit Blattkelch
Frucht
Apfel
Birne
Weintraube
Kornähre
Pinienzapfen
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar besitzt einen einfachen Sockel und ein mehrfach profiliertes Gesims. Der Stein ist teilweise stark bestoßen.
Der Stein konnte 2006 bei einer versuchten Neuaufnahme nicht mehr im Museum Mannheim angefunden werden und gilt als verschollen.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 79,0 cm
Breite: 45,0 cm
Tiefe: 21,0 cm
Ikonografie

Das Inschriftenfeld ist oben und an den Seiten von einer Rahmenleiste umgeben, die mit einer Blattranke verziert ist.
Auf den Schmalseiten befindet sich eine Füllhorndarstellung in Relief. Das Füllhorn entwächst aus einem Blattkelch und endet unten in einem kleinen runden Knauf. Oben ragen Birnen und Äpfel hervor, sowie ein zentraler Kiefernzapfen. Des Weiteren hängen Kornähren und Weintrauben von oben herab. Die Darstellung wirkt sehr zusammengepresst und etwas wuchtig.

Inschrift

Die von CIL und Espérandieu (ältere Literatur s. dort) noch gesehene Inschrift war vollständig erhalten. Sie füllte das Textfeld nicht zu Gänze aus; unten bleib ein kleiner Freiraum.
Ligaturen: s. Majuskeltext – besondere Zeichen: Z.1: Ligatur von N und I mit erhöhter rechter senkrechter Haste

Technikgemeißelt
Notabilia Varia

v.2: „Vatviabus” pro „Vatviis”

Kommentar Götternamen

Vatviae: keltisch, ,die der Prophezeiungen‘ (Delamarre 2007, 191, 235); anders: germanisch, in Zusammenhang gebracht mit dem Wortfeld für ,Wasser‘ (Gutenbrunner 1936, 164f.)

Vorkommen in theonymischen Formularen:

Matronae Vatviae:
- Germania Inferior: Das theonymische Formular stellt die zumeist belegte Form dar.
- außerhalb der Germania Inferior: -

Matronae Vatviae Nersihenae:
- Germania Inferior: Das theonymische Formular ist lediglich in CF-GeI-311 belegt. Nersiahenae wurde auf den Flussnamen Niers zurückgeführt (Neumann 1987, 110; Derks 1998, 123).
- außerhalb der Germania Inferior: -

Vatviae:
- Germania Inferior: Für dieses eingliedrige theonymische Formular kann nur auf CF-GeI-310 verwiesen werden, doch ist zumindest in Erwägung zu ziehen, dass dort ein vorausgehendes „Matronis“ abgebrochen ist.
- außerhalb der Germania Inferior: -

Vatviae Berchliachenae:
- Germania Inferior: Für dieses theonymische Formular kann lediglich CF-GeI-284 als Beleg gelten. Ähnlich wie bei den Matronae Vatviae Nersihenae (CF-GeI-311) könnte es sich bei Berchliachenae um einen von einer Örtlichkeit hergeleiteten Beinamen handeln (Nesselhauf-Lieb 1959, zu Nr.236), doch könnten darunter auch zwei eigenständige theonymische Formulare – Vatviae und Berchliachenae – zu verstehen sein.
- außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Iulia Vegeti filia Mandia: weibliches römisches Namensformular mit Angabe des Cognomens des Vaters
Iulia: weibliche Form von Iulius: italisches Gentilnomen von Caesar bis Caligula, in den germanischen Provinzen überaus häufig bezeugt (Kakoschke 2006, GN 621)
Mandia: weibliches keltisches Cognomen (Kakoschke 2008, CN 1878)
Vegetus: lateinisches Cognomen (Kakoschke 2008, CN 3241)

ZitiervorschlagCF-GeI-315, hdl.handle.net/11471/504.50.315
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


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