Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior


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Matronae Vatviae

CF-GeI-314

MATRONIS

VATVIMS

T · IVLIVS · VITALIS

V S L M

Matronis

Vatvims

T(itus) Iulius Vitalis

v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 1: Die unterstrichenen Buchstaben sind von CIL und Espérandieu (und dort genannter Literatur) noch gelesen worden, heute aber verloren.
Z. 2: Vatvinis (ou Vatvims) – Espérandieu
Z. 3: Die unterstrichenen Buchstaben sind von CIL und Espérandieu (und dort genannter Literatur) noch gelesen worden, heute aber verloren.
Z. 4: Die unterstrichenen Buchstaben sind von CIL und Espérandieu (und dort genannter Literatur) noch gelesen worden, heute aber verloren.
Übersetzung Deutsch

Für die Matronae Vatviae!
Titus Iulius Vitalis hat das Gelübde gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the Matronae Vatviae!
Titus Iulius Vitalis has fulfilled a vow willingly and deservedly.

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenCIL XIII 7892
Espérandieu VIII 6351
Elektronische RessourcenEDCS-11100117 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/414955 (Trismegistos)
Fundort antikIuliacum
Fundort modern Rödingen
Fundstellein der Flur „in der Hölle“
Fundumständegemeinsam gefunden mit CIL XIII 7885–7891 und CIL XIII 7893
Fundjahr1781
VerwahrungMannheim, Reiss-Engelhorn-Museum; verschollen
InschriftträgerWeihealtar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Fragment
Aufsatzschmuck
Reliefschmuck
Baum
Laubbaum
Lorbeer
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar mit einfachem Sockel und Aufsatz war an sich ohne größere Beschädigungen erhalten.
Der Stein konnte 1991 partiell in stark zerstörter Form (vermutlich in Folge der Kriegsschäden in Mannheim) aufgenommen werden. Er ist in mehrere Fragmente unterschiedlicher Größe zerbrochen und wurde wieder zusammengesetzt. Die Schmalseiten sind komplett abgeschlagen, sowie ein großer Teil links unten ausgebrochen. Der Sockel fehlt vollständig und auch der Aufsatz ist zum Großteil links und rechts abgeschlagen.
Bei einem erneuten Aufnahmeversuch 2006 konnte der Stein nicht mehr aufgefunden werden und gilt inzwischen im Museum Mannheim als verschollen.

Zustand Objekt unklar
MaßeHöhe: 72,0 cm
Breite: 43,0 cm
Tiefe: 18,0 cm
Ikonografie

Auf den Schmalseiten sind Lorbeerbäume dargestellt (Espérandieu 1922, 292), wobei Haug (1877, 31) von Blattornamenten spricht.
Aufgrund einer vorhandenen Photo-Dokumentation ist zumindest für eine Schmalseite der Lorbeerbaum in einfacher Ausführung zu bestätigen.

Inschrift

Der gesamte Altar mit Inschrift wurde von Espérandieu noch vollständig und nicht zerbrochen gesehen. Zum Zeitpunkt der Abbildung waren nur noch mehrere Fragmente vorhanden, die aber einen Großteil der Inschrift enthielten.
Die Inschrift füllte das Inschriftenfeld nicht zur Gänze aus (unten blieb ein Freiraum) die Buchstaben der ersten Zeilen waren deutlich größer als die der unteren.

Technikgemeißelt
Notabilia Varia

v.2: „Vatvims” pro „Vatviis”

Kommentar Götternamen

Vatviae: keltisch, ,die der Prophezeiungen‘ (Delamarre 2007, 191, 235); anders: germanisch, in Zusammenhang gebracht mit dem Wortfeld für ,Wasser‘ (Gutenbrunner 1936, 164f.)

Vorkommen in theonymischen Formularen:

Matronae Vatviae:
- Germania Inferior: Dieses theonymische Formular stellt die zumeist belegte Form dar. In der hier besprochenen Inschrift findet sich die germanische Endung -ims für den Dativ Plural (wie auch in CF-GeI-316–319 und vermutlich 310).
- außerhalb der Germania Inferior: -

Matronae Vatviae Nersihenae:
- Germania Inferior: Das theonymische Formular ist lediglich in CF-GeI-311 belegt. Nersiahenae wurde auf den Flussnamen Niers zurückgeführt (Neumann 1987, 110; Derks 1998, 123).
- außerhalb der Germania Inferior: -

Vatviae:
- Germania Inferior: Für dieses eingliedrige theonymische Formular kann nur auf CF-GeI-310 verwiesen werden, doch ist zumindest in Erwägung zu ziehen, dass dort ein vorausgehendes „Matronis“ abgebrochen ist.
- außerhalb der Germania Inferior: -

Vatviae Berchliachenae:
- Germania Inferior: Für dieses theonymische Formular kann lediglich CF-GeI-284 als Beleg gelten. Ähnlich wie bei den Matronae Vatviae Nersihenae (CF-GeI-311) könnte es sich bei Berchliachenae um einen von einer Örtlichkeit hergeleiteten Beinamen handeln (Nesselhauf-Lieb 1959, zu Nr.236), doch könnten darunter auch zwei eigenständige theonymische Formulare – Vatviae und Berchliachenae – zu verstehen sein.
- außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Titus Iulius Vitalis: tria nomina; nach Kakoschke sind die hier genannte Person und eine gleichnamige aus Fronhoven identisch.
Iulius: italisches Gentilnomen von Caesar bis Caligula, in den germanischen Provinzen überaus häufig bezeugt (Kakoschke 2006, GN 621)
Vitalis: lateinisches Cognomen, äußerst gängig (Kakoschke 2008, CN 3375)

ZitiervorschlagCF-GeI-314, hdl.handle.net/11471/504.50.314
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC