Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

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Matronae Vatviae

CF-GeI-311

MATRO[---]
VATVIAB
NERSIĤENIS
PRIMINIA
5 IVSTINA
PRO SE · ET · SVIS
EX IMPERIO · IP L · M
Matro[nis]
Vatviab(us)
Nersihenis
Priminia
5 Iustina
pro se et suis
ex imperio ip(sarum) l(ibens) m(erito)
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 3: ohne Ligatur – Galsterer/Galsterer, KIK
Z. 7: ips(arum) – Galsterer/Galsterer, KIK
Übersetzung Deutsch

Für die nersihenischen Matronae Vatviae!
Priminia Iustina für sich und die Ihren auf deren (= der Göttinnen) Befehl gerne und verdientermaßen.

Übersetzung Englisch

To the Nersihenian Matronae Vatviae!
Priminia Iustina for herself and her family by their (i.e. the goddesses) order willingly and deservedly.

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenCIL XIII 7883
Galsterer/Galsterer 2010, Nr.163
KIK 2012, Nr.821
Elektronische RessourcenEDCS-11100108 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/414946 (Trismegistos)
Fundort antikIuliacum
Fundort modern Müntz
VerwahrungBonn, Rheinisches Landesmuseum, 33196
InschriftträgerWeihealtar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Fragment
Dübelloch
Reliefschmuck
Baum
Blatt
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar ist oben sowie links und rechts schräg nach oben abgebrochen bzw. abgeschlagen. Auch der Sockel wurde abgearbeitet. Oben wurde zentral eine Vertiefung beigebracht (eventuell war der Stein verbaut?). Laut Galsterer/Galsterer (2010, 153) soll er sich im RGM Köln befinden, taucht aber unklarerweise in Bonn auf. Düntzer (1885, 44) berichtet, dass der Stein im Wallraf-Richartz-Museum zu finden sei.
Auf der linken Schmalseite sei ein Baum in Relief dargestellt, während es rechts nur ein paar Blätter sind (Düntzer 1885, 44). Des Weiteren spekuliert Düntzer, ob der Stein auch mit einem Relief versehen war – hier ist allerdings unklar, was er gemeint haben kann, denn aufgrund des Erhaltungszustandes ist der obere Abschnitt des Weihealtars nicht nachvollziehbar.

Zustand Objekt größere Fehlstellen
MaßeHöhe: 68,0 cm
Breite: 58,0 cm
Tiefe: 18,0 cm
IkonografieAuf der linken Seitenfläche ist ein Baum in Relief dargestellt, während auf der rechten Schmalseite Blätter dargestellt sind (Düntzer 1885, 44). Weitere Angaben sind aufgrund des Erhaltungszustandes nicht möglich.
Zustand Inschriftfeld weitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Inschrift

Der Inschriftentext kann aus inhaltlichen Gründen als weitgehend vollständig erachtet werden.

Ligatur, s. Majuskeltext. – Besondere Zeichen: hedera in Z.4

Datierung2./1.H.3.Jh.
Notabilia Varia

v.2: „Vatviabus” pro “Vatviis”

Kommentar Götternamen

Vatviae: keltisch, ,die der Prophezeiungen‘ (Delamarre 2007, 191, 235); anders: germanisch, in Zusammenhang gebracht mit dem Wortfeld für ,Wasser‘ (Gutenbrunner 1936, 164f.)

Belegsituation:
Matronae Vatviae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Das theonymische Formular stellt die zumeist belegte Form dar. In der hier besprochenen Inschrift werden Matronae Vatviae Nersihenae verehrt. Nersiahenae wurde auf den Flussnamen Niers zurückgeführt (Neumann 1987, 110; Derks 1998, 123).
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Vatviae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Für dieses eingliedrige theonymische Formular kann nur auf CF-GeI-310 verwiesen werden, doch ist zumindest in Erwägung zu ziehen, dass dort ein vorausgehendes „Matronis“ abgebrochen ist.
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Vatviae Berchliachenae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Für dieses theonymische Formular kann lediglich CF-GeI-284 als Beleg gelten. Ähnlich wie bei den Matronae Vatviae Nersihenae in der hier vorgelegten Inschrift könnte es sich dabei um einen von einer Örtlichkeit hergeleiteten Beinamen handeln (Nesselhauf-Lieb 1959, zu Nr.236), doch könnten darunter auch zwei eigenständige Götternamen zu verstehen sein.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Priminia Iustina: weibliches römisches Namensformular
Priminia: weibliche Form von Priminius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Cognomen Primus/Priminus (Kakoschke 2006, GN 989)
Iustina: weibliche Form von Iustinus: lateinisches Cognomen, äußerst gängig (Kakoschke 2007, CN 1648)

ZitiervorschlagCF-GeI-311, hdl.handle.net/11471/504.50.311
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0

Bild 1: CIL XIII Projekt, CC BY-NC