Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior


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Entarabus | Genius curiae Ollodagiae

CF-GeI-31

DEO EN̂[.]ARABO ÊT · GÊN̂IO
> · OLLODAG PORTICV̂M QV̂AM
VELVGNIVS INGENVVS PROMI
SERAT P̣OST · OBITVM · EIVS
5 SOLLÂVIVS VICTOR · FIL · ADOPT̂IVOS
FECIT
Deo En[t]arabo et Genio
((curiae)) Ollodag(iae) porticum quam
Velugnius Ingenuus promi-
serat post obitum eius
5 Sollavius Victor fil(ius) adoptivos
fecit
CivitasCivitas Tungrorum
Apparatus criticusZ. 1: Entarabo ohne Ligatur – AE; ohne Ligaturen – ILS, EDH; Enarabo – Faider-Feytmans; Ent̂arabo – Merten; dass die Bruchstelle hier eine Ligatur von N und T verdeckt, ist anzunehmen kann, aber nicht mit Sicherheit gesagt werden.
Z. 2: ohne Zeichen für curia – Faider-Feytmans; ohne Ligaturen – ILS, EDH; Ollodag(i) – Riese; Ollodag(i) oder Ollodag(iae) – ILB; (centuriae, curiae) Ollodag(i) – Merten
Z. 5: ohne Ligaturen – ILS, EDH; Sollânius – Faider-Feytmans; adopt̂ivus – Faider-Feytmans
Übersetzung Deutsch

Für den Gott Entarabus und den Genius der curia Ollodagia!
Die Porticus, welche Velugnius Ingenuus versprochen hatte, hat nach dessen Tod Sollavius Victor, der Adoptivsohn, gemacht.

Übersetzung Englisch

To the god Entarabus and the Genius of the curia Ollodagia!
The porticus which Velugnius Ingenuus had promised was set up after his death by Sollavius Victor, his adopted son.

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: Photo
Editionen und LesungenAE 1892, 131
ILS 4564
CIL XIII 3632
Riese 1914, Nr.2601
ILB 62
Faider-Feytmans 1979, 69
Merten 1985, 91–93
Elektronische RessourcenHD040549 (Version von --) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-10600400 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/208438 (Trismegistos)
Fundort modern Foy
Fundstellezwischen Bastogne (Bastnach) und Noville
Umstände: gefunden in römischen Ruinen, 1862 wurde in der Nähe eine Bronzestatuette entdeckt
Fundjahr1892
VerwahrungBruxelles, Musées royaux d’art et d’histoire, B 813
InschriftträgerSteintafel
Material Kalkstein
Archäologische Klassifikation Fragment
Bauinschrift
Rahmen
Beschreibung Objekt

Die Bauinschrift befindet sich auf einer längsrechteckigen Tafel und ist durch einen profilierten Rand doppelt umrahmt. Die Tafel ist in vier Teile gebrochen und wurde wieder zusammengesetzt. Sie ist an ihren Rändern bestoßen, links unten ist ein kleines Stück des äußeren Rahmens ausgebrochen (Cumont 1913, 228-230). Die Bauinschrift befindet sich auf einer längsrechteckigen Tafel und ist durch einen profilierten Rand doppelt umrahmt. Die Tafel ist in vier Teile gebrochen und wurde wieder zusammengesetzt. Sie ist an ihren Rändern bestoßen, links unten ist ein kleines Stück des äußeren Rahmens ausgebrochen (Cumont 1913, 228-230).

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 59,0 cm
Breite: 104,0 cm
Tiefe: 18,0 cm
IkonografieDie Inschrift ist von einem doppelten Rahmen eingefasst. Weiteres Dekor ist nicht erkennbar.
Zustand Inschriftfeld vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe4,0–6,0 cm
Inschrift

Der Inschriftentext ist vollständig erhalten. Die erste Zeile weist deutlich größere Buchstaben auf.
Ligaturen, s. Majuskeltext – Besondere Zeichen: In Z.1 scheinen in „Entarabo“ am Photo Spuren einer Ligatur von N und T erkennbar zu sein. „Entarabo“ steht ohne Abstand zum nachfolgenden ET (Ligatur E und T mit seitenverkehrtem E) außerdem Ligatur von ENI mit seitenverkehrtem E und verlängerter senkrechter rechter Haste des N (H: 7,5 cm); in Z.2 findet sich ein Sonderzeichen für curia; in Z.3 ist I in „promi“ verlängert, ebenso scheinbar in Z.5 in „fil“; in Z.4 findet sich in „adoptivos“ eine Ligatur von T und I mit verlängerter senkrechter Haste und ein kleines o.

Datierung1.Jh.
Notabilia Varia

v.5: „adoptivos“ pro „adoptivus“

Kommentar Götternamen

Entarabus: keltisch; etymologische Bedeutung: ,der im (Fluss)Wasser‘ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 140)

Belegsituation:
Entarabus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Der Göttername ist 1x als Entarabus (CF-GeI-31) und 1x als Intarabus (CF-GeI-22) belegt.
- Außerhalb der Germania Inferior: Mehrere Belege des Götternamens Intarabus sind in der Provinz Belgica bekannt.
Mars Entarabus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Außerhalb der Germania Inferior: Mars Intarabus ist 1x in Trier bezeugt (CIL XIII 3653).

***

Ollodagia: keltisch; Attribut zum Stamm der Ollodagi ‘die ganz Guten’ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 140); anders Holder 1896–1907, Bd.2 847f.: Personenname Ollodagus; Rüger 1972, 255: Göttername Ollodagus

Curia Ollodagia:
Curia: Curien sind soziale oder religiöse Gruppen, deren Ursprünge in vorrömischer Zeit liegen (Rüger 1972). Bei den Tungrern sind sie als Unterabteilung der pagi zu verstehen (Spickermann 2008, 74)
Die curia Ollodagia wird von uns dem Gebiet der Tungrer zugegerechnet

Belegsituation:
Genius Curiae Ollodagiae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: 1x belegt.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Velugnius Ingenuus: Nomen gentile und Cognomen ohne Praenomen
Velugnius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom keltischen Cognomen Velugnus (Kakoschke 2006, GN 1380);
Ingenuus: lateinisches Cognomen, überall gängig (Kakoschke 2007, CN 1599)

Sollavius Victor: Nomen gentile und Cognomen, ohne Praenomen.
Sollavius: einheimische Bildung (mit keltischer Basis?), nur in dieser Inschrift belegt (Kakoschke 2006, GN 1203)
Victor: lateinisches Cognomen, überall äußerst gängig (Kakoschke 2008, CN 3321)

porticus: Die Errichtung einer porticus steht vermutlich im Zusammenhang mit einem Heiligtum.

ZitiervorschlagCF-GeI-31, hdl.handle.net/11471/504.50.31
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


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