Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior


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Nehalennia

CF-GeI-288

DEAE N[.]HALENNIAE
OB M̂ERCES RECT̂E CONSER
VATAS M SECVN̂D SILVANVS
ṆEGOT̂IATOR C̣RETARIV[.]
5 BRIṬẠNNICIANV[.]
V Ṣ Ḷ M
Deae N[e]halenniae
ob merces recte conser-
vatas M(arcus) Secund(inius?) Silvanus
negotiator cretariu[s]
5 Britannicianu[s]
v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)
CivitasCivitas Frisiavonum
Apparatus criticusZ. 2: ohne Ligaturen – AE, EDH
Z. 3: ohne Ligatur – AE, EDH
Z. 4: ohne Ligatur – AE, EDH
Übersetzung Deutsch

Für die Göttin Nehalennia!
Wegen der Wohlbehaltenheit der Ware hat Marcus Secundinius Silvanus, der Händler in Keramik mit Britannien, das Gelübde gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the goddess Nehalennia!
Due to the undamaged goods Marcus Secundinius Silvanus, a trader in ceramics with Britannia, paid his vow willingly and deservedly.

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: Stuart/Bogaers
Editionen und LesungenStuart/Bogaers 1971, Nr.11
AE 1973, 370
Stuart/Bogaers 2001, A3
Elektronische RessourcenHD011213 (Version von 2017-06-12) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-72900267 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/ (Trismegistos)
Fundort antikGanuenta
Fundort modern Oosterschelde bei Colijnsplaat
VerwahrungLeiden, Rijksmuseum van Oudheden, i 1970/12.11
InschriftträgerAedicula-Altar
Material Kalkstein
Archäologische Klassifikation Fragment
Aufsatzschmuck
Reliefdekor
Frucht
Birne
Götterbild
Thron
Tier
Hund
Obstkorb
Obstschale
Podest
Architektur
Pilaster
Kapitell
gebrochener Giebel
Tempelarchitektur
Reliefschmuck
Register
menschliche Figur
männliche Figur
Stifter
Pflanzenornament
Ranke
Akanthus
Vorhang
Beschreibung Objekt

Der Altar wurde aus drei Teilen wieder zusammengefügt. Entlang der Bruchlinien sind Abschlagungen und Beschädigungen zu erkennen. Die Inschriftentafel ist bestoßen und springt leicht nach vor. Hinten fehlt die untere rechte Ecke. Teilweise ist der Stein stark verwittert.
Der einfache Sockel ist ein wenig breiter als der Altarkörper mit der Inschrift, die nach oben zur Nische mit dem Götterbild hin von einem vorspringenden Sims abgegrenzt wird. Nehalennias Thron steht auf einem Podest, das samt den es einrahmenden Pilastern auf einer einfachen Stufe steht. Die Armlehnen und die aufgehende Rückenlehne sind, obwohl stark abgewittert und verwaschen, klar auszumachen. Die Göttin hält mit beiden Händen wohl einen Schale Obst auf ihren Knien. Die Brüche haben ihre Halsregion zerstört. Der Kopf und das Gesicht sind erhalten, aber stark verwaschen, daher ist unklar, ob sie eine Kopfbedeckung oder eine pagenartige Frisur trug. Sie ist mit einem langen Gewand bekleidet, vermutlich Mantel und Kleid. Details können jedoch nicht mehr erkannt werden. Rechts in ihr steht ein Obstkorb, aus dem sich Äpfel hoch auftürmen. Links von ihr kauert ein Hund, der seinen Kopf zu ihr umwendet. Die Ausgestaltung der Halbkuppel ist aufgrund der Verwitterung nicht mehr auszumachen, des Weiteren verläuft ein Bruch in vertikaler Linie genau durch den Giebel. Die Nische wird von zwei Pilastern mit einem vermutlich korinthischen Kapitell gerahmt. Der Giebel samt Tympanon ist verwittert und beschädigt, Dekor ist nicht mehr auszumachen. Die Pulvini links und rechts sind erhalten geblieben. Oben liegen hinten zwei Birnen und vorne sind noch Spuren zweier weiterer Früchte auszumachen (Stuart/Bogaers 2001, 53).
Die Schmalseiten sind jeweils in zwei Register unterteilt, wobei unten eine Akanthuspflanze zu erkennen ist, darüber eine menschliche Figur, die auf beiden Seiten verwaschen und durch einen Bruch beschädigt ist. Der Vorsprung, der die Nische vom Inschriftenfeld absetzt und das Gesims, das den Aufsatz begrenzt, sind auf drei Seiten umlaufend fortgeführt. Die Rückseite ist mit einem an drei Knöpfen drapierten Vorhang versehen (Stuart/Bogaers 2001, 53).

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 105,0 cm
Breite: 59,0 cm
Tiefe: 27,0 cm
IkonografieNehalennias Gestalt ist durch die Brüche im Stein zerstört, aber gut erkennbar. Sie ist in der üblichen Weise dargestellt. Sie sitzt auf einem Thron, der auf einem Podest steht. Arm- und Rückenlehne sind erkennbar. Laut Stuart/Bogaers (2001, 53) soll sie mit ihrer linken Hand die Fruchtschale mit Äpfeln halten, während sie in der rechten Hand einen Strauß Blumen oder ein Büschel Pflanzen oder Zweige hält. Dies kann anhand der verwaschenen Oberfläche nicht genau erkannt werden. Der Hund kauert auf ihrer linken Seite – er dürfte den Körper von ihr weggedreht haben, während er den Kopf wieder zu ihr umwendet. Der Obstkorb auf der rechten Seite ist gut erkennbar. Auffällig ist, dass sich die Früchte, vermutlich Äpfel, besonders hoch auftürmen.Das Dekor der Pilaster und des Giebels ist durch die beschädigte Oberfläche und die Brüche nicht mehr zu erkennen, laut Literatur waren auch keine Zierelemente vorhanden. Auf der linken und der rechten Schmalseite stehen jeweils Männer in einem Mantel, der bis ca. Mitte Wade reicht, auf einem niederen Podest. Da beide Seiten leicht verwittert sind, kann nicht gesagt werden, ob sie etwas in ihren Händen gehalten haben. Das untere Register ist auf beiden Seiten mit einer stilisierten Akanthusranke gefüllt.Aufgrund der Bekleidung der Figuren handelt es sich wohl nicht um Opferdiener; eine der Figuren käme als der Stifter durchaus in Frage.
Zustand Inschriftfeld vollständig
Technikgemeißelt
Inschrift

Der Inschriftentext ist bis auf kleine Fehlstellen vollständig erhalten aber teilweise sehr stark korrodiert.
Ligaturen s. Majuskeltext

Datierung150–250
Kommentar Götternamen

Nehalennia: keltisch; ‚diejenige im Salzwasser bzw. in der See‘ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 141; de Bernardo Stempel 2004)

Belegsituation:
Nehalennia (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: der Göttername ist, bis auf wenige Ausnahmen, als dea Nehalennia überaus häufig belegt. So gut wie alle Zeugnisse stammen aus Domburg oder Colijnsplaat.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Ein Altar mit identischer Inschrift (er weist lediglich minimale Abweichungen in der Schreibung von Z.4 auf) ist bei Domburg gefunden worden (CF-GeI-289).

Marcus Secundinius Silvanus: tria nomina
Secundinius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Cognomen Secundus/Secundinus, „-inius“ treten verstärkt in den germanischen Provinzen, insbes. in Germania Inferior, auf (Kakoschke 2006, GN 1131). Denkbar wäre auch die Ergänzung des Namens auf Secundius (Kakoschke 2006, GN 1132), doch wird die Ergänzung auf Secundinius dadurch gestützt, dass in Köln ein Secundinius Severus bezeugt ist (CIL XIII 8350), der ebenfalls negotiator cretarius war und vielleicht der gleichen Familie von Keramikhändlern angehörte.
Silvanus: lateinisches Cognomen, gängiger Name (Kakoschke 2008, CN 2861)

negotiator cretarius Britannicianus: Der Keramikhändler, der mit Britannien Handel trieb, wird vermutlich Keramik nach Britannien transportiert haben. Grundsätzlich ist aber auch nicht auszuschließen, dass er Ware von Britannien aufs Festland verbrachte (Stuart/Bogaers 2001, 35).

ZitiervorschlagCF-GeI-288, hdl.handle.net/11471/504.50.288
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: Stuart/Bogaers 2001, Taf.3, Rechte vorbehalten
Bild 2: Stuart/Bogaers 2001, Taf.3, Rechte vorbehalten
Bild 3: Stuart/Bogaers 2001, Taf.3, Rechte vorbehalten