Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

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Matronae Gavadiae

CF-GeI-267

[.]ATRONIS
GÂVADIABVS · Q · IV+
SEVERINVS · ET · SECV+
DINIA · IVSTINA · PRO
5 SE · ET · SVIS · EX · IM+
IPS · L · M
[M]atronis
Gavadiabus Q(uintus) Iu[l/nius?]
Severinus et Secu[n]-
dinia Iustina pro
5 se et suis ex im[p(erio)]
ips(arum) l(ibentes) m(erito)
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 2: ohne Ligatur, Iul(ius) – Espérandieu. Vom letzten Zeichen ist nur mehr eine senkrechte Haste erhalten, denkbar wären L oder N.
Z. 3: Secun- – Espérandieu. Vom letzten Zeichen ist nur mehr eine senkrechte Haste erhalten, aus inhaltlichen Gründen kommt wohl nur N in Frage.
Z. 5: imp(erio) – Espérandieu. Vom Zeichen ist nur mehr eine senkrechte Haste erhalten, aus inhaltlichen Gründen kommt wohl nur P in Frage.
Übersetzung Deutsch

Für die Matronae Gavadiae!
Quintus Iulius/Iunius? Severinus und Secundinia Iustina für sich und die Ihren auf deren (d.h. der Gottheiten) Befehl gerne und verdientermaßen.

Übersetzung Englisch

To the Matronae Gavadiae!
Quintus Iulius/Iunius? Severinus and Secundinia Iustina for themselves and their family/ies according to their (i.e. the goddesses) order willingly and deservedly.

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: CIL
Editionen und LesungenCIL XIII 7886
Espérandieu VIII 6342
Elektronische RessourcenEDCS-11100111 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/414949 (Trismegistos)
Fundort antikIuliacum
Fundjahr1781
Verwahrungverschollen
InschriftträgerWeihealtar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Reliefdekor
Blattdekor
Götterbild
Büste
Schmuck
Lunula
Reliefschmuck
Pflanzenornament
Akanthus
Kantharos
Vogel
Beschreibung Objekt

Es handelt sich bei dem Stein um einen Weihealtar mit einer besonderen Darstellung der Matronen in Büstenform (Espérandieu 1922, 288). Der Stein kam nach Steiner 1851, 1890f. im Jahr 1784 ins Antiquarium nach Mannheim, wo Gräff 1837, 17 den Stein auch anführt.
Der Aufsatz mit erkennbarem Reliefschmuck ist teilweise abgeschlagen. Ebenso fehlen an der linken Seite einige Teile (die Matronendarstellung ist jedoch vollständig erhalten). An den Schmalseiten haben sich ebenfalls Pflanzenranken erhalten.

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 99,0 cm
Breite: 64,0 cm
Tiefe: 14,0 cm
IkonografieDie drei Matronen sind als Büsten dargestellt, die aus einem Akanthusblatt entwachsen. Die mittlere Matrone unterscheidet sich dabei von den beiden äußeren, die die typische voluminöse Haube tragen. Alle drei Frauen tragen eine Halskette mit Lunula-Anhänger. An den Schmalseiten befinden sich stilisierte Blatt-/Pflanzenranken, die vermutlich aus einem kantharosähnlichen Gefäß entwachsen (nach Espérandieu 1922, 288). Auf der rechten Seite sind am oberen Ende der Ranke zwei Vögel dargestellt.
Zustand Inschriftfeld weitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Inschrift

Die erste Zeile befindet sich oberhalb des Reliefs. Das Inschriftenfeld befindet sich unter dem Relief und wird vom Text nicht zur Gänze ausgefüllt (unter dem Text bleibt ein Freiraum). Die Buchstaben der ersten Zeile sind größer als jene im Inschriftenfeld.
Ligatur, s. Majuskeltext

Datierung150–250
Notabilia Varia

v.2: ”Gavadiabus” pro ”Gavadiis”

Kommentar Götternamen

Gavadiae: keltisch (Delamarre 2007, 102); anders: germanisch (Neumann 1987, 119); die Bedeutung des Namens ist bislang unklar (Spickermann 1994, 346)

Belegsituation:
Matronae Gavadiae: (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Das theonymische Formular ist 5x gesichert bezeugt.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Quintus Iulius/Iunius? Severinus: tria nomina
Iulius: italisches kaiserliches Gentilnomen von Caesar bis Caligula, überall äußerst gängig (Kakosche 2006, GN 621); Das Gentile Iulius ist in den südlichen Gebieten der Germania Inferior auffällig oft bezeugt; eine Liste des Vorkommens dieses Gentilnomens in der Provinz s. Alföldy 1967, 20-27).
Iunius: italisches Gentilnomen, äußerst gängiger Name (Kakoschke 2006, GN 627)
Severinus: lateinisches Cognomen; Weiterbildung des Cognomens Severus, überall gängiger Name (Kakoschke 2008, CN 2837)

Secundinia Iustina: weibliches einheimisches Namensformular mit Angabe des Vaternamens im Genetiv
Secundinia: weibliche Form von Secundinius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Cognomen Secundus/Secundinus; Namen auf -inius häufig in germanischen Provinzen, bes. in Niedergermanien (Kakoschke 2006, GN 1131)
Iustina: lateinisches Cognomen, äußerst gängig (Kakoschke 2007, CN 1648)

Für Spickermann (1994, 346) handelt es sich bei den Dedikanten um ein Ehepaar.

ZitiervorschlagCF-GeI-267, hdl.handle.net/11471/504.50.267
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0

Bild 1: Espérandieu VIII (1922) Nr.6342, Rechte vorbehalten