Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

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Vacallinehae

CF-GeI-232

VAĈÂLL̂INE˧S
EX IMP L · VEN
NON̂IVS SA
TVRN̂INVS ET
5 AIVA
Vacallinech(i)s
ex imp(erio) L(ucius) Ven-
nonius Sa-
turninus et
5 Aiva
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 1: VACÂLLNE˧S – Finke; Vacâll̂in̂êh(i)s – Alföldy; Vacallineh(i)s, ohne Ligaturen – AE, EDH
Z. 3: ohne Ligatur – AE, EDH
Z. 4: ohne Ligatur, Zeilenwechsel fehlt nach et – AE, EDH
Übersetzung Deutsch

Für die Vacallinechae!
Auf Befehl (der Götinnen) Lucius Vennonius Saturninus und Aiva.

Übersetzung Englisch

To the Vacallinechae!
By order (of the goddesses) Lucius Vennonius Saturninus and Aiva.

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenLehner 1918, Nr.375A
Finke 1927, Nr.270
Alföldy 1968, Nr.135
AE 1968, 356
Elektronische RessourcenHD014456 (Version von 2015-05-6) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-11201987 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/208994 (Trismegistos)
Fundort modern Bad Münstereifel Nöthen (Pesch), Tempelbezirk (Matronentempel Eifel)
FundstelleHof A Mauer
Umstände: im Matronenheiligtum in der Nordwestecke des Hofes A im Fundament vermauert
Fundjahr1917
VerwahrungBonn, Rheinisches Landesmuseum, 29219
InschriftträgerWeihealtar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation bemalt
nachgezogen
Aufsatzschmuck
Reliefdekor
Blattdekor
Rosette
Opferschale
glatt
Beschreibung Objekt

Es handelt sich um einen vollständig erhaltenen rechteckigen Altar mit einfachem Sockel und einem Aufsatz, bestehend aus einem Gesims und darauf einem mittigen kleinen Giebel zwischen zwei Voluten, allesamt mit pflanzlichem Reliefdekor versehen. Auf der Oberfläche befindet sich nach Lehner (1918, 167) eine ovale Platte mit Randverzierung (angedeutete Opferschale/Patera).

Die Vorderseite des Altars war dünn mit weißer Farbe überzogen, die Buchstaben sind rot ausgemalt.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 82,0 cm
Breite: 54,0 cm
Tiefe: 25,5 cm
IkonografieLaut Literatur (Lehner 1918, 167) sind Rück- sowie Seitansichten vollständig glatt gehalten.Eine Besonderheit stellen die Überreste der weißen und roten Bemalung dar.
Zustand Inschriftfeld vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe3,5–6,1 cm
Inschrift

Der Text füllt das Inschriftenfeld nicht zur Gänze aus (unter dem Text bleibt ein Freiraum). Er ist vollständig erhalten. Die Buchstaben werden nach unten hin deutlich kleiner. Manche Wörter fügen sich ohne Wortabstand aneinander.
Ligaturen, s. Majuskeltext. – Besondere Zeichen: In Z.1 findet sich das Zeichen für den velaren Reibelaut und eine Ligatur L und I mit erhöhter senkrechter Haste (H: 7,5 cm), in Z.3 und Z.4 jeweils eine Ligatur von N und I mit erhöhter rechter senkrechter Haste (H: 6,6 cm in beiden Fällen); in Z.5 ein I longum (H: 5,3 cm).
Die Buchstaben wiesen eine rote Färbung auf.

Datierung150–250
Notabilia Varia

v.1: „Vacallinechs“ pro „Vacallinechis“

Kommentar Götternamen

Vacallinechae: Variante von Vacallinehae: die Etymologie weist auf Waldgottheiten hin: ‚die unter den Bäumen bzw. dem Wald Verweilenden‘ (vgl. de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 144)

Belegsituation:
Vacallinehae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: häufig bezeugt
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Matronae Vacallinehae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Das theonymische Formular ist häufig bezeugt.
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Matres Vacallinehae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Das theonymische Formular ist mindestens 1x gesichert bezeugt (CF-GeI-239).
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

L. Vennonius Saturninus: tria nomina
Vennonius: keltisch (vgl. Delamarre 2007, 195); anders: italisches Gentilnomen (Kakoschke 2006, GN 1387)
Saturninus: lateinisches Cognomen, Weiterbildung des Cognomens Saturnus, überall äußerst gängiger Name (Kakoschke 2008, CN 2720)

Aiva: keltisch (Delamarre 2007, 16); anders: germanisches Cognomen? (Kakoschke 2007, CN 109); keltisch (Holder 1896, 72).

ZitiervorschlagCF-GeI-232, hdl.handle.net/11471/504.50.232
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0

Bild 1: CIL XIII Projekt, CC BY-NC