Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior


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Matronae/Matres? Vacallinehae

CF-GeI-228

M · V̂ACALLÎN̂E
HIS · LEVBASN
IVS · EXOMN̂I
PRO SE · ET · SVI
5 S · V · S · L · M
M(---) Vacalline-
his Leubasn-
ius Exomni (filius)
pro se et sui-
5 s v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 1: M(atronis) – Lehner, Alföldy, AE, Biller; ohne Ligaturen – AE, EDH
Z. 2: Leubas – AE
Z. 3: nius – AE; ohne Ligaturen – AE, EDH
Übersetzung Deutsch

Für die M… Vacallinehae!
Leubasnius, der Sohn des Exomnus, hat für sich und die Seinen das Gelübde gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the M… Vacallinehae!
Leubasnius, the son of Exomnus, paid his vow willingly and deservedly for himself and his family.

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenLehner 1918, Nr.349
Finke 1927, Nr.266
Alföldy 1968, Nr.25
AE 1968, 339
Biller 2010, 222f.
Elektronische RessourcenHD014405 (Version von 2017-09-7) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-09701604 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/208977 (Trismegistos)
Fundort modern Bad Münstereifel Nöthen (Pesch), Tempelbezirk (Matronentempel Eifel)
FundstelleHof A Mauer
Umstände: im Matronenheiligtum vermauert in der Südwestecke des Hofes A gefunden
Fundjahr1916
VerwahrungBonn, Rheinisches Landesmuseum, 28809
InschriftträgerWeihealtar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation bemalt
nachgezogen
Aufsatzschmuck
Reliefdekor
Blattdekor
Rosette
Frucht
Birne
Reliefschmuck
Baum
Laubbaum
Lorbeer
Beschreibung Objekt

Der vollständig erhaltene Weihealtar mit zweistufigem Sockel und einfachem Altarkörper wird von einem einfachen Gesims bekrönt. Den oberen Abschluss bilden ein mittiger Giebel mit Rosettendekor und links und rechts zwei Voluten, die ebenfalls mit Blütenrosetten verziert sind. Auf der Bekrönung ist der Rest einer Birne erkennbar.
In den Buchstaben sind Rest roter Farbe erkennbar, während an den Seiten grüne Farbreste feststellbar sind. Die Seiten sind mit Baummotiven in Relief gestaltet.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 70,0 cm
Breite: 39,0 cm
Tiefe: 15,0 cm
IkonografieDie Schmalseiten sind mit Baumdarstellungen in Relief gestaltet. Die Motive ähneln sich sehr: Der Baum verfügt über einen dünnen geraden Stamm und eine rundliche Blattkrone, bestehend aus kleineren Blättern, die spitz zulaufend nach oben gerichtet sind. Zwischen den Blättern sind stellenweise kleine, runde Früchte nachvollziehbar, daher könnte man die Bäume als Lorbeer identifizieren. Eine Besonderheit stellt die deutlich nachvollziehbare Farbgestaltung dar (siehe zeichnerische Rekonstruktion).
Zustand Inschriftfeld vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe3,5–4,0 cm
Inschrift

Der Text füllt das Inschriftenfeld nur etwa in der oberen Hälfte aus. Er ist vollständig erhalten. Ligaturen, s. Majuskeltext. – Besondere Zeichen: In Z.1 findet sich eine Ligatur von I, N und E mit verlängerter linker senkrechter Haste (H: 4,7 cm) und in Z.3 eine Ligatur von N und I mit verlängerter rechter senkrechter Haste (H: 5,2 cm); in Z.5 drei hederae.
In den Buchstaben haben sich Reste der roten Ausmalung erhalten.

Datierung150–250
Kommentar Götternamen

Vacallinehae: die Etymologie weist auf Waldgottheiten hin: ‚die unter den Bäumen bzw. dem Wald Verweilenden‘ (vgl. de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 144)

Belegsituation:
Matronae Vacallinehae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Das theonymische Formular ist häufig bezeugt. Für die hier vorgelegte Inschrift wird die Zuordnung zu Matronae Vacallinehae aufgrund der großen Anzahl von Zeugnissen der Gottheiten am gleichen Fundort sehr wahrscheinlich, doch könnte „M(---)“ auch auf „Matribus“ ergänzt werden.
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Matres Vacallinehae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Das theonymische Formular ist mindestens 1x gesichert bezeugt (CF-GeI-239).
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Vacallinehae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: häufig bezeugt
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Leubasnius: germanisches Cognomen (Kakoschke 2006, GN 1716). Ein „Laubasn[iu]s Exomni“ findet sich am gleichen Ort auch in CIL (XIII 12019).
Exomnus: keltisches Cognomen (Kakoschke 2006, GN 1244).
Bei dem Dedikanten handelt es sich um einen Einheimischen ohne römisches Bürgerrecht.

ZitiervorschlagCF-GeI-228, hdl.handle.net/11471/504.50.228
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: EDCS-09701604, Rechte vorbehalten
Bild 3: EDCS-09701604, Rechte vorbehalten