Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

Fontes epigraphici religionum Celticarum antiquarum


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Mat(-res vel -ronae) Cantrustehae

CF-GeI-21

MAT CAN
TRV[---]HA
BV[---]D
ATTONIS
5 V M
Mat(---) Can-
tru[ste]ha-
bu[s ---]D
Attonis
5 v(otum) m(erito)
CivitasCCAA
Übersetzung Deutsch

Für die Mat… Cantrustehae!
… des Atto (hat) das Gelübde nach erwiesener Wohltat (erfüllt).

Übersetzung Englisch

To the Mat… Cantrustehae!
… of Atto (paid) his vow deservedly.

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: CIL (aus älterer Literatur)
Editionen und LesungenCIL XIII 7880
Elektronische RessourcenEDCS-11100105 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
Fundort antikIuliacum
FundstelleTetz, beim Abbruch der alten Pfarrkirche
Umstände: „beim Niederreissen (sic!) der uralten Tetzer Pfarrkirche“ (CIL), gemeinsam mit CIL XIII 7878-7881
Fundjahr1819
Verwahrungverschollen
InschriftträgerWeihestein
Archäologische Klassifikation Abschrift
Füllhorn
verschollen
Beschreibung Objekt

Es handelte sich um einen viereckigen Stein, in dessen Mitte an der Frontseite sich eine viereckige Aushöhlung befand. Die Inschrift ist links und rechts davon zu sehen. Auf den Seitansichten sollten laut Literatur (Brambach 1867, 133) Füllhörner zu sehen sein. Die Beschreibung sowie die Abschrift der vorhandenen Inschrift gelangte 1829 durch einen Brief an Brambach. Zur genauen Form, wie etwa Aufsatz oder Sockel, ist nichts bekannt.

Zustand Objekt unklar
IkonografieAn den Seitansichten sollen laut Brambach (1867, 133) Füllhörner zu sehen sein. Keine weitere Beschreibung vorhanden.
Zustand Inschriftfeld größere Fehlstellen
Inschrift

In der Mitte des Inschriftenfeldes ist ein über Z.2 und 3 reichendes schmales Rechteck (scheinbar Platz für maximal 3 Buchstaben) ausgebrochen; ansonsten scheint der Text vollständig zu sein.

Datierung150–250
Notabilia Varia

v.1–3: „Cantrustehabus“ pro „Cantrustehis“

Kommentar Götternamen

Keltisches Element:
Cantrustehae: Germanisierter Zugehörigkeitsbeiname zu den Condrusi, einem keltisch benannten Stamm (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 143; zur Form Cantrustehae vgl. de Bernardo Stempel 2017, 190 Anm.3)

Belegsituation:
Matronae Cantrustehae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: in Niedergermanien ist es nur die hier behandelte Inschrift, die das theonymische Formular Matronae Cantrustehae belegen könnte. Die Ergänzung auf Matronae stützt sich dabei auf das theonymische Formular von Matronae Cantrusteihiae aus Hoeilaart in der Provinz Belgica (CIL XIII 3585).
- Außerhalb der Germania Inferior: Zur Zeit ist lediglich die Weihung aus Hoeilaart (CIL XIII 3585), s.o., bekannt.
Cantrustehae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: 1x bezeugt (CF-GeI-15). Da auf diesem Stein im Relief eine sog. Matronendreiheit dargestellt ist, können die Cantrusteihae als Matronae gesehen werden.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Siehe auch den Götternamen Matronae Andrustehae.

Kommentar allgemein

Attonis: kann als Genetiv des Vaternamens Atto verstanden werden. Allerdings macht es der sehr kleine Platz davor schwer, hier an einen nicht erhaltenen Namen eines Sohnes oder einer Tochter des Atto zu denken. – Atto: keltisches oder germanisches Cognomen (Kakoschke 2006, GN 368).

ZitiervorschlagCF-GeI-21, hdl.handle.net/11471/504.50.21
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: CIL XIII 07880, CC BY-NC