Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

Fontes epigraphici religionum Celticarum antiquarum


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(Matres vel Matronae) Albiahenae

CF-GeI-18

[---]ALBIA
[---]TIAE
[---]VERA
[---] L · [---]
[---] Albia-
[henis ---]tiae
[---]vera
[v(otum) s(olvit)] l(ibens) [m(erito)]
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 1: [Matronis] Albia – Lehner, Espérandieu
Übersetzung Deutsch

Für die ... Albiahenae!
…tiae … …?vera hat das Gelübde nach erwiesener Wohltat gerne erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the ... Albiahenae!
…tiae … …?vera paid her(?) vow willingly and deservedly.

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenCIL XIII 7933
Lehner 1918, Nr.253
Espérandieu VIII 6353
Elektronische RessourcenEDCS-11100159 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
FundstelleOberelvenich, im sog. Heidenfelde
Umstände: gefunden gemeinsam mit CF-GeI-11, CF-GeI-12, CF-GeI-13 | für das Museum angekauft, keine genauen Hinweise zu Fundort und Fundjahr
VerwahrungBonn, Rheinisches Landesmuseum, U 37
InschriftträgerAedicula-Altar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Reliefschmuck
Pflanzendekor
Götterbild
Architektur
Obstkorb
Gefäß
Brot
Säule
Tempelarchitektur
Akanthus
Beschreibung Objekt

Der Stein ist oberhalb der plastischen Darstellung der drei Göttinnen/Matronen abgebrochen. Die linke Seite ist stark bestoßen, die linke Matrone ist im Bereich des Unterkörpers schwer beschädigt. Das Inschriftenfeld war vermutlich nicht gerahmt, jedoch an allen Seiten abgeschlagen, sodass keine eindeutige Aussage möglich ist. Die drei sitzend dargestellten Göttinnen befinden sich in einer leicht eingetieften Nische, die, wie an der rechts erhaltenen Säule erkennbar, auf beiden Seiten architektonisch gerahmt war.

Die Nische setzt sich durch eine leichte Wölbung, vermutlich ein stark bestoßenes kleines Gesims, vom Inschriftenfeld ab. Der Sockel ist nicht klar erkennbar, da der Stein am unteren Ende stark bestoßen ist. Der obere Abschluss der Aedicula ist nicht klar. Über der rechten erhaltenen Säule ist der Aufsatz des Altars erkennbar, allerdings ist die Gestaltung des Giebels unklar. Er könnte, wie Lehner (1918, 122f.) meint, geradlinig verlaufen sein, doch auch Exemplare mit gebrochenem Giebel sind bekannt.

Laut Lehner befindet sich auf der rechten erhaltenen Reliefseite ein Akanthus, der mit drei Früchten behängt aus einem Gefäß hervorwächst.

Zustand Objekt größere Fehlstellen
MaßeHöhe: 80,0 cm
Breite: 46,0 cm
Tiefe: 26,0 cm
IkonografieDie drei Matronen sind eng beieinandersitzend in einer wenig eingetieften Nische oberhalb des Inschriftenfeldes dargestellt. Aufgrund einer Beschädigung der linken Seite ist die linke Matrone nur mit Brust- und Kopfbereich klar erhalten geblieben.Charakteristisch sind die voluminösen Hauben der beiden äußeren Matronen, die nierenförmig auf den Köpfen ruhen. Die mittlere Göttin weist offenes Haar auf. Aufgrund des enganliegenden Haarschopfes wirkt ihr Kopf verhältnismäßig sehr klein. Die mittlere und die rechte Matrone halten in ihrem Schoß jeweils eine Schale mit Früchten; während diese klar umrissen bei der mittleren erkennbar sind, können sie bei der rechten nicht eindeutig erkannt werden. Vermutlich ist eine solche Schale auch bei der linken Matrone anzunehmen.Gut erkennbar ist bei allen drei Göttinnen, soweit erhalten, der lange Mantel, der über Schultern und Arme sowie auf den Knien in schweren Falten herabfällt. Bei der mittleren und der rechten Matrone ist die Raffung in Brustmitte gut erkennbar, auch die Schließe oder Fibel, die den Stoff zusammenhält, ist klar zu sehen. Bei der mittleren Matrone ist zudem im Halsausschnitt eine Kette mit Lunula-Anhänger klar erkennbar, nicht so bei den anderen beiden.Die Matronen tragen ein im Sitzen knöchellanges Kleid. Hinter ihren Füßen wird die durchgehende Bank sichtbar. Auch hinter den Matronen auf ungefährer Schulterhöhe kann ein schmaler Rand der Sitzgelegenheit erahnt werden. Die Aedicula war architektonisch gerahmt, wie die rechts erhalten gebliebene Säule verrät. Die Säule hat eine schmale Basis und einen glatten Schaft, das Kapitell zeigt runde blattähnliche Elemente, eventuell wäre von einem Kapitell in korinthischer Art zu sprechen. Direkt darüber schließt ein Gesims an, das die Altarbekrönung abgrenzt. Der Aufbau der Bekrönung ist allerdings unklar, da nicht mehr erhalten. Ebenso ist der Abschluss des Giebels unklar (gebrochen oder geradlinig). Die Aedicula erscheint nur leicht in den Schein eingetieft. Die Darstellungen der Matronen lassen durch ihre scharfen Umrisse ihrer Silhouetten die Nische tiefer wirken. Da sich die Nischenrückwand dicht an ihren Körpern hält, wäre ein geradliniger Abschluss zu vermuten, wie auch Lehner (1918, 122f.) meint. Auf der rechten Seite soll eine Akanthusranke in Relief dargestellt sein.
Zustand Inschriftfeld größeres Fragment
Technikgemeißelt
Inschrift

Vom Inschriftentext ist nur etwa ein Drittel der rechten Seite von der ersten bis zur letzten Zeile erhalten.

Datierung150–300
Kommentar Götternamen

Keltisches Element:
Albiahenae: keltisch germanisches Kompositum, ‚die zur diesseitigen Welt Gehörigen‘ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 142)

Belegsituation:
Albiahenae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: insgesamt maximal 4x belegt (CF-GeI-11 bis CF-GeI-13 und CF-GeI-18). In dieser Inschrift ist links von dem auf Albiahenae ergänzten Gotternamen noch ausreichend Platz, sodass hier sehr wohl Matronae aber auch Matres gestanden haben könnte; aber auch ein weiterer Göttername wäre denkbar. Auf Matronen weist jedenfalls das Relief mit einer sog. Matronendreiheit. Alle Zeugnisse stammen aus Oberelvenich.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

…?vera: darunter ist entweder der hintere Teil des Cognomens der Dedikantin zu verstehen oder das Cognomen Vera, die weibliche Form von Verus: lateinisches Cognomen, überall äußerst gängig (Kakoschke 2008, CN 3295)

ZitiervorschlagCF-GeI-18, hdl.handle.net/11471/504.50.18
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


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