Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

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Hercules Magusanus

CF-GeI-138

[---]ẸRCVLI · M̂AG̣
[.]LP AGILIS V̂A+
VL VICTOR
[.]AL · PL̂ACIDV[---]
5 [---]Ṇ ĤET̂IN̂IVS H[---]
[---]VO AMAḄỊḶỊ[---]
[---]Ṇ[---]
[---]OỊ[---]N[---]
[---]IVS · VO[---]
[H]erculi Mag(---)
[U]lp(ius) Agilis, Va+-
ul(lius?) Victor,
[V]al(erius) Placidu[s],
5 [---]n(---) Hetinius, H[---]
[---]vo, Amabilin[ius]
[---]N[---]
[---]OI[---]N[---]
[---]ius Vo[---]
CivitasCUT
Apparatus criticusZ. 1: Mag(usano) – Clauss, AE, EDH; ohne Ligatur – AE, EDH
Z. 2: Ulp(ius), Vad- – Clauss, AE, EDH; ohne Ligatur – AE, EDH
Z. 4: ohne Ligatur – Clauss, AE, EDH
Z. 5: Hedinius, ohne Ligaturen – AE, EDH
Z. 6: [---]asvo – Clauss, AE, EDH
Z. 7: [---]I[---]V[---]M[---] – Clauss, AE, EDH
Z. 8: [---]I[---]OI[---]N[---] – Clauss, AE, EDH
Übersetzung Deutsch

Für Hercules Mag… !
Ulpius Agilis, Vadullius(?) Victor, Valerius Placidus, …n... Hetinius, H... …asvo, Amabilinius … Und offenbar Reste weiterer Namen

Übersetzung Englisch

To Hercules Mag… !
Ulpius Agilis, Vadullius(?) Victor, Valerius Placidus, …n... Hetinius, H... …asvo, Amabilinius … And probably rests of further names

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenClauss 1976, Nr.60 AE 1977, 570
Elektronische RessourcenHD020287 (Version von 2015-12-18) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-09301133 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/209150 (Trismegistos)
Fundort antikCUT
Fundort modern Xanten
Fundstellezwischen Wardt und Lüttingen
Umstände: gefunden am Rheinufer, auf dem Grundstück Marx in Wardt-Lüttingen
Fundjahr1956
VerwahrungBonn, Rheinisches Landesmuseum, 560898
InschriftträgerWeihealtar
Material Kalkstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
glatt
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar besteht aus einem massiven einfachen Sockel. Der Aufsatz ist durch ein profiliertes Gesims vom Körper mit dem nicht gerahmten Inschriftenfeld getrennt. Am Aufsatz finden sich die verwaschenen Reste von Pulvini links und rechts. In der Mitte dürfte sich ein kleiner Giebel befunden haben, doch davon ist nur eine kleine Erhebung erhalten. Der Stein ist an allen Kanten bestoßen bzw. wirkt teilweise verwittert und verwaschen.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 61,0 cm
Breite: 39,0 cm
Tiefe: 15,0 cm
IkonografieKein sichtbares Dekor erhalten, zu verwaschen. Auch in der Literatur kein Dekor erwähnt bzw. nur verwitterte Seiten (Clauss 1876, 37 f.).
Zustand Inschriftfeld größere Fehlstellen
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe2,5–4,0 cm
Inschrift

Das Inschriftenfeld ist vollständig erhalten. Es ist deutlich, dass es vom Text zur Gänze ausgefüllt war, doch ist die Inschrift im unteren Bereich und an den Rändern in weiten Bereichen bis zur Unlesbarkeit korrodiert. Die Größe der Buchstaben nimmt von oben nach unten ab.
Ligaturen, s. Majuskeltext. – Besondere Zeichen: Am Ende von Z.1 finden sich Reste eines C, G oder O; G passt inhaltlich am besten; in Z.2 ein kleines I (H: 2,3 cm); Z.4 sind L und A überlappend geschrieben; in Z.5 Ligatur von T und I mit erhöhter senkrechter Haste (H: 4,0 cm) und Ligatur von N und I mit erhöhter rechter senkrechter Haste (H: 4,3 cm).

Datierung2.–3.Jh.
Kommentar Götternamen

Mag… : Rest von Magusanus oder einer Variante: Germanisierung des keltischen Kultnamens * Mogusenos ,der mächtige Alte‘, später sukzessive germanisiert zu Magusenos, Magusanos und Macusanos (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 146, vgl. Toorians 2003)

Belegsituation:
Hercules Magusanus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: sehr gut belegt (CF-GeI-115, 127–132, 134–139, 242–244), 1x darunter in Verbindung mit dem Gottheitsdeterminativ deus (CF-GeI-139)
- Außerhalb der Germania Inferior: in Rom und in verschiedenen Provinzen vereinzelt nachgewiesen: Belgica, Britannia, Dacia (hier 1x auch als deus invictus Hercules Magusanus [AE 1977, 702]), Pannonia superior
Magusanus Hercules (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: nur 1x (CF-GeI-133) bezeugt
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Magusanus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: in dieser Provinz nicht bezeugt
- Außerhalb der Germania Inferior: In der Provinz Dacia ist 1x ein deus Mag… bezeugt (AE 1995, 1280).

Kommentar allgemein

Ulpius Agilis: römisches Namensformular ohne Praenomen
Ulpius: italisches kaiserliches Gentilnomen, überall äußerst gängiger Name, der vermehrt in Niedergermanien auftritt (Kakoschke 2006, GN 1329), verweist auf die Zeit nach Kaiser Trajan
Agilis: lateinisches Cognomen (Kakoschke 2007, CN 85)

Vadul(lius?) Victor: römisches Namensformular ohne Praenomen
Vadul(lius?): einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom vermutlich keltischen Cognomen Vadullus (Kakoschke 2006, GN 1343)
Victor: lateinisches Cognomen, überall äußerst gängig (Kakoschke 2008, CN 3321)

Valerius Placidus: römisches Namensformular ohne Praenomen
Valerius: italisches Gentilnomen, überall äußerst gängiger Name (Kakoschke 2006, GN 1346)
Placidus: lateinisches Cognomen, gängiger Name (Kakoschke 2008, CN 2388)

Hetinius: möglicherweise germanisches Cognomen (Kakoschke 2007, CN 1512)

Amabilin(ius?): einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinisches Cognomen Amabilis (Kakoschke 2006, GN 59)

ZitiervorschlagCF-GeI-138, hdl.handle.net/11471/504.50.138
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0

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