Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

Fontes epigraphici religionum Celticarum antiquarum


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Hercules Magusenos, deus

CF-GeI-132

HERCVLI · MA
GVSANO · ET
HÂEVÂE VLPI
LVPIO · ET VL
5 PIA AMMAVA
PRO · NATIS
V · S · L · M
Herculi Ma-
gusano et
Haevae Ulpi(us)
Lupio et Ul-
5 pia Ammava
pro natis
v(otum) s(olverunt) l(ibentes) m(erito)
Civitaszugeordnet zur Civitas Batavorum
Apparatus criticusZ. 2: Magusano – ILS; „in. G Spanheim, Alting, Cuper, C rel.“ – CIL
Z. 3: Ulp. – ILS
Übersetzung Deutsch

Für Hercules Magusanos und Haeva!
Ulpius Lupio und Ulpia Ammava haben für die Kinder das Gelübde nach erwiesener Wohltat gerne erfüllt.

Übersetzung Englisch

To Hercules Magusanos and Haeva!
Ulpius Lupio and Ulpia Ammava have paid their vow for their children willingly and deservedly.

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: CIL (aus älterer Literatur)
Editionen und LesungenILS 4629
CIL XIII 8705
Elektronische RessourcenEDCS-11100799 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
VerwahrungBrüssel
InschriftträgerWeihealtar
Material Marmor
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
verschollen
Pflanzendekor
Abschrift
Umzeichnung
Rosette
Beschreibung Objekt

Es handelt sich nach Umzeichnung um einen einfachen Weihealtar mit leicht profiliertem Sockel und einem bis auf das Giebeldreieck in der Mitte glatten bzw. nicht dekorierten Aufsatz. Es ist unklar, ob auf den Seiten etwas dargestellt war, aber da nichts erwähnt wird, vermutlich nicht. Der Stein ist auf der rechten Seite unten am Sockel und oben am Aufsatzschmuck abgebrochen und dürfte damit fast vollständig erhalten sein.

Zustand Objekt weitgehend vollständig
IkonografieDer einzige Schmuck nach der vorhandenen Umzeichnung dürfte die Rosette im Giebeldreieck sein, denn in der Literatur wird der erhaltene Pulvinus als glatt beschrieben. (Martin 1727, 28).
Zustand Inschriftfeld vollständig
Technikgemeißelt
Inschrift

Der Inschriftentext ist vollständig erhalten.
Ligaturen, s. Majuskeltext

Datierung2./3. Jh.
Kommentar Götternamen

Keltisches Element:
Magusanos: Weiterentwicklung des keltischen Kultnamens Magusenos: ,der mächtige Alte‘, später germanisiert zu Macusanos (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 146)

Belegsituation:
Hercules Magusenos (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Der Göttername ist hier sehr gut belegt (CF-GeI-115, 127–132, 134–139, 242–244). 1x scheint er darunter in Verbindung mit dem Gottheitsdeterminativ deus auf (CF-GeI-139).
- Außerhalb der Germania Inferior: ist der Göttername in Rom und in verschiedenen Provinzen vereinzelt nachgewiesen: Belgica, Britannia, Dacia (hier 1x auch als deus invictus Hercules Magusanos [AE 1977, 702]), Pannonia superior.
Magusenos Hercules (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: In dieser Form ist der Göttername nur 1x bezeugt (CF-GeI-133).
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Magusenos (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: In dieser Form ist der Göttername in dieser Provinz nicht bezeugt.
- Außerhalb der Germania Inferior: In der Provinz Dacia ist 1x ein deus Mag… bezeugt (AE 1995, 1280).

***

Weitere, nicht keltische Götternamen:

Haeva: Dabei könnte es sich um eine latinisierte Schreibung von Heve für die griechische Hebe handeln. Nach Gutenbrunner (1936, 106) ist es fraglich, ob es sich dabei um einen germanischen Göttinnennamen oder eine ungenaue Schreibung für die griechische Hebe handelt. Spickermann (1994, 315) hält sie am ehesten für eine germanische Göttin, die für Ehe und Kinder zuständig war.

Kommentar allgemein

Ulpius Lupio: römisches Namensformular ohne Praenomen
Ulpius: italisches kaiserliches Gentilnomen, überall äußerst gängiger Namen, (Kakoschke 2006, GN 1329); bes. häufig in Germania Inferior (s. dazu Wiegels 1999)
Lupio: lateinisches Cognomen, Weiterbildung des Cognomens Lupus (Kakoschke 2007, CN 1802); möglicherweise keltisch (Spickermann 1994, 315)
Ulpia Ammava: weibliches römisches Namensformular
Ulpia: webliche Form von Ulpius, s.o.
Ammava: möglicherweise keltisches Cognomen (Kakoschke 2007, CN 170); germanisch (Wiegels 1999, Nr.23)

Da der Altar „für die Kinder“ gesetzt ist, wird es sich bei den Dedikanten um deren Eltern, also ein Ehepaar handeln. Die Frau könnte das Gentilnomen ihres Mannes bei der Heirat angenommen haben (Spickermann 1994, 15f., 315).

ZitiervorschlagCF-GeI-132, hdl.handle.net/11471/504.50.132
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: Martin 1727, 28, Rechte vorbehalten