Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior


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Matres Arsacae

CF-GeI-124

MATRIBVS ARSACIS PA

TERNIS SIVE MATERNIS

M · AVR · LV · VERONIVS VE

RVS · PE · PRÂEFECT · I · PRO SE

  5 ET · SVIS V · S · L · M

Matribus Arsacis pa-

ternis sive maternis

M(arcus) Aur(elius) Lu(cius?) Veronius Ve-

rus <b(ene)f(iciarius)> praefecti pro se

  5 et suis v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

CivitasCUT
Apparatus criticusZ. 1: Zeilenwechsel nach Arsacis – ILS; <M>arsacis (so schon Bergk in Westdt.Zs. I 1882, 153) – Schallmayer/Eibl/Ott/Preuss/Wittkopf, Reuter
Z. 3: LV für Lu(cius)?, vielleicht Verginius – Schallmayer/Eibl/Ott/Preuss/Wittkopf; Aurel.(?) Veronius – Haensch
Z. 4: Zeilenwechsel nach pro – ILS; praefecti I pro se – de Bernardo Stempel/Hainzmann 2009, de Bernardo Stempel/Hainzmann 2010; ohne Ligatur – ILS, de Bernardo Stempel/Hainzmann 2009, de Bernardo Stempel/Hainzmann 2010, Reuter.
Übersetzung Deutsch

Für die Matres Arsacae, sowohl die väterlichen sowie auch die mütterlichen!
Marcus Aurelis Lu(cius) Veronius Verus, beneficiarius praefecti, hat für sich und die Seinen das Gelübde gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the Matres Arsacae, both the paternal and maternal!
Marcus Aurelis Lu(cius) Veronius Verus, beneficiarius praefecti, has fulfilled a vow willingly and deservedly for himself and his family.

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: CIL (aus älterer Literatur)
Editionen und LesungenILS 4782
CIL XIII 8630
Schallmayer/Eibl/Ott/Preuss/Wittkopf 1990, Nr.92.
Haensch 2001, Nr.175
de Bernardo Stempel/Hainzmann 2009, 90
de Bernardo Stempel/Hainzmann 2010, 39
Reuter 2012, Nr.69
Elektronische RessourcenEDCS-11100724 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/415640 (Trismegistos)
Fundort antikCUT
Fundort modern Xanten
Fundstelle„bey dem Herrn zu Wissen“ (nach Schallmeyer u. a. 1990, 84)
Verwahrungverschollen
InschriftträgerAedicula-Altar
Archäologische Klassifikation Abschrift
Umzeichnung
Götterbild
Beschreibung Objekt

Anhand der Zeichnung und Abschrift des Altars kann man von einem Aedicula-Altar sprechen. Auf dem einfach profilierten Sockel setzt ein nicht gerahmtes Inschriftenfeld an, darüber ragen, vermutlich über einem leicht vorspringenden Gesims die Überreste der Aedicula nach oben. Nach der Zeichnung dürften Reste der Nische erhalten gewesen sein, sowie die Füße samt restlicher Gewandsäume von drei sitzenden Frauenfiguren.

Zustand Objekt größeres Fragment
Ikonografie

Anhand der Abzeichnung handelt es sich vermutlich um eine typische Darstellung der drei sitzenden Göttinnen. Eine genaue Beschreibung ist nicht möglich.

Inschrift

Der Inschriftentext scheint vollständig überliefert zu sein. Doch könnte er einige Fehler beinhalten. Die seit Bergk (1882) immer wieder vorgeschlagene Verbesserung (s. Apparatus criticus; weitere Literatur dazu s. Kakosche 2016 AdEp VI, p.5 Anm.15) auf #Matres Marsacae# erscheint all zu gewagt. Die Unklarheit, die sich in Z.4. aus „PRAEFECT · I“ ergibt, ist am leichtesten zu erklären, wenn man annimmt, dass der Punkt vor dem I fasch gesetzt ist.
Ligatur: s. Majuskeltext

Technikgemeißelt
Notabilia Varia

v.4: „PE” pro „B(ene)F(iciarius)”

Kommentar Götternamen

Arsacae: Zugehörigkeitsbeiname zum keltischen Stamm der Aresaces (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 145)

Vorkommen in theonymischen Formularen:

Matres Arsacae:
- Germania Inferior: nur in dieser Inschrift gut bezeugt, wo die Göttinnen als Matres Arsacae paternae sive maternae bezeichnet werden. Es wurde allerdings vorgeschlagen, Reste ihrer Nennung auch noch in 2 weiteren Inschriften zu erkennen (CF-GeI-125 und 126).
- außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

sive: Zum Verständnis von ‚sive‘ s. de Bernardo Stempel/Hainzmann 2009, 80f. und de Bernardo Stempel/Hainzmann 2010, 32

beneficiarius praefecti: Der beneficiarius war dem praefectus legionis (s. zu diesem Rang Domaszewski/Dobson 1967, XXXIf.) zugeteilt, seine Aufgabe bestand vermutlich in „klassischen Stabsfunktionen“, der Informationsaufbereitung und Befehlsweitergabe (Ott 1995, 67).

Marcus Aurelius Lucius Veronius Verus: dabei handelt es sich um tria nomina, denen der Namensinhaber nach der Constitutio Antoniniana die kaiserlichen Namensbestandteile M(arcus) Aur(elius) voranstellte. Die Abkürzung LV für Lucius ist allerdings ungewöhnlich.
Veronius: italisches Gentilnomen (Kakoschke 2006, GN 1399)
Verus: lateinisches Cognomen, überall äußerst gängig (Kakoschke 2008, CN 3295)

Datierung212–250
ZitiervorschlagCF-GeI-124, hdl.handle.net/11471/504.50.124
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


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