Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

Fontes epigraphici religionum Celticarum antiquarum


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Matronae Ambiomarcae

CF-GeI-121

I · O · M
ET GENIO LOC[.]
MARTI · HERCVL[.]
MERCVRIO · AM
5 BIOMARCIS · MI
LITES · LEG · XXX · V V
M · VLP · PANNO
T · MANS MARCV[.]
M · VLP · LELLAVV[.]
10 T · AVR · LAVINVS
V · S · L · M
I(ovi) O(ptimo) M(aximo)
et Genio loc[i]
Marti Hercul[i]
Mercurio Am-
5 biomarcis mi-
lites leg(ionis) XXX U(lpiae) V(ictricis)
M(arcus) Ulp(ius) Panno
T(itus) Mans(uetius?) Marcu[s]
M(arcus) Ulp(ius) Lellavu[s]
10 T(itus) Aur(elius) Lavinus
v(otum) s(olverunt) l(ibentes) m(erito)
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 4: Zeilenwechsel nach Mercurio – ILS
Z. 8: Marcus – ILS
Z. 9: Lellavuo – ILS, Reuter
Z. :
Z. 10: Lavinius – Reuter
Übersetzung Deutsch

Für Iupiter Optimus Maximus, den Genius loci, Mars, Hercules, Mercurius und die Ambiomarcae!
Die Soldaten der Legio XXX Ulpia Victrix, Marcus Ulpius Panno, Titus Mansuetius Marcus, Marcus Ulpius Lellavus und Titus Aurelius Lavinus haben das Gelübde nach erwiesener Wohltat gerne erfüllt.

Übersetzung Englisch

To Iupiter Optimus Maximus, the Genius loci, Mars, Hercules, Mercurius and the Ambiomarcae!
The soldiers of the 30th legion Ulpia Victrix, Marcus Ulpius Panno, Titus Mansuetius? Marcus, Marcus Ulpius Lellavus and Titus Aurelius Lavinus paid their vow willingly and deservedly.

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenILS 4634 mit add.
CIL XIII 7789
Lehner 1918, Nr.99
Reuter 2012, Nr.94
Elektronische RessourcenEDCS-11100014 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
Fundort antikRigomagus
FundstelleRemagen, zw. Apollinariskirche und Rhein
Umstände: beim Bau der Eisenbahn zwischen der Apollinariskirche und dem Rhein; der Stein war ein Geschenk des Grafen von Fürstenberg-Stammheim im Jahr 1886 ans Museum (Lehner 1918, 46)
Fundjahr1857
VerwahrungBonn, Rheinisches Landesmuseum, 4300
InschriftträgerWeihealtar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Opferschale
Beschreibung Objekt

Der vollständig erhaltene Weihealtar besteht aus einem profilierten Sockel, dem schmäler ausgeführten Altarkörper mit nicht gerahmtem Inschriftenfeld und dem deutlich abgesetzten Gesims (ebenfalls profiliert) und der Bekrönung, die vermutlich Pulvini und in der Mitte eine runde Erhöhung aufwies, in deren Mitte sich in Draufsicht eine Opferschale o.Ä. befunden haben kann.

In der Literatur wird ein Giebelchen mit abgeschlagenen Voluten und einem Tellerchen (ev. Opferschale) erwähnt (Lehner 1918, 46).

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 67,0 cm
Breite: 36,0 cm
Tiefe: 22,0 cm
IkonografieDie Bekrönung des Altars ruht auf einem profilierten Sims und bestand aus seitlichen Pulvini, in deren Mitte eine rundliche Erhöhung liegt, vielleicht ein abgeschlagener Giebel. In Draufsicht soll ein Teller, vermutlich eine Opferschale, zu sehen sein (Lehner 1918, 46).
Zustand Inschriftfeld weitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Inschrift

Der Text ist bis auf einige Ausbrüche am rechten Rand vollständig. Die Buchstaben der ersten und letzten Zeile sind deutlich größer ausgeführt.
Hederae als Trennzeichen finden sich in Z.1; nach CIL auch in ZZ.2, 3, 6.

Datierung101–250
Kommentar Götternamen

Keltisches Element:
Ambiomarcae: Basisform, aus der die lautlich germanisierte Variante Ambiamarcae entwickelt wurde: erster Namensteil keltisch, zweiter germanisch, ‚die um die Marken / zu beiden Seiten der Marken Wohnenden‘ (Schmidt 1987, 144; de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 142)

Belegsituation:
Ambiomarcae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Dieses theonymische Formular ist 3x bezeugt (CF-GeI-106, CF-GeI-107, CF-GeI-121). Das Verständnis von Ambiomarcis als Dativ von Ambiomarcae in der hier behandelten Inschrift ist nicht völlig zweifelsfrei – denkbar wäre grundsätzlich auch Ambiomarci –, doch ist diese Auffassung insbesondere durch die Weihung an die „Matronis Abiamar(cis)“ in CF-GeI-105 die naheliegendste. Der Vermutung Lehners (1918, Nr.99; und so schon ILS nach Zangemeister), dass in Ambiomarci ein Beiname der vorgenannten Götter gesehen werden könnte, ist aus diesem Grund nicht zuzustimmen.
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Matronae Ambiomarcae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Es findet sich nur ein relevanter Beleg (CF-GeI-105).
- Außerhalb der Germania Inferior: Aus der Germania Superior (CIL XIII 3585) ist eine Weihung bekannt.

Kommentar allgemein

Legio XXX Ulpia Victrix: Die Legion folgte ab 121/122 n.Chr. in Xanten auf die legio VI Victrix (Stein 1932, 106).

Marcus Ulpius Panno; Titus Mansuetius Marcus; Marcus Ulpius Lellavus, Titus Aurelius Lavinus: 4x tria nomina
Ulpius: italisches kaiserliches Gentilnomen, überall äußerst gängig (Kakoschke 2006, GN 1329)
Panno: vermutlich germanisches Cognomen (Kakoschke 2008, CN 2274); vielleicht Panno(nius) (Alföldy 1967, 28, Nr.25-26)
Mansuetius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Cognomen Mansuetus (Kakoschke 2006, GN 738)
Marcus: lateinisches Cognomen (Kakoschke 2008, CN 1907)
Lellavus: nach anderer Ergänzung Lellavvo: germanisches Cognomen (Kakoschke 2007, CN 1702)
Aurelius: italisches kaiserliches Gentilnomen, überall besonders häufig (Kakoschke 2006, GN 173)
Lavinus: vermutlich keltisches Cognomen (Kakoschke 2007, CN 1692)

Nach Lehner (1918, Nr.99) handelt es sich bei den Dedikanten vermutlich um Soldaten einer Beneficiarierstation, was Reuter (2012, 132) bezweifelt, da sich die Soldaten in diesem Fall wohl als beneficiarii bezeichnet hätten.

ZitiervorschlagCF-GeI-121, hdl.handle.net/11471/504.50.121
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: CIL XIII Projekt, CC BY-NC