Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior


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Matronae Textumeichae

CF-GeI-113

TEXTVME[---]
T · MODEST[---]
VS · CRISPIN[---]
TVRBO · L[---]
Textume[ichis]
T(itus) Modest[i]-
us Crispin[us/ius]
Turbo l(ibens) [m(erito)]
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 1: Textume[is] – CIL, Lehner, Espérandieu
Übersetzung Deutsch

Für die Textumeichae!
Titus Modestius Crispinus/Crispinius Turbo gerne und verdientermaßen.

Übersetzung Englisch

To the Textumeichae!
Titus Modestius Crispinus/Crispinius Turbo willingly and deservedly.

Autopsievidimus (CIL XIII Projekt)
Editionen und LesungenCIL XIII 7849
Lehner 1918, Nr.343
Espérandieu IX 6568
Elektronische RessourcenEDCS-11100073 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/414915 (Trismegistos)
Fundort modern Soller
Fundstelleauf dem sog. Dinsel, in einem Grab
Umstände: Gefunden in einem Grab, sekundär als Grabplatte verwendet. Das Gräberfeld wurde 1850 beim Anlegen einer Kiesgrube entdeckt (Fundbericht nach Freudenberg 1853, 91-94)¸ der Stein wurde dann 1853 von Herrn von Geyr angekauft.
Fundjahr1850
VerwahrungBonn, Rheinisches Landesmuseum, A 87
InschriftträgerWeihealtar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Reliefschmuck
Tisch
Gefäß
Kultmahl
Blüte
Frucht
Beschreibung Objekt

Sockel und Aufsatz fehlen. Der Altarkörper ist rechteckig, die Inschrift nicht gerahmt. Laut Literatur findet sich auf der Rückseite eine mittelalterliche Beschriftung (nach Freudenberg 1853, 91-94 soll es sich um christliche Zeichen handeln, die den Sterbetag des Individuums angeben, das in dem losen Steinplattengrab bestattet war). Auf der linken Schmalseite soll laut Literatur ein Krug auf einem dreibeinigen Tisch dargestellt sein. Darüber gibt es Reste von Früchten oder Blumen (Lehner, 1918, 156).

Das vorhandene große Fragment soll die vordere abgespaltene Hälfte eines Altars sein; Reste der Bekrönung seien noch erhalten (Lehner 1918, 156).

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 105,0 cm
Breite: 66,0 cm
Tiefe: 22,0 cm
IkonografieDie rechte Schmalseite ist nicht mehr erhalten. Auf der linken sind ein dreibeiniger Tisch mit einer schlanken einhenkeligen Kanne darauf erkennbar. Aus dem Gefäß ragen Blüten und Früchte hervor (Lehner 1918, 156).
Zustand Inschriftfeld weitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Inschrift

Der Text füllt das Inschriftenfeld nicht zur Gänze aus (unter dem Text bleibt ein Freiraum). Die rechte Seite ist abgebrochen.

Datierung150–230
Kommentar Götternamen

Textumeichae: keltisch mit germanisiertem Suffix; Etymologie: ‘die zu den Besitztümern Gehörigen’ (de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 143f.)

Belegsituation:
Textumeichae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: nur in der hier besprochenen Inschrift eindeutig belegt. In einer weiteren Inschrift (CF-GeI-114) ist der Stein vor der Nennung der Textumeichae abgebrochen. Es bleibt also unklar, ob sie dort als Matronae bezeichnet waren oder nicht.
- Außerhalb der Germania Inferior: -
Matronae Textumeichae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Das theonymische Formular ist nur 1x (CF-GeI-104) sicher bezeugt.
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Titus Modestius Crispinus Turbo: tria nomina mit einem zweiten Cognomen bzw. Supernomen oder einem zweiten Gentilnomen (wenn der Name statt auf Crispinus auf Crispinius ergänzt wird.
Modestius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Cognomen Modestus (Kakoschke 2006, GN 811)
Crispinus: lateinisches Cognomen, Weiterbildung des Cognomens Crispus, gängiger Name (Kakoschke 2007, CN 961); denkbar wäre auch die Ergänzung auf das italische Gentilnomen oder einheimische Pseudogentilnomen Crispinius (so Lehner, Kakoschke 2006, GN 377).
Turbo: lateinisches Cognomen (Kakoschke 2008, CN 3132)

ZitiervorschlagCF-GeI-113, hdl.handle.net/11471/504.50.113
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: CIL XIII Projekt, CC BY-NC