Keltische Götternamen in den Inschriften der römischen Provinz Germania Inferior

Fontes epigraphici religionum Celticarum antiquarum


« zurück zur KategorieTEI

Matronae Ambiomarcae

CF-GeI-105

MATRON̂IS
ABIAMAR
C · IVL PROC
VLAS · L · M
Matronis
Abiamar(cis?)
C(aius) Iul(ius) Proc-
ulas l(ibens) m(erito)
CivitasCCAA
Apparatus criticusZ. 3: c(is) – Brambach, Gutenbrunner; Iul(ia) – Eick, Brambach
Z. 4: ula s(olvit) – Eick, Brambach, Riese, Gutenbrunner, Weißgerber; ul<u>s – Ihm
Übersetzung Deutsch

Für die Matronae Abiamarcae!
Gaius Iulius Proculas gerne nach erwiesener Wohltat.

Übersetzung Englisch

To the Matronae Abiamarcae!
Gaius Iulius Proculas willingly and deservedly.

Autopsienon vidimus
Lesung gründet auf: CIL (aus älterer Literatur)
Editionen und LesungenEick 1857, 33
Brambach 1867, Nr.635
Ihm 1887, Nr.293
CIL XIII 7898
Riese 1914, Nr.3078
Gutenbrunner 1936, 201
Weißgerber 1968, 27, Nr.123
Elektronische RessourcenEDCS-11100123 (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
FundstelleFloisdorf, nordwestlich des Dorfes einige Minuten davon entfernt „auf der nach Berg streichenden Höhe“, in den dort aufgedeckten fränkischen Gräbern
Umstände: gemeinsam mit Inschrift für Textumeichae (CF-GeI-114), in einem fränkischen Gräberfeld
Fundjahr1856
Verwahrungverschollen
InschriftträgerWeihealtar
Material Sandstein
Archäologische Klassifikation Fragment
glatt
verschollen
Beschreibung Objekt

Es handelt sich um die vordere Hälfte eines Weihealtars (laut Eick 1857, 33), der wohl aufgrund seiner Weiterverwendung in einem fränkischen Steinkistengrab zugehauen wurde.

Weitere Details wie Dekor etc. werden nicht erwähnt, vermutlich war der Stein unverziert.

Ikonografiekein Dekor in der Literatur erwähnt, daher wohl kein Dekor vorhanden
Zustand Inschriftfeld vollständig
Inschrift

Der Inschriftentext scheint vollständig überliefert zu sein.

Datierung150–250
Notabilia Varia

v.3: „Proculas“ pro „Proculus“

Kommentar Götternamen

Keltisches Element:
Abiamarcae: Variante des Götternamens Ambiomarcae bzw. seiner auch lautlich germanisierten Variante Ambiamarcae: erster Namensteil keltisch, zweiter germanisch, ‚die um die Marken / zu beiden Seiten der Marken Wohnenden‘ (Schmidt 1987, 144; de Bernardo Stempel in Spickermann 2005, 142)

Belegsituation:
Matronae Ambiomarcae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Die hier besprochene Inschrift ist der einzige Beleg des entsprechenden zweigliedrigen theonymischen Formulars.
- Außerhalb der Germania Inferior: Aus der Germania Superior (CIL XIII 3585) ist eine Weihung bekannt.
Ambiomarcae (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Dieses theonymische Formular ist 3x bezeugt (CF-GeI-106, CF-GeI-107, CF-GeI-121).
- Außerhalb der Germania Inferior: -

Kommentar allgemein

Caius Iulius Proculas: tria nomina.
Eine andere Lesung (s. Apparatus criticus) wäre Iulia Procula (so auch Kakoschke 2008, CN 2472), dann wäre das C nicht als Gaius zu verstehen, sondern noch zu „Ambiamarc(is)“ zu rechnen; das S am Ende von Proculas müsste dann Teil von „s(olvit) l(ibens) m(erito)“ sein. Nicht nur aufgrund der ausgewogen erscheinenden Buchstabenverteilung im Textfeld und der überlieferten Worttrenner in Z.4, scheint diese Lesung weniger wahrscheinlich; vgl. unten zu Proculas.
Iulius: italisches kaiserliches Gentilnomen, überall äußerst gängig, in der Germania Inferior besonders häufig belegt (Kakoschke 2006, GN 621)
Proculas: schon Ihm (1887, Nr.293) schlug eine Korrektur auf Procul<u>s vor; germanisierte Form des maskulinen Nominativs Proculus (de Bernardo Stempel 2014, Beiträge zur Namensforschung 49/1, 96–120).

ZitiervorschlagCF-GeI-105, hdl.handle.net/11471/504.50.105
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0


Bild 1: CIL XIII 7898, CC BY-NC