Siegel der Bischöfe der Salzburger Metropole

Erzbischof Pilgrim II., Salzburg

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Hauptsiegel

Datierung: 1366-10-27

Foto: Rudolf K. Höfer

Zeichnung: Ludwig Freidinger

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Beschreibung
Avers-Typ:Thronsiegel
Avers-Bildinhalt
Allgemeine Beschreibung:Das Siegel zeigt den auf einem Faldistorium sitzenden SF in einer reichgegliederten gotischen Baldachinarchitektur, die bis zum Siegelrand hinaufreicht. In den seitlichen Nischen hält je ein Engel einen nach innen geneigten Dreieckschild, rechts das Erzbistumswappen, links das persönliche Wappen des SF. Vom Faldistorium, über welches eine in weiche Falten gelegte Decke gebreitet ist, sind die Stuhlbeine oben als Löwenkopf mit prächtiger Mähne gestaltet sichtbar. Der SF wendet sich in leicht bewegtem Schwung nach rechts und neigt den Kopf etwas, wodurch bei der Mitra die Vertiefung inmitten der Vorder- und Hinterseite sichtbar wird. Das Gewand löst sich am Hals in seiner eigenen Stofflichkeit vom Körper und zeigt viel Volumen: die bodenlange Albe, die Dalmatik und die Kasel mit den wulstigen Schüsselfalten sowie dem das linke Knie umrahmenden Faltenbausch. Der Amikt mit Besatz umgibt die Kasel kragenförmig. Darunter ruht das mit Kreuzen bestickte ringförmige Pallium auf den Schultern. Beide Unterarme hat der SF abgewinkelt, die Hände sind behandschuht. Die Rechte ist segnend erhoben. In der Linken trägt er das Pedum mit einer nach außen gerichteten schmuckvollen Curva, die in ein Vierblatt mündet.##Die bewegte plastische Darstellung des SF trägt realistische, vor allem auch individuelle Züge und lässt an ein Portrait denken: das Gesicht mit den weitgeöffneten Augen, der gerunzelten Stirne, dem lockigen Haar, dem energisch vorspringenden und doch zarten Kinn und vor allem dessen neues, breites Sitzen mit oben weit auseinandergestellter, nach unten hin sich zusammenschließender Beinpartie.
Heraldische Beschreibung:Persönliches Wappen: In Silber ein roter Balken.##Erzbistumswappen: Gespalten, vorne in Rot ein silberner Balken, hinten in Gold ein linksgewendeter rot gezungter schwarzer Löwe.
Transkription
Umschrift
Schrifttyp:Gotische Majuskel, Unziale
Abgrenzung innen:Perlschnur zwischen zwei Linien
Abgrenzung außen:Perlschnur zwischen zwei Linien
Transliteration:PILGRIVS : D𐌴I : G(ati)A : SA𐌿CT𐌴 : SALCZBVRG𐌴𐌿‾(sis) : 𐌴CC‾(lesi)𐌴 : ARC𐌷I𐌴(iscopu)S : AP(osto)L[I]C𐌴 : S𐌴DIS : L𐌴GATVS
Übersetzung:Pilgrim von Gottes Gnaden Erzbischof der heiligen Kirche von Salzburg, Legat des Apostolischen Stuhls
Kommentar:die Punkte stehen für Kreuze
Materialität
Form:rund
Maße:78 mm
Typ des Siegels:Abdruck
Siegelstoff:Siegelwachs
Farbe:

rot

Befestigung:anhängend an Pergamentstreifen
Zustand:intakter Abdruck
Metadaten
Siegelführer:

Erzbischof

Pilgrim II. von Puchheim der Erzdiözese Salzburg

1365 bis 1396-04-05

Er wurde von der überwiegenden – österreichischen – Partei im Salzburger Domkapitel nach dem 11.9.1365 gegen den Kandidaten der bayerischen Partei Ortolf von Offenstetten zum Erzbischof von Salzburg gewählt. Konsekration und Palliumverleihung erfolgten vermutlich im Februar 1366.

Aufbewahrungsort:

Salzburg, Stiftsarchiv der Erzabtei St. Peter

Nr. 467 - 1366 X 27

Urkunde, 1366-10-27, Salzburg

Weitere Siegel:sa-63
Literatur

Franz Ortner, Art. Pilgrim von Puchheim. Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches: 1198 bis 1448 hg. Erwin Gatz (Berlin 2001) 672–674.

Paula Kreiselmeyer, Die Schrift auf den Siegeln der Salzburger Erzbischöfe und deren innerösterreichischer Suffraganbischöfe von 958-1540. Archiv für Schreib- und Buchwesen 3 (1929) Teil 3, 137.

Sonja Leiss, Geistliche Siegel der Gotik in Österreich (ca. 1350–1470). Versuch einer Einordnung der Siegelplastik in die allgemeine Kunstgeschichte. Diss. (Wien 1971) Nr. 157.

Franz Wagner, Die Siegelbilder der Salzburger Erzbischöfe des Spätmittelalters. Alte und moderne Kunst 156 (1978) 15–17.

Franz Wagner, Der „Segensgestus“ ist kein Segensgestus, der „Palmzweig“ ist kein Palmzweig. Zu den Darstellungen auf geistlichen Siegeln des Mittelalters an Beispielen aus Salzburg und seinem Umkreis. Salzburg Archiv 35 (2014) 45–50.

Inge Anna Pedarnig, Die Siegel der Salzburger Erzbischöfe in Spätmittelalter und früher Neuzeit 1366–1612. Dipl. (Salzburg 2001) 72f. Abb. 2.

Paul Kletler, Die Kunst im österreichischen Siegel (Wien 1927) 13, 20, 37, 43f., 54, 57.

Franz Ortner, Salzburgs Bischöfe in der Geschichte des Landes: 696–2005 (Wissenschaft und Religion. Veröffentlichungen des Internationalen Forschungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften Salzburg 12, Frankfurt am Main 2005) 402.

Impressum
Editorische Redaktion:Höfer Rudolf K.
Datenerfassung:Feiner Martin
Datenmodellierung:Zentrum für Informationsmodellierung - Austrian Centre for Digital Humanities
Herausgeber:Institut für Kirchengeschichte und kirchliche Zeitgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz