Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie in der Neuzeit

Die Internuntiatur des Johann Rudolf Schmid zum Schwarzenhorn (1649): Reisebericht, Instruktionen, Korrespondenz, Berichte

Beta Version
Titel
Itinerarium oder rayß beschreibung von Wien in Österreich nach Constantinopel
Autor
Johann Georg Metzger
Entstehungszeit
20.03.1650
Entstehungsort
Konstantinopel, Wien
Umfang
522 Seiten
Format
15 cm X 20 cm
Schrift und Hände
Das vorliegende Diarium basiert mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Notizen und Skizzen, die der Autor Johann Georg Metzger während seines Aufenthalts am Balkan und in Konstantinopel im Rahmen der Gesandtschaft unter der Leitung von Rudolf Schmid zum Schwarzenhorn gemacht hat. Das Diarium enthält zwei verschiedene Handschriften. Den Hauptteil macht der eigentliche Autor, Johann Georg Metzger aus. Daneben gibt es Einträge des Erben und Nachbesitzers, Johann Leopold Metzger Freiherr von Metzburg. Der Reisebericht ist in frühneuzeitlicher Kurrentschrift verfasst. Die Sprache ist großteils Deutsch, vereinzelt gibt es lateinische und griechische bzw. osmanisch-türkische und arabische Passagen.
Beschreibung
Original: Aus Leder gebundener Buchdeckel; Innenseite raues, gebundenes Papier; stellenweise eingelegte lose Blätter. Maße: 15 cm X 20 cm
Das Diarium ist ledergebunden. Die Handschrift ist gut lesbar und mit schwarzer Tinte geschrieben. Die Seite sind gebunden, einzelne Blätter wurden im Nachhinein eingelegt. Der Bericht ist größtenteils vom Autor selbst paginiert. Die ersten und letzten Seiten sind unpaginiert und wurden im Nachhinein, und nicht vom Autor selbst, beschrieben. Eine Kopie des Diariums ist als Mikrofilm verfügbar. Dieser wird im Stadtarchiv Stein am Rhein/Schweiz aufbewahrt.
Entstehung der Handschrift
Das Diarum wurde in Wien fertiggestellt. Das Vorwort dazu wurde ebendort am 20. März 1650 verfasst. Nachdem der Autor, Johann Georg Metzger, verstorben war, wurde das Diarium innerhalb der Familie von Metzgburg weitergegeben. Bei Hammer-Purgstall scheint der Vizepräsident des k.u.k. Rechnungsdirektoriums und späterer Präsident der Armee Rechnungs Hofkommission, Johann Freiherr von Metzburg (1780-1839) als Besitzer auf. Er dürfte es, nach Vermerken im Reisebericht selbst, an seinen Sohn, Heinrich Freiherr von Metzburg übergeben haben. Dieser allerdings blieb unverheiratet und vertraute das Familienerbestück seiner Schwester Emilie von Metzburg (1807-1856), später von Knorr, an. Deren Ehemann, Josef Freiherr von Knorr, war seit 1820 Besitzer des Schlosses Stiebar in Gresten, weswegen der Reisebericht hier seinen heutigen Aufbewahrungsort hat. Nach dem Tod von Josef von Knorr im Jahr 1839 übernahmen seine Töchter das Schloss. Allerdings kam es bereits 1908 zu einem weiteren Besitzerwechsel: Josefine (1827-1908) vererbte es schließlich an Otto Graf von Seefried (1870-1951) und dessen Gemahlin Elisabeth Maria von Bayern (1874-1957), einer Enkelin Kaiser Franz Josephs. Das Reisetagebuch verblieb jedoch in der Stiebar'schen Haus-Bibliothek, wo es das Interesse des Grafen Otto von Seefried erregt haben dürfte. Er befasste sich mit dem Schlossarchiv und verfasste sogar eine kurze Abhandlung über den Metzger'schen Reisebericht in der Sonntagsausgabe des neuen Wiener Tagblattes (28.10.1928, 24-26). Ebendieser Artikel lenkte wohl die Aufmerksamkeit des berühmten Orientalisten und "Handschriftenjägers" Franz Babingers (1891-1967) auf sich, der sich in den darauffolgenden Jahren intensiv um die Herausgabe einer Edition bemühte. Zu diesem Zweck nahm Babinger 1937 Kontakt auf mit dem Schaffhausener Staatsanwalt Fritz Rippmann, der sich mit dem Lebenswerk des Diplomaten Rudolf Schmidt zum Schwarzenhorn beschäftigte und Babinger eine Publikation seiner Edition in Aussicht stellte. Schwarzenhorn, der Leiter jener Mission, in welcher Metzger seine Reise nach Konstantinopel angetreten war, war aus Stein am Rhein gebürtig. So kann eine Verbindung in die Schweiz hergestellt werden. Diese ist für die Geschichte des Reisebericht von grundlegender Bedeutung, denn nur auf Grund der Bemühungen Rippmanns und Babingers konnte eine Filmkopie des bis vor Kurzem verloren geglaubten Berichts hergestellt werden, auf deren Basis das vorliegende Editionsprojekt beruht. Die Bemühungen Babingers zur Publikation einer Edition des Berichts verliefen seit 1959 im Sand. Der Orientalist verstarb acht Jahre später, sein Nachlass ist leider nicht zugänglich. Das Original wurde von einer der EditorInnen, Anna Huemer, auf Grundlage der Beschäftigung mit der Familien- und Rezeptionsgeschichte des Berichts wiederentdeckt.
Archiv
Schloss Stiebar, Gresten, Niederösterreich
Bildmaterial
Stadtarchiv Stein am Rhein, Sammlungen, 'Schwarzenhorniana', 08.03.01-11 [Filmkopie].
Zitierhinweis
Johann Georg Metzger, Itinerarium oder rayss beschreibung von Wien in Österreich nach Constantinopel [...] (1650), bearbeitet von Anna Huemer, Kommentar von Lisa Brunner, Digitalisierung von Carina Koch, unter Mitarbeit von Anna Huemer, in: Arno Strohmeyer / Georg Vogeler, Hg., Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie in der Neuzeit. Die Internuntiatur des Johann Rudolf Schmid zum Schwarzenhorn (1649): Reisebericht, Instruktionen, Korrespondenz, Berichte, Salzburg / Graz 2019, online unter: http://gams.uni-graz.at/dipko [Betaversion 2019-10].