Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Lyrik
Genre:
Autoren:
Zeitraum Entstehung: 1691-1732
Hauptvariante (Text):
Textvarianten:
Kommentar:

Das hier vorliegende dialektale Lied beruht auf einer in der ursprünglichen Form standardsprachlichen Variante ('Ich bin ein armer Exulant'), die im Original von Joseph Schaitberger (1658-1733), einem Dürrnberger Bergmann und protestantischen Glaubenskämpfer, stammt.
Es entstand im Kontext des durch Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg veranlassten Landesverweises von etwa 800 Salzburger Protestanten aus dem damals zu Salzburg gehörenden Osttiroler Defreggental und aus Dürrnberg bei Hallein - eine Zwangsmaßnahme, die in der protestantischen Publizistik als Beispiel der Standhaftigkeit ihrer Glaubensbrüder angesichts katholischer Willkür auführlich besprochen wurde.
Schaitberger verfasste es möglicherweise bereits 1686 auf dem Weg nach seinem Emigrationsort Nürnberg – erstmals im Druck erschienen ist es allerdings erst 1691 in einem Sendbrief Schaitbergers. Es transportiert die Sorgen und Nöte der Vertriebenen, betont zugleich aber auch ihr Einstehen für den rechten Glauben.

Dass das Exulantenlied (auf die Melodie des Kirchenlieds "Ich dank dir schon durch deinen Sohn") in den protestantischen Gebieten des deutschen Reichs große Verbreitung gefunden hatte, belegen nicht zuletzt etliche Adaptionen, darunter auch eine dialektale, pseudo-bairische Variante, die in der Mundart der Vertriebenen verfasst sein soll. Diese Fassung wurde, als die konfessionellen Spannungen mit der Vertreibung von über 20000 Protestanten unter Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian zu Beginn der 1730er Jahre erneut aufflammten, mehrfach in protestantischen Blättern abgedruckt.
Dialektkundige waren bei der propagandistisch intendierten Drucklegung offensichtlich keine beteiligt, so unbedarft ist die Wiedergabe der oberdeutschen Mundart in sämtlichen erhaltenen Fassungen. Denn selbst wenn man mögliche Übertragungsfehler und Zersingungseffekte in Rechnung stellt, dürfte das (auch zeitlich nicht genau bestimmbare) Original nicht in der Mundart aus der Halleiner Gegend verfasst worden sein.

Zu diesem protestantischen Auswandererlied finden sich zudem auch Spottlieder, die als Entgegnung von katholischer Seite her zu verstehen sind (siehe hierzu den Eintrag zu 'Hiaz bist ăn armer Exilon' , vermutlich eine Erwiderung mit direktem Bezug, oder auch zu 'Ein glückseelig Neues Jahr!' sowie ‚Jä Stöffl wänn du en da Städt z’nagst wast g’wes’n‘ ).

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.95
Zuletzt geändert: am: 9.9.2016 um: 09:51:54 Uhr