Dialect Cultures

Datenbank bairisch-österreichischer Mundartkunst vor 1800

Gattung: Drama
Genre:
Autoren:
Komponisten:
Zeitraum Entstehung: 1775 +/- 8
Textvarianten:
Kommentar:

Maurus Lindemayrs kurzes „Operettel“ 'Der Dumköpfige Hausknecht' ist ein mit Dialektsequenzen versehenes Dreipersonenstück, das wohl in seiner letzten Schaffensphase entstanden sein dürfte und viel älteres, publikumsbewährtes Material aufgreift.

Der Titelheld ist eine Kasperl-Figur, hat also die Domestizierung des derben Hanswursthaften bereits hinter sich, und rührt und erheitert durch seinen im Dialekt vorgetragenen Infantilismus. Disloziert aus seinem bäuerlichen Umfeld, versucht er seit wenigen Tagen sein Glück als Hausknecht in einem Wirtshaus und wird nun zum Zielobjekt des Spotts der beiden weiteren Protagonisten, eines Kellners und eines Wachtmeisters, die seine panische Angst vor dem Soldatenstand („Wenn ih än Soldaten nä grads vo weiten sieh’, so fahrt’s mä schan durch alli Glieder, und ih weiß schan nimmä, wo ih bin.“, I 546) zu einem üblen Scherz nützen. Ganz unbegründet freilich ist diese Furcht nicht, immerhin waren in Kriegszeiten Zwangsrekrutierungen nichts Ungewöhnliches. Dementsprechend entbehren auch die verbalen Windungen des Hausknechts vor den Verbrüderungsversuchen des Wachtmeisters bei aller Lächerlichkeit nicht der durchaus realistischen Sicht: "Wenn’s Soldaten Lebm so guet, und gschmächi wär, so wurden eng d’Buebm schon selbm nachrennä; und brauchät nöt alli Jahr dös müh’sami Aufschreibm, aufsuechä, und nahschlagn, wie an Jedä haißt, und wo ä stöckt. Än jedi gueti Sach hat seini Abkauffä. Aver um engä Lebm wernd sih wenig Kauffä füra thain." (I 547)

Mut war nie die Tugend des Hanswursts, doch nun gehört er auch nicht mehr zu den bramarbasierenden Maulhelden. Und so ist er heilfroh, als ihm der Wachtmeister die für den Soldatenstand unabdingliche Courage abspricht und ihn nicht mehr weiter behelligt. Um aber gänzlich
sicher zu sein vor dem Arm des Militärs, beschließt er wieder zurückzukehren in seine bäuerliche Heimat, „haim zu dä Muedä“.

Die simple Handlung gibt Gelegenheit, ältere Arien und Lieder in einer Art Potpourri zu integrieren. Eine offenbar für dieses Stück entstandene Arie ("Und wenn ih äh kek hahä müet") findet sich dann auch im 'Befreyten Land Rekrut' wieder.

Literatur:
Permalink: http://hdl.handle.net/11471/510.15.917
Zuletzt geändert: am: 2.9.2016 um: 11:49:30 Uhr